Das Magazin aus Ostfriesland

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (14)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 14

    Renate hatte ein ungutes Gefühl, die Bande war ihr zu schnell auf Friedrichs Forderungen eingegangen und ihr Plan der Übergabe war sehr kompliziert ausgedacht. Liefen sie alle in eine gut aufgestellte Falle? Als Maren sie per Handy von der Anwesenheit des Hans Müller auf Norderney informierte, klingelten bei ihr die Alarmglocken. Renate hatte schon einige Geldübergaben organisiert und das mit einer hohen Erfolgsquote.

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    Aber in diesem Fall waren sehr viele fremde Einflüsse zu berücksichtigen. Konnten die Kollegen auf der Fähre die Sicherheit von Friedrich gewährleisten? Jetzt auch noch dieser Hans Müller.

    Friedrich bewegte sich, an der weißen Düne, möglichst dort, wo sich größere Menschengruppen aufhielten. Er versuchte seine Gedanken zu kontrollieren und nicht an die Übergabe zu denken. Er schaute sich ständig die Menschen an, die ihm begegneten. Er versuchte, bekannte Gesichter zu erkennen und er war einem Nervenzusammenbruch sehr nahe. Aber es geschah nichts Außergewöhnliches. Die Zeit verrann nur langsam für Friedrich, zu langsam und er versuchte sich ab zu lenken, er setzte sich an einem gerade leer gewordenen Tisch auf der Terrasse des Ausfluglokals. Die Bedienung, eine schwarzhaarige Schönheit aus Osteuropa, musterte ihn auffällig lange, dann kam sie

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    zögerlich an seinen Tisch und fragte nach seiner Bestellung:

    „Ein Stück Apfelkuchen mit Schlagsahne und einen Milchkaffee bitte!“Die Kellnerin nickte in Richtung Friedrich und zog von dannen. Gefahr vorbei, dachte Friedrich und schaute sich die anderen Gäste am Nachbartisch genau an. Die Sonne schien in sein Gesicht und er zog seinen Panamahut, den er bei seinen letzten Urlaub in Meran gekauft hatte, tiefer ins Gesicht. Er verglich die Eindrücke, die er in den Dolomiten erfahren hatte mit denen hier auf der Nordseeinsel Norderney. Norden und Norddeich, die ungleichen Geschwister, Norddeich wurde aus der Not heraus zum Hafen von Norden erkoren und ausgebaut. Als Anfang des letzten Jahrhunderts das Leybuchtsiel gebaut wurde, wurde der Hafen von Norden von der Nordsee abgeschnitten. Kein direkter

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    Zugang mehr zum Meer, kein brauchbarer Hafen für Norden. So wurde in Norddeich der neue Hafen für Norden gebaut und es entwickelte sich mit dem Fährdienst zu den 7 vorgelagerten ostfriesischen Inseln eine florierende Wirtschaft. Am Festland, am Strand von Norddeich entstand Wohnraum für Feriengäste und es zog damit stetig mehr Gäste nach Norddeich. Auch für Friedrich fiel der Vergleich    zu Gunsten von Ostfriesland aus, er mochte die Weite des Landes keine hohe Begrenzung oder Einengung durch Berge störte sein Blick.

    An den Nachbartischen rekelten sich Jugendliche und plapperten vor sich hin, ohne dabei von ihren Handys aufzuschauen. Daneben unterhielten sich zwei Männer im mittleren Alter über ihr Golfspiel auf der Insel. Da war noch ein Ehepaar mit zwei unerzogenen Kindern, die alles andere wollten, nur nicht in Ruhe mit den Eltern ihr

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    bestelltes Essen verzehren. Alles schien ungefährlich und belanglos für Friedrichs Einschätzung der Lage. Hier also warten bis die Zeit vorüberging, oder doch noch durch die Dünen zum Strand und am Wasser entlang schlendern und entspannen? Die schöne Bedienung kam und brachte die Bestellung an Friedrichs Tisch. Der Apfelkuchen duftete herrlich und erinnerte ihn an die Geburtstagsfeiern seiner Kindheit, Mutter backte den besten Apfelkuchen auf der ganzen Welt. Aber da gab es noch eine andere Erinnerung die in ihm aufkam, es gab einen ähnlichen Kuchen auf der Beerdigungsfeier seines Vaters. Warum dachte er gerade jetzt an den plötzlichen Tod seines Vaters, war das ein schlechtes Omen? Ging es Friedrich durch den Kopf.

    Berger und Maren verstanden sich ohne viele Worte, wenn man mit einem Ostfriesen zusammenarbeitete musste man sich in der

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    Konversation schon auf das Wesentliche konzentrieren. Obwohl Maren keine Schnattertante war, konnte Sie mit ihrer Kollegin Renate einen ordentlichen Snack halten.    Maren machte sich die ganze Zeit auf der Fähre Gedanken darüber, wo eventuelle Schwachpunkte in ihren Masterplan sein könnten. Sie tauschte sich darüber mit Berger über SMS Schreiben aus. Der wiederum hatte mehr Probleme mit dem Schreiben auf seinem neuen Handy, als mit den geschilderten Problemen von Maren.    „Du Maren, schrieb er, wir haben alles profimäßig durchdacht und nach unseren personellen Möglichkeiten organisiert, mir fällt einfach nichts mehr dazu ein!“ Maren ließ nicht locker und fragte nach dem Verbleiben dieses undurchsichtigen Hans Müller, war er auf der Fähre, oder auf der Insel gesichtet worden?“ Er soll doch laut Kenntnisstand meines Vaters heute Morgen auf die Insel gefahren sein? Ist er der gesuchte Drahtzieher der

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    Bande? Dann gibt es eine neue explosive Sachlage! Wie können wir verhindern, dass er den Aktenaustausch vornimmt und dabei Friedrich umbringt?

    Der hat ja dann wahrscheinlich schon mehrere Morde auf seinem Konto!“

    Berger machte sich auch seine eigenen Gedanken zu Hans Müller und dessen Rolle in diesem Fall. Es galt aber alle Eventualitäten zu berücksichtigen und dabei keinen, auch nicht diesen Hans Müller zu vernachlässigen. Maren hatte recht, die Anwesenheit dieses Mannes auf der Insel verhieß nichts Gutes und er musste schnell geortet werden um Ihn unter Kontrolle zu halten. So groß wäre die Insel wohl nicht, dachte Berger, wurde aber sehr bald vom Gegenteil überrascht. Müller tauchte einfach nicht in der Nähe von Friedrich auf. Dies war erst einmal nicht schlecht, aber dann war er vielleicht nur ein Ablenkungsmanöver und ein

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    anderer bestellter Mörder sollte seine Arbeit machen. Also wenigstens zwei mögliche Täter an verschiedenen Orten? Berger stöhnte laut auf, die Halunken zwingen uns, uns aufzuteilen, sprach er vor sich hin. Berger informierte Maren über seine Vermutungen und sie beschlossen sich nicht um den vermuteten Köder, Hans Müller zu kümmern und sich nur auf die Bewachung von Friedrich zu konzentrieren.

    Die Situation eskalierte, als plötzlich Friedrich verschwunden war. Die Beamten vor Ort meldeten, dass Friedrich von einem Toilettengang im Restaurant nicht zurück kam. Er war weder auf dem WC aufzufinden noch irgendwo im Ausflugslokal zu orten. Die Fahndung wurde von Berger sofort auf die Dünen und dem Strand an der weiße Düne ausgeweitet und eine Drohne von der Feuerüberwachung der Inselfeuerwehr angefordert. Das Gelände dort war alles

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    andere als übersichtlich, eine Verfolgung in den Dünen war zu Fuß kaum möglich. Was war passiert?

    Die Zielperson Hans Müller blieb unauffindbar. Die eingesetzten Suchhunde der Polizeistaffel aus Aurich hatten die Spur von Friedrich am Restaurant aufgenommen, aber am Strand kurz vor dem Wasser verloren. Die Drohne übermittelte klare Bilder von den Dünen und dem Strand, leider keine Spur von Friedrich. Da entdeckte sie ein kleines Motorboot in der Nähe der Weißen Düne, es bewegte sich vom Strand weg auf die Fahrrinne zu. Maren erkannte als erste die Möglichkeit einer Entführung von Friedrich durch ein Boot am Strand. Sie rief sofort bei der Wasserpolizei in Norddeich an und beorderte zwei Polizeiboote in Richtung von Norderney. Die Drohne nahm die Verfolgung des Motorbootes auf und übermittelte sehr scharfe Bilder vom Boot und dem

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    Geschehen darauf. Berger der die übermittelten Bilder von der Drohne auswertete, erkannte zwei Frauen und einen Mann an Bord des Motorbootes, aber keinen Notar Friedrich Hagen. Der Mann an Bord war auch nicht Hans Müller und die Frauen wurden von Renate als die Personen vom Golfplatz identifiziert. Wenigsten hier ein Treffer sprach Berger genervt in seinen Bart. Aber wo war Friedrich und war er wirklich an Bord, oder schon tot? Berger überlegte, ob es vielleicht auch ein geschicktes Ablenkungsmanöver war und sie auf eine falsche Spur gelenkt wurden? Das ganze Geschehen könnte zu einem großen Fiasko für die Kommissare werden und sie würden wieder am Anfang ihrer Ermittlungen stehen und hätten wohlmöglich noch den Tod von Friedrich zu verantworten. Schlimmer konnten sich Berger und Maren die Situation nicht ausmalen. Renate versuchte sie zu motivieren und verwies auf die noch

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    ausstehende Aufbringung des Motorbotes durch die Wasserpolizei. Dann erst hätten sie brauchbare Fakten und Indizien um die Lage zu bewerten.

    Die 18 Uhr 15 Fähre von Norderney nach Norddeich legte    pünktlich ab, aber ohne Friedrich Hagen an Bord. Das Kleinflugzeug in Norddeich startete ebenfalls ohne Friedrich nach Hannover. Friedrich blieb für die Polizei    verschollen. War er noch auf der Insel, oder auf einem Boot auf der Nordsee, oder bereits tot und irgendwo auf der Insel in den Dünen verscharrt? Diese Fragen und noch viele andere gingen den drei Kommissaren durch ihre Köpfe, nur trauten sie es nicht vor den Kollegen so auszusprechen. Ebenfalls unentdeckt blieb der vermutliche Drahtzieher Hans Müller, auch von Ihm war keine Spur auf Norderney zu finden.

    Es gab weitere schlechte Nachrichten, die beiden Entführer von Friedrich wurden auf

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    einer Müllsammelstelle bei Aurich ermordet aufgefunden. Ihnen wurde die Kehle, auf der gleichen Weise wie bei dem Toten im Moor, mit einem Längsschnitt aufgeschnitten, sie waren sofort tot. Es gab Spuren, aber sie konnten auch von den Müllspuren konterminiert worden sein. Aber viel schlimmer, sie konnten nicht mehr zu ihren Auftragsgeber befragt werden. Die Kommissare vermuteten, dass sie den Verbrechern nicht nur auf den Versen, sondern auch den Auftraggebern sehr nahe gekommen waren.

    Die Bote der Wasserpolizei umkreisten auf der Höhe der Seehundbänke das Motorboot der gesuchten Personen, sie näherten sich dem Boot durch enger werdender Einkreisung, dann brachten sie es auf, die Beamten enterten das gestoppte Boot und durchsuchten sofort mit gezückte Waffe das Schiff. Ohne Erfolg, es befand sich ein Mann, der sich als Türke ausweisen konnte, er war der

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    Steuermann und die bereits bekannten russischen Frauen vom Golfplatz, als einzige an Bord. Die Wasserpolizei eskortierte das Motorboot zum Hafen nach Norddeich. Dort wartete Renate Berger schon gespannt auf die zwei Frauen vom Golfplatz, um sie über ihre Verwickelung mit den Morden und den 40 Toten Flüchtlingen, zu befragen. Die Männer der beiden Russinnen waren in Russland untergetaucht, die russischen Behörden ermittelten dort, auf Anfrage vom Staatsanwalt aus Hannover, zwecks Amtshilfe, nach ihnen. Aber bisher ohne Erfolg. Wo und wann immer die Kommissare auf die Verbrecher stießen, kamen sie zu Spät, oder sie wurden in die Irre geführt. Es war ein grausames Katz und Maus Spiel mit Leichen ohne Ende und immer noch kein Durchbruch bei den Ermittlungen der Kommissare aus Hannover und Aurich.

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    Man durfte die Monster nicht an sich heranlassen, dachte Berger. Aber auch nicht selber zum Monster werden. Er durfte keine Emotionen zeigen, aber dabei auch nicht Kaltherzigkeit. Als er am Auffindungsort der 40 zu Tode geschundenen Flüchtlinge stand, da war er wie in Trance dagestanden ohne erkennbare Emotionen, es pulsierte aber das Adrenalin in seinen Adern. Nun die anderen bestialisch hingerichteten Verbrecher, es waren aber auch Menschen, ging es Berger durch den Kopf. Was aber waren das für Menschen, die das alles zu verantworten hatten? Alles nur für Geld und Reichtum und Macht? Er musste sie zur Strecke bringen, ausschalten und aus unserer Gesellschaft für immer entfernen wie ein Krebsgeschwür. Maren riss ihn aus seinen Gedankenschwulst und berichtete von den Ergebnissen der Forensik, bei dem Leichenfund auf der Müllhalde. Es gab endlich verwertbare Spuren berichtete Maren mit ihrer

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    abgeklärte ostfriesische Art. Berger schluckte seinen Groll herunter und fragte nach Vergleichsmaterial. „Das gab es noch nicht“: antwortete Maren, aber wir arbeiten daran.

    Die beiden russischen Frauen vom Golfplatz leisteten keinen Widerstand und folgten Renate ins Kommissariat nach Aurich. Renate überlegte sich auf der Fahrt von Norddeich nach Aurich, eine Vernehmungsstrategie für die beiden Frauen. Sie zeigten sich nicht überrascht, als Renate sich als Kommissarin outete, was wiederum die Kommissarin ins grübeln brachte. Wie weit ging das Intrigenspiel der Bande, kannten sie schon auf dem Golfplatz die Identität von Berger und Renate? Die beiden Frauen wurden voneinander getrennt transportiert und auch vernommen. Eine zusätzliche Absprache war damit unterbunden und half der Kommissarin Widersprüche bei der Vernehmung aufzuzeigen. Aber die Russinnen waren clever, sie

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    hatten sich anscheinet auf alle Eventualitäten schon vor geraumer Zeit vorbereitet. Alles was sie als Aussage von sich gaben, war präzise und wirkte miteinander abgesprochen. Renate setzte auf Ermüdung und auf Fehler der Probanden. Die Dauerbefragung lief wie folgt ab:

    Renate platzierte die erste Russin an einen kleinen runden leeren Tisch aus Holz, mitten im Vernehmungsraum, ein Tisch zwei Stühle ansonsten    nichts weiter im Raum. Kaltes Neonlicht flackerte an der Decke, das wiederum nicht von Renate inszeniert war. Eine seit zwei Tagen schon reklamierte defekte Leuchtröhre, nun kam sie Renate gelegen. Die Temperatur im Raum betrug 25 Grad Celsius    und der Sauerstoffgehalt war für drei schwitzende Personen, denn es war noch ein uniformierter Kollege im Raum anwesend, etwas dürftig. Die junge hübsche, aber etwas verschlagen wirkende Frau, saß

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    nun schon 1 Stunde an diesem Tisch, mit    einem mit Leitungswasser gefüllten Glas. Nun betrat Renate den Vernehmungsraum und setzte sich ohne der Frau einen Blick zu würdigen, gegenüber und schaute sehr interessiert in die vor Ihr liegenden Akten und blätterte darin langsam Blatt für Blatt. Dann sprach Sie leise, fast schon flüsternd vor sich hin: „Und Sie sind der Kopf der Bande, der für die vielen Toten verantwortlich ist! „ Dabei blätterte Renate weiter in den Akten und brummte dabei ein „Aha hier steht’s schwarz auf weiß!“ „Was reden Sie für einen Müll, Frau Kommissarin, haben Sie einen Kasper gefrühstückt, oder sind Sie einfach irre?“ „Nun der angebliche Müll, den ich hier lese besagt, dass Spuren hinterlassen wurden, gute lesbare vergleichbare Spuren! Protokolle und Aussagen die eindeutig sind! Der irre Kasper in mir sagt, dass reicht!“ „Pah, was reicht, zu was und gegen wen? Sie haben Garnichts, sie stochern im Nebel

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    und hoffen, dass ich mich von Ihnen aufs Glatteis führen lasse.

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (13)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 13

    Auf der Flucht vor den immer weiter vorrückenden Kämpfern des „IS“, verloren sie ihr letztes Hab und Gut. Im Flüchtlingslager, an der türkischen Grenze, angekommen hatten sie nur noch das was sie am Leibe trugen. Das Lager war überfüllt mit immer neu ankommenden Flüchtlingen und jeder kämpfte um etwas Brot, oder Hirse und frischem, sauberen Wasser. Da fiel das Angebot der Schlepperbanden auf fruchtbaren Boden.

    Aber das was sie anboten schien den jungen Frauen abenteuerlich und gefährlich. Was aber noch schlimmer war, es war unerschwinglich teuer. 5000€ pro Person sollten sie aufbringen, oder Schmuck im Gegenwert. Beides hatten die Frauen nicht anzubieten. Da blieb ihnen zum Schluss nur noch sich selbst anzubieten, als Arbeitssklave oder als Prostituierte. Alles schien ihnen besser als im Lager zu bleiben und zu verrecken. Keiner der Flüchtlinge im Lager hatte

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    eine Perspektive. Sie glaubten den Schleppern, dass sie in Deutschland eine hätten. Die Frauen erzählten von der fürchterlichen Unterbringung in einem Schiffscontainer, in dem sie mit weiteren 18 Männer, Frauen und Kinder eingepfercht waren. Der Container stand auf einem alten Frachter, sie mussten sich den Raum mit Maschinenteile teilen die als Fracht mitgenommen wurde. Während der Fahrt auf offener See durften sie zweimal am Tag an die frische Luft und ihre Notdurft verrichten. Es gab Wasser und trocknendes Brot und etwas Obst. Wir hatten alle Hunger, aber der Kapitän rückte nichts zusätzlich heraus, er ließ immer nur die gleiche Ration austeilen. Wir wussten nicht mehr wie lange sie unterwegs waren.

    Die Erzählung kam ins stocken, den Frauen standen die Tränen in den Augen sie schluchzten und hielten sich krampfhaft die Hände. Renate machte eine Pause

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    und verließ das Büro um selbst nach Luft zu schnappen. Sie hatte bisher nur aus dem Fernsehen Informationen über die Flüchtlings Katastrophe bekommen, nun war sie damit persönlich konfrontiert worden. Diese Frauen taten ihr sehr leid, aber sie benötigte dringend Namen und Orte von den Befragten. Nun kam auch Maren als Unterstützung dazu, die Flüchtlingsfrauen hatten sich wieder beruhigt und die Befragung ging weiter: „ Als wir endlich in einem Hafen anlegten, mussten wir uns ganz still verhalten und auf die Nacht warten, vorher wurden die Maschinenteile ausgeladen. Dann konnten wir den Container und den Frachter verlassen. Noch auf dem Kai wurden wir getrennt, die Frauen mussten in einen separaten Kleintransporter einsteigen. Wir fuhren viele Kilometer weit ins Landesinnere zu einem Haus an einer Landstraße, dort hing eine rote Laterne über der Eingangstür.

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    Da war uns klar, wie unsere Zukunft in Deutschland aussehen würde!“

    Friedrich hatte lange überlegt, wie viel Geld er fordern sollte. Dann stand die Summe für ihn fest, er wollte 1 Million € von seinen Mittelsmann, für alle Unterlagen und Passwörter der Konten und das er über alles Schweigen würde und dann für immer in ein unbekanntes Land ausreisen würde. Er forderte außerdem, dass ihm die Chefs persönlich das Geld aushändigen und die Garantie aussprechen sollten. Nur denen würde er glauben. Der Übergabe Ort sollte die Fähre nach Norderney sein, mit der letzten Fähre von dort nach Norddeich, die war dann immer besonders mit Tagestouristen gefüllt. Die Kommissare hatten die Fähre vorgeschlagen, so konnten sie das Geschehen beim ein und aussteigen gut kontrollieren. Auf der Fähre konnten Überwachungskameras installiert werden und Zivilfahnder

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    sich gut unter die Touristen mischen. Eine scheinbar sichere Sache, versicherten die Kommissare dem Notar. Nur spielte die andere Seite auch wirklich so mit, wie Berger das geplant hatte? Einen Tag später war eine SMS auf dem Handy von Friedrich eingetroffen: „ Wir sind damit einverstanden, wollen aber Garantien, dass es die Originalunterlagen sind und es keine Kopien gibt! Sie kommen alleine, wir überwachen das! Wir begleiten sie zum Flughafen von Norddeich und fliegen mit ihnen nach Hannover, dort steigen sie in ein Linienflugzeug nach Brasilien. Dort ist bei der National Bank ein Konto für sie eingerichtet, dort liegen ihre 1 Million € für sie bereit!    ENDE“.

    Die Kommissare bereiteten die Übergabe vor, die Fähre wurde mit Kameras überwacht und zehn Beamte in Zivil verteilten sich auf dem Schiff und blieben in der Nähe von Friedrich. Der Notar war kabellos mit einem sehr kleinen Mikrophon in seinen

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    Kopfhaaren verbunden. Kameras und Richtmikrophone waren am Hafen von Norddeich installiert. Auf dem Flughafen von Hannover sollte dann die Gruppe verhaftet werden. Das von den Verbrechern gecharterte Kleinflugzeug hatte noch andere Fluggäste an Bord, so konnten die Kommissare nicht gleich in Norddeich zugreifen. Sie konnten die anderen Fluggäste nicht informieren, falls Komplizen an Bord waren, oder sie nicht einsteigen lassen ohne, dass die Verbrecher argwöhnisch würden. So lief die Aktion nicht ganz im Sinne der Kommissare, Friedrich wurde aber davon nicht unterrichtet, er durfte nicht verunsichert werden.

    Die beiden Flüchtlingsfrauen versuchten sich an die Situation nach dem umsteigen in den bereitgestellten Kombi zu erinnern. Der Fahrer des Wagens war ein    Kurde, sein Name war Ali, jedenfalls wurde er so von

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    den anderen Männern gerufen. Der Chef aus Hannover kam einmal im Monat um abzukassieren, das hatten die beiden Frauen in einem Gespräch aufgeschnappt. Er war Deutscher und hieß Hans, ein aalglatter Typ, immer fein geschniegelt mit schickem Anzug, natürlich maßgefertigt. In seinen Schuhen konnte man sich spiegeln, sie hatten erlebt wie er einer Frau ins Gesicht geschlagen hatte, weil sie auf seinen linken Schuh getreten war. Er zog sie an ihren Haaren und sie musste im knien seine Schuhe blank putzen. Aber sie belauschten einmal ein Telefongespräch, da sprach er sehr unterwürfig mit einer Frau, als ob diese ihm etwas anzuordnen hatte. Die Vernehmung fand ihr Ende, als Renate von der Entscheidung erfuhr, dass sich der Chef von Friedrich gemeldet hätte und seine Forderungen gestellt hatte. Renate gingen die Gedanken durcheinander, die Beschreibung der Frauen von dem deutschen Chef und die Begegnung auf dem

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    Popken Hof bei Maren, mit diesem Hans Müller, waren bemerkenswert ähnlich.

    Die Frau mit der, er so unterwürfig am Telefon sprach könnte einer der zwei Russinnen vom Golfplatz gewesen sein? Viele Vermutungen die Renate so im Kopf passieren ließen, aber noch immer nur unbewiesene Vermutungen.

    Friedrich bestieg die Fähre nach Norderney um 15 Uhr im Hafen von Norddeich. Die Überfahrt war einigermaßen für Friedrich erträglich, der Wind wehte ordentlich und die Fähre bekam den Wind von Vorne ab. Als sie sich aus der Fahrrinne heraus zwischen Juist und Norderney befand und sich dann in Richtung Norderney Hafen drehte, bekam sie die Wellen von der Seeseite kommend direkt an die Seite der Fähre und sie schaukelte dabei ordentlich. Er freute sich, den Anlegesteg von Norderney zu sehen. 45 Minuten war er unterwegs und es

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    lagen noch lange 2 Stunden auf der Insel vor Ihm. 15 Minuten vor 18 Uhr musste er die letzte Fähre nach Norddeich betreten. Wie konnte sich Friedrich die Zeit auf der Insel vertreiben? Er fuhr mit dem dortigen Inselbus zur „Weißen Düne“, sie ist nicht nur der endlos schöne weiße    Strand und die Dünen, sondern ein Strandrestaurant trägt gleichen Namen. Ein Touristenparadies, aber für Friedrich und seinen Personenschutz ein sehr unübersichtlicher Ort und damit gefährlich für Friedrich.

    Renate blieb in Norddeich und koordinierte dort die Einsatzkräfte, sie hielt ständig Kontakt mit Berger auf der Insel Norderney. Maren rief ihren Vater in der Krummhörn an und erkundigte sich nach ihren Übernachtungsgast. „Moin Papa, ist unser Gast in seinem Zimmer, oder auf dem Hof?“Es dauerte eine Weile bis sie die raue Stimme ihres Vaters    vernahm: „Der ist schon mit

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    der ersten Fähre nach Norderney gefahren, zumindest hat er das heute Früh beim Frühstück mir gesagt. Ist mit dem irgendetwas nicht in Ordnung?“ „Nein mach dir keine Sorgen Papa, wir haben das schon im Griff! Wir verfolgen eine Spur, die uns zu diesem Hans Müller geführt hat, oder wir sind auf dem falschen Dampfer unterwegs. Also alles gut, mach dir keine Sorgen, aber informiere mich bitte wenn der wieder bei uns auf dem Hof aufkreuzt! Ich hab Dich lieb, Tschüss!“

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (12)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 12

    Es gab auf dem Neuen Weg in Norden eine angesagte Kneipe, das „Mittelhaus“, dort trafen sich, seit dem Rausschmiss bei den 60 Plus Bocciaspielern auf dem Marktplatz in Norden, die beiden Ganoven mit Friedrich. Nun war Friedrich verschwunden und sie warteten vergeblich an ihrem Stammtisch. „Was      soll das, warum meldet er sich nicht bei uns und was will er damit bezwecken?“Das Boxergesicht stellte diese Frage halblaut an sein Gegenüber und verzog dabei sein Gesicht als ob er in eine Zitrone gebissen hätte, was aber sein Gesicht nicht entscheidend veränderte. „Sind wir alle aufgeflogen?“ wetterte der andere Alte.

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    Die beiden Ganoven redeten aufeinander ein und gestikulierten dabei, als ob der jeweilige Gesprächsparten Taubstumm wäre. Sie konnten sich einfach nicht einigen, was sie jetzt unternehmen sollten. Der eine wollte nach dem Notar suchen und ihn zur Rede stellen, der Andere aber wollte schnell untertauchen, sogar aus Deutschland

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    verschwinden. Das Boxergesicht schaute sich unruhig im Raum um und schaute auch suchend durch das Fenster auf den Neuen Weg. Er fühlte sich beobachtet, es kam ihm so vor, als ob ein älterer großer Mann mit Vollbart ihn verfolgte. „ Du hast schon einen Verfolgungswahn!“ Fauchte der andere Ganove ihn an, als er das merkwürdige Verhalten seines Kumpels verfolgte. Als das Boxergesicht auf    den vermeintlichen Verfolger zeigen wollte, war dieser verschwunden, nicht mehr sichtbar. „Ich habe den doch gesehen, am Markt und beim Cafe`Ten Cate auf der Osterstraße und jetzt vor dem Mittelhaus!“ „Egal!“ antwortete sein Partner und forderte eine schnelle Entscheidung. Wir sollten untertauchen! einigten sich die beiden Ganoven. Aber wo so schnell hin?

    Nun waren schon 4 Männer aus der Verbrecherbande auf der Flucht. Die beiden Halunken, die Friedrich entführt und ermorden

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    wollten und nun die beiden Alten vom Hafen. Eine ordentliche Aufgabe für die Kommissare und die Polizei aus Aurich. Aber da kam ihnen der Kommissar Zufall zu Hilfe. Zufälle und glückliche Begegnungen spielen bei den meisten Ermittlungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Keiner der Kommissare konnte sich vorstellen, dass die beiden Alten auf dem Video von Hafen außer als Handlanger bei den Flüchtlingsschweinereien, auch noch bei Terroraktivitäten eingesetzt wurden. Berger hatte das Glück, bei einem Rundgang auf dem Marktplatz in Norden, es war Montag und Markttag, die beiden alten Ganoven zu entdecken. Dabei fiel ihm das markante Boxergesicht des einen gesuchten Flüchtigen, besonders auf. Er verfolgte die Beiden über die Osterstraße bis zum Mittelhaus im Neuen Weg. In der Zwischenzeit hatte Berger seine Kollegen informiert und die umstellten die Kneipe. Am Markttag ist die Innenstadt besonders

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    mit Touristen gefüllt und das Mittelhaus profitiert davon besonders, es sind dann auch die Außenplätze vollbesetzt. Maren diskutierte mit Berger darüber, ob die beiden Verbrecher bewaffnet wären?

    Das würde die Festnahme in der vollbesetzten Kneipe unmöglich machen. Maren und Renate entschieden sich dafür als unverdächtige Touristinnen auf die Toilette zu gehen. Sie wollten entweder vor Ort zugreifen und die beiden Ganoven festsetzen, oder nur herausfinden ob sie Waffen dabei hätten. Wenn ja, dann müssten sie sich etwas Ausgefallendes einfallen lassen.

    Renate betrat als erste die Kneipe und ging zum Tresen und fragte die Bedienung nach der Toilette, in diesem Moment kam auch Maren herein und beobachtete die beiden Alten an ihrem Tisch in der Ecke der Kneipe. Die gestikulierten immer noch und redeten auf sich ein. Eine günstige Gelegenheit

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    zum Zugriff, ging es Maren durch den Kopf und Renate drehte sich zu Maren um und bemerkte das verabredete Zugriffszeichen. Nun ging alles rasend schnell, die Kommissarinnen stürzten zu dem Ecktisch der beiden Verbrecher und überwältigten sie, völlig überrascht von der Aktion. Berger hatte mit Abstand zur Tür dem Einsatz seiner Kolleginnen respektvoll zugeschaut und musste den Frauen dann auch notgedrungen seine Anerkennung aussprechen. Maren veranlasste, dass die beiden Männer nach Aurich aufs Kommissariat verbracht wurden. Bei ihrer Durchsuchung wurden keine Waffen gefunden. Bei ihrer Vernehmung durch Berger, stellte sich schnell heraus, dass es sich bei den beiden Ganoven um kleine Handlanger bei diesem miesen Geschäft, handelte. Sie wurden dem Haftrichter vorgestellt und für Menschenhandel und Drogenschmuggel angeklagt. Sie sollten später von

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    den Kommissaren weiter verhört werden, sie sollten alles über die Organisation und die Namen ihrer Anführer sagen. Heraus kam, dass Friedrich ihr Auftraggeber war und der gefundene Tote im Moor, der ihnen namentlich nicht bekannt war, der als Mittelsmann und Helfer beim Verteilen der Flüchtlingsfrauen fungierte. Die beiden Alten erwiesen sich als eine sehr trockene Quelle der erwarteten Informationen. Die Kommissare kamen einfach nicht näher an den Kopf der Organisation heran.

    Der Notar blieb vorläufig die einzige Quelle die sie nutzen könnten. Aber Friedrich galt als verbrannt für den Staatsschutz. Nun konnte er nur noch    den Kommissaren als Lockvogel nützlich sein. Friedrich hatte sich nach langen zögern, entschieden, er wollte sein Leben in die Hände der Kommissare legen und mit ihnen zusammenarbeiten. Die gedungenen Auftragsmörder waren noch

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    auf der Flucht, oder untergetaucht um ihren Auftrag doch noch zu erfüllen, Friedrich für immer auszuschalten. Die Identität der Auftraggeber war den Kommissaren nicht bekannt und blieb das eigentliche Ziel der Ermittlungen. Berger bereitete die Aktion mit Friedrich akribisch vor.

    Friedrich hatte Angst und seine Hände zitterten als er die geheime Telefonnummer seines Mittelsmannes in das ortungsfreie Handy eintippte. Es gab ein Freizeichen, aber es meldete sich kein Teilnehmer. Er drückte die Wiederholungstaste zwei weitere Male, dann endlich eine vertraute Stimme am anderen Ende der Leitung: „Wer ruft mich auf dieser Nummer an? Hörte Friedrich sein Mittelsmann sprechen. „Ich bin das!“    „Wer ist Ich? Und was ist das für ein Handy?“ Friedrich, den sie ermorden lassen wollen!“ Am anderen Ende der Leitung war plötzlich Ruhe,

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    nur Atemzüge waren zuhören. Dann ein röchelndes Geräusch, die Stimme klang jetzt rau und gepresst: „Sie haben Nerven, was wollen sie von mir?“ Friedrich hatte große Mühe seine Stimme unter Kontrolle zu halten, kurz vor dem Versagen presste er es heraus:“Eine Sicherheitszusage für meine Unversehrtheit und ein sehr vermögendes Leben, dort wo sie mich nicht finden!“ Am anderen Ende der Leitung hörte er ein höllisches Lachen. Nach einer längeren Pause, die Friedrich unendlich lang vorkam, hörte er sein Gesprächspartner fragen: „Was haben sie zu bieten, dass ich nicht schon habe oder weiß? Sie Wurm!“

    Maren folgte ihrem weiblichen Bauchgefühl, sie verfolgte die Spur der beiden Russinnen in Norden weiter. Die Telefonüberwachung ergab einen regen Telefonverkehr nach Russland und auch mit Nummern in Norden und Aurich.

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    Die Telefonate wurden ausschließlich über ein nicht registriertes Handy geführt und konnten so nicht ohne weiteres identifiziert werden. Maren beantragte bei den Telefongesellschaften eine Telefonortung und die Namen des jeweiligen Anschlusses. Dies war nicht so einfach wie es sich anh

    Es gab auf dem Neuen Weg in Norden eine angesagte Kneipe, das „Mittelhaus“, dort trafen sich, seit dem Rausschmiss bei den 60 Plus Bocciaspielern auf dem Marktplatz in Norden, die beiden Ganoven mit Friedrich. Nun war Friedrich verschwunden und sie warteten vergeblich an ihrem Stammtisch. „Was      soll das, warum meldet er sich nicht bei uns und was will er damit bezwecken?“Das Boxergesicht stellte diese Frage halblaut an sein Gegenüber und verzog dabei sein Gesicht als ob er in eine Zitrone gebissen hätte, was aber sein Gesicht nicht entscheidend veränderte. „Sind wir alle aufgeflogen?“ wetterte der andere Alte.

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    Die beiden Ganoven redeten aufeinander ein und gestikulierten dabei, als ob der jeweilige Gesprächsparten Taubstumm wäre. Sie konnten sich einfach nicht einigen, was sie jetzt unternehmen sollten. Der eine wollte nach dem Notar suchen und ihn zur Rede stellen, der Andere aber wollte schnell untertauchen, sogar aus Deutschland

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    verschwinden. Das Boxergesicht schaute sich unruhig im Raum um und schaute auch suchend durch das Fenster auf den Neuen Weg. Er fühlte sich beobachtet, es kam ihm so vor, als ob ein älterer großer Mann mit Vollbart ihn verfolgte. „ Du hast schon einen Verfolgungswahn!“ Fauchte der andere Ganove ihn an, als er das merkwürdige Verhalten seines Kumpels verfolgte. Als das Boxergesicht auf    den vermeintlichen Verfolger zeigen wollte, war dieser verschwunden, nicht mehr sichtbar. „Ich habe den doch gesehen, am Markt und beim Cafe`Ten Cate auf der Osterstraße und jetzt vor dem Mittelhaus!“ „Egal!“ antwortete sein Partner und forderte eine schnelle Entscheidung. Wir sollten untertauchen! einigten sich die beiden Ganoven. Aber wo so schnell hin?

    Nun waren schon 4 Männer aus der Verbrecherbande auf der Flucht. Die beiden Halunken, die Friedrich entführt und ermorden

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    wollten und nun die beiden Alten vom Hafen. Eine ordentliche Aufgabe für die Kommissare und die Polizei aus Aurich. Aber da kam ihnen der Kommissar Zufall zu Hilfe. Zufälle und glückliche Begegnungen spielen bei den meisten Ermittlungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Keiner der Kommissare konnte sich vorstellen, dass die beiden Alten auf dem Video von Hafen außer als Handlanger bei den Flüchtlingsschweinereien, auch noch bei Terroraktivitäten eingesetzt wurden. Berger hatte das Glück, bei einem Rundgang auf dem Marktplatz in Norden, es war Montag und Markttag, die beiden alten Ganoven zu entdecken. Dabei fiel ihm das markante Boxergesicht des einen gesuchten Flüchtigen, besonders auf. Er verfolgte die Beiden über die Osterstraße bis zum Mittelhaus im Neuen Weg. In der Zwischenzeit hatte Berger seine Kollegen informiert und die umstellten die Kneipe. Am Markttag ist die Innenstadt besonders

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    mit Touristen gefüllt und das Mittelhaus profitiert davon besonders, es sind dann auch die Außenplätze vollbesetzt. Maren diskutierte mit Berger darüber, ob die beiden Verbrecher bewaffnet wären?

    Das würde die Festnahme in der vollbesetzten Kneipe unmöglich machen. Maren und Renate entschieden sich dafür als unverdächtige Touristinnen auf die Toilette zu gehen. Sie wollten entweder vor Ort zugreifen und die beiden Ganoven festsetzen, oder nur herausfinden ob sie Waffen dabei hätten. Wenn ja, dann müssten sie sich etwas Ausgefallendes einfallen lassen.

    Renate betrat als erste die Kneipe und ging zum Tresen und fragte die Bedienung nach der Toilette, in diesem Moment kam auch Maren herein und beobachtete die beiden Alten an ihrem Tisch in der Ecke der Kneipe. Die gestikulierten immer noch und redeten auf sich ein. Eine günstige Gelegenheit

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    zum Zugriff, ging es Maren durch den Kopf und Renate drehte sich zu Maren um und bemerkte das verabredete Zugriffszeichen. Nun ging alles rasend schnell, die Kommissarinnen stürzten zu dem Ecktisch der beiden Verbrecher und überwältigten sie, völlig überrascht von der Aktion. Berger hatte mit Abstand zur Tür dem Einsatz seiner Kolleginnen respektvoll zugeschaut und musste den Frauen dann auch notgedrungen seine Anerkennung aussprechen. Maren veranlasste, dass die beiden Männer nach Aurich aufs Kommissariat verbracht wurden. Bei ihrer Durchsuchung wurden keine Waffen gefunden. Bei ihrer Vernehmung durch Berger, stellte sich schnell heraus, dass es sich bei den beiden Ganoven um kleine Handlanger bei diesem miesen Geschäft, handelte. Sie wurden dem Haftrichter vorgestellt und für Menschenhandel und Drogenschmuggel angeklagt. Sie sollten später von

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    den Kommissaren weiter verhört werden, sie sollten alles über die Organisation und die Namen ihrer Anführer sagen. Heraus kam, dass Friedrich ihr Auftraggeber war und der gefundene Tote im Moor, der ihnen namentlich nicht bekannt war, der als Mittelsmann und Helfer beim Verteilen der Flüchtlingsfrauen fungierte. Die beiden Alten erwiesen sich als eine sehr trockene Quelle der erwarteten Informationen. Die Kommissare kamen einfach nicht näher an den Kopf der Organisation heran.

    Der Notar blieb vorläufig die einzige Quelle die sie nutzen könnten. Aber Friedrich galt als verbrannt für den Staatsschutz. Nun konnte er nur noch    den Kommissaren als Lockvogel nützlich sein. Friedrich hatte sich nach langen zögern, entschieden, er wollte sein Leben in die Hände der Kommissare legen und mit ihnen zusammenarbeiten. Die gedungenen Auftragsmörder waren noch

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    auf der Flucht, oder untergetaucht um ihren Auftrag doch noch zu erfüllen, Friedrich für immer auszuschalten. Die Identität der Auftraggeber war den Kommissaren nicht bekannt und blieb das eigentliche Ziel der Ermittlungen. Berger bereitete die Aktion mit Friedrich akribisch vor.

    Friedrich hatte Angst und seine Hände zitterten als er die geheime Telefonnummer seines Mittelsmannes in das ortungsfreie Handy eintippte. Es gab ein Freizeichen, aber es meldete sich kein Teilnehmer. Er drückte die Wiederholungstaste zwei weitere Male, dann endlich eine vertraute Stimme am anderen Ende der Leitung: „Wer ruft mich auf dieser Nummer an? Hörte Friedrich sein Mittelsmann sprechen. „Ich bin das!“    „Wer ist Ich? Und was ist das für ein Handy?“ Friedrich, den sie ermorden lassen wollen!“ Am anderen Ende der Leitung war plötzlich Ruhe,

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    nur Atemzüge waren zuhören. Dann ein röchelndes Geräusch, die Stimme klang jetzt rau und gepresst: „Sie haben Nerven, was wollen sie von mir?“ Friedrich hatte große Mühe seine Stimme unter Kontrolle zu halten, kurz vor dem Versagen presste er es heraus:“Eine Sicherheitszusage für meine Unversehrtheit und ein sehr vermögendes Leben, dort wo sie mich nicht finden!“ Am anderen Ende der Leitung hörte er ein höllisches Lachen. Nach einer längeren Pause, die Friedrich unendlich lang vorkam, hörte er sein Gesprächspartner fragen: „Was haben sie zu bieten, dass ich nicht schon habe oder weiß? Sie Wurm!“

    Maren folgte ihrem weiblichen Bauchgefühl, sie verfolgte die Spur der beiden Russinnen in Norden weiter. Die Telefonüberwachung ergab einen regen Telefonverkehr nach Russland und auch mit Nummern in Norden und Aurich.

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    Die Telefonate wurden ausschließlich über ein nicht registriertes Handy geführt und konnten so nicht ohne weiteres identifiziert werden. Maren beantragte bei den Telefongesellschaften eine Telefonortung und die Namen des jeweiligen Anschlusses. Dies war nicht so einfach wie es sich anhörte. Ein Gerichtsbeschluss war nötig und der musste sehr gut begründet sein. Beides lag in diesem Fall vor und so konnte Maren auf die gelieferten Daten zugreifen. Dabei tauchte eine Nummer in Hannover auf, die einem deutschen Geschäftsmann gehörte, der einen Import- und Exporthandel betrieb. Der wiederum auch mit Syrien Geschäfte machte. Maren glaubte sich nun auf der richtigen Spur. Es lag aber kein Bildmaterial von dem Geschäftsführer vor und so blieb seine Identität vorerst weiter im Dunklen.

    Berger hatte in den Bordellen in Ostfriesland Erfolg bei seiner Recherche nach illegalen

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    Flüchtlingsfrauen. Zwei Frauen aus Syrien waren sehr eingeschüchtert, waren dann aber bereit über ihren Leidensweg zu berichten. Renate führte die Befragung der Frauen durch und konnte so eine gewisse Vertrauensbasis von Frau zu Frau aufbauen.    Die Befragung wurde in ein Büro verlegt, in dem es ein gemütliches Sofa gab und zwei Sessel vor einem runden, kleinen Tisch. Es wurde Tee gereicht und Gebäck aus dem Türkenladen aus der Nachbarschaft. Die deutschen Sprachkenntnisse der beiden Frauen waren erstaunlich gut und wie sich herausstellte in Syrien beim Goethe Institut erworben. Sie waren gebildete junge Mädchen von 17 und 19 Jahren, als sie gezwungen wurden ihre Heimat zu verlassen. Der Krieg und die damit verbundene Vertreibung aus ihren Heimatstädten trennte sie von ihren Familien und sie konnten nur sich selbst retten.

    örte. Ein Gerichtsbeschluss war nötig und der musste sehr gut begründet sein. Beides lag in diesem Fall vor und so konnte Maren auf die gelieferten Daten zugreifen. Dabei tauchte eine Nummer in Hannover auf, die einem deutschen Geschäftsmann gehörte, der einen Import- und Exporthandel betrieb. Der wiederum auch mit Syrien Geschäfte machte. Maren glaubte sich nun auf der richtigen Spur. Es lag aber kein Bildmaterial von dem Geschäftsführer vor und so blieb seine Identität vorerst weiter im Dunklen.

    Berger hatte in den Bordellen in Ostfriesland Erfolg bei seiner Recherche nach illegalen

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    Flüchtlingsfrauen. Zwei Frauen aus Syrien waren sehr eingeschüchtert, waren dann aber bereit über ihren Leidensweg zu berichten. Renate führte die Befragung der Frauen durch und konnte so eine gewisse Vertrauensbasis von Frau zu Frau aufbauen.    Die Befragung wurde in ein Büro verlegt, in dem es ein gemütliches Sofa gab und zwei Sessel vor einem runden, kleinen Tisch. Es wurde Tee gereicht und Gebäck aus dem Türkenladen aus der Nachbarschaft. Die deutschen Sprachkenntnisse der beiden Frauen waren erstaunlich gut und wie sich herausstellte in Syrien beim Goethe Institut erworben. Sie waren gebildete junge Mädchen von 17 und 19 Jahren, als sie gezwungen wurden ihre Heimat zu verlassen. Der Krieg und die damit verbundene Vertreibung aus ihren Heimatstädten trennte sie von ihren Familien und sie konnten nur sich selbst retten.

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (11)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 11

    Der Computerabgleich des Fotos der Leiche im Moor ergab einen Treffer. Es handelte

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    sich um einen Kurden, der bereits durch Drogendelikte polizeilich Aktenkundig war. Ihm wurden Kontakte zu einer syrischen Schlepperbande    unterstellt, aber nicht bewiesen. Damit war den Kommissaren klar, warum er von den Verbrechern geopfert wurde. Er konnte mit dem Syndikat in Verbindung gebracht werden. Nun hatten die Kommissare mehrere Anhaltspukte und Spuren, die Identität des Opfers und den bei der Leiche gefundenen Ohrring. Renates Vermutung, die Frauen vom Golfplatz könnten etwas mit dem Mord zu tun haben, wurde durch den Fund des Ohrringes bestärkt, aber mehr auch nicht. Sie diskutierten auf der Fahrt zu Maren und ihrem Vater über die Sachlage und das auch noch nicht geklärt war, warum in dem Container nur die Flüchtlinge waren und keine Maschinenteile? Warum sind die Schlepper von ihrem bisherigen Vorgehen abgewichen? Die Kommissare hatten spontan keine Erklärung

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    dafür und ob es für den Fall überhaupt relevant war?

    Die Fahrt in die Krummhörn verlief reibungslos, aber scheinbar endlos. Die Landschaft veränderte sich kilometerweit nicht und die Straßen waren schnurrgrade und die Schafe an und auf den Deichen sahen alle gleich aus. Es hatte wieder einmal in

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    Ostfriesland geregnet und die Straßen waren durch das herunter gewehte Laub der Straßenbäume stellenweise sehr glatt. So musste Berger vorsichtig fahren und so verlängerte sich ihre Fahrzeit erheblich. Aber jede Fahrt hat einmal ein Ende und so auch die der beiden Kommissare zum Popken Hof. Maren hatte bereits, den Tisch vor dem Haus unter einem alten Eichenbaum, mit Tellern und Gläsern aus dem elterlichen Bestand eingedeckt. Der Vater hantierte am Grill und bemühte sich redlich die Holzkohle zum brennen zu bringen. Renate wunderte sich, dass fünf Gedecke auf gelegt waren und fragte auch gleich nach, ob ein Gast kommen würde den sie kennen? Maren lachte und erzählte von ihrem Feriengast der für eine Woche bei ihnen ein Zimmer gemietete hätte. Sie hatte ihn zum Grillen eingeladen und fragte nun ob es den beiden Freunden recht sei.

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    Berger brummte wie üblich in seinen Vollbart, es hätte alles bedeuten können, aber es wurde von Maren als ein Einverständnis gedeutet. Renate lachte nur und nickte freundlich wie immer, bejahend in die Richtung von Maren.

    Der Fremde stellte sich als Hans Müller vor, er sei Geschäftsmann auf Reisen zu seinen Kunden. Er wollte in Ostfriesland neue Kunden akquirieren und hier in der Krummhörn würde er logistisch zwischen Norden, Aurich und Emden günstig wohnen. Er verkauft Gesundheitsartikel und Geräte, für Fitnessstudios und Physio- Therapeuten. Berger gab Renate und Maren ein heimliches Zeichen, dass er mit ihnen sprechen wollte: „Ich habe ein ungutes Gefühl bei diesem Mann, so wie der extravagant gekleidet ist und steigt hier auf dem Hof ab, solche Leute logieren in erstklassigen Häusern in den Städten.

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    Der hat doch was zu verbergen?“ Renate pflichtete ihm bei und sie verabredeten, sich nicht als Kommissare zu outen. Maren brachte im richtigen Moment ihrem Vater bei, sich ebenfalls daran zu halten. Was gab es schöneres als ein gemütliches Beisammensein beim Grillen im Gulfhofgarten. Schnell stellte sich heraus, dass der Fremde keine große Lust zeigte eine Konversation zu führen, er fragte auch die Kommissare nicht nach ihrem Privatleben aus, die Kommissare hatten sich auch nur mit ihren Vornamen vorgestellt und dabei blieb es den ganzen Abend über. Vater Popken erzählte von der Vergangenheit des Familienbesitzes, der bereits 200 Jahre von den Popkens bewirtschaftet wurde. Die Frauen tranken Rotwein aus Spanien und die Männer labten sich an friesischem Bier. Berger mochte das Jever Bier nicht so gerne, es war ihm zu herb, aber er war höflich genug um seine Meinung darüber zu äußern.

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    Darum trank er nur ein Bier, weil er noch nach Norden fahren wollte. Sie saßen bis es dunkel wurde zusammen und so gegen 22 Uhr verabschiedeten sich Renate und Konsti von Maren und den beiden Männern und fuhren zurück nach Norden in ihr Ferienhaus. Auf dem Weg zurück nach Norden unterhielten sich die Kommissare darüber, dass sie gar nicht dazu gekommen waren über die neusten Erkenntnisse in ihrem Container Fall zu sprechen. Dabei gab es so viel Neues zu besprechen. Auch dieser Fremde gingen Berger und Renate nicht so recht aus dem Sinn. Aber was waren schon Gefühle und frauliche Intuitionen? Halfen sie den Kommissaren, mehr als Fakten? Nein, aber sie schadeten auch nicht! Was sie sich dann noch in ihrem Ferienhaus in Norden zu sagen hatten, blieb in dieser Nacht ihr gemeinsames Geheimnis.     

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    Friedrich Hagen saß immer noch in der Zelle im Kommissariat in Aurich, die weitere Vorgehensweise war von den Kommissaren und dem Staatsschutz nicht entschieden. Der Staatsanwalt war auch noch nicht involviert und somit hockte Friedrich in einer 6 qm kleinen Zelle und wartete auf die Dinge die da auf ihn zukommen sollten.

    Was hatte Friedrich mit dem Staatsschutz zutun und wie wurde er überzeugt für ihn zu arbeiten? Die Geschäfte in Hannover liefen gut und die Kanzlei seines Vaters verkam immer mehr zu einer Tarnkanzlei, es gab keine Mandanten mehr, außer die des Syndikats. Seine Spielsucht und die Abhängigkeit von den Syrern trieben ihn immer stärker in eine Depression hinein. Er machte Fehler, die er sich nicht leisten durfte und er war nicht clever genug sie zu verheimlichen. So kam der Staatsschutz auf die Aktivitäten eines Anwalts in Hannover Linden.

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    Der sehr guten Kontakte pflegte zu einer ganz speziellen Gruppe aus Syrien, die man mit Menschenschmuggel und Prostitution in Verbindung brachte. Leider bemühte sich der Staatsschutz seit einigen Monaten vergebens darum jemanden in die Gruppe einzuschleusen. Friedrich landete eine Steilvorlage, als er Flüchtlinge ohne Papiere auf dem Schwarzarbeitsmarkt unterbringen wollte. Er lief in eine Falle des Zolls und des Staatsschutzes. Bei der darauf anstehenden Hausdurchsuchung fanden die Ermittler belastendes Material, aber keine Namen und Kontaktadressen. So wurde Friedrich Hagen von Hans Fischer ins Verhör genommen. Er brauchte zwei Tage und Nächte um Friedrich von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Die Psychomittel, die er dabei anwandte, waren nicht immer legal, aber wirksam. Friedrich sollte sich stärker für größere Aufgaben empfehlen und die Strukturen des Syndikats ausspionieren.

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    Der Notar machte wohl seine Sache so gut, dass er von seinem Mittelsmann nach Norden geschickt wurde. Dort sollte er für sich eine neue Vita aufbauen und die gesamte Koordination der Aktivitäten in Ostfriesland übernehmen. Der Staatsschutz triumphierte, er hatte einen Volltreffer direkt ins Innere des Syndikats gelandet. Aber dann kam der verhängnisvolle Tag und der Todes –Container strandete im Wattenmeer vor Norddeich. Die ermittelnden Kommissare aus Aurich und Hannover befreiten Friedrich in der Fischereigenossenschaft in Greetsiel und verhaftete ihn.

    Nun bekam Friedrich ein zweites Mal ein Angebot zur Zusammenarbeit, er hatte schnell begriffen, dass der Staatsschutz und die Kommissare aus Aurich nicht ordentlich miteinander kommunizierten. Eine Chance für ihn, oder ein Verhängnis? Friedrich konnte es nicht richtig einschätzen.

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    Aber er musste eine Abwägung vornehmen und eine Entscheidung für sich treffen. Wen konnte er mehr vertrauen und damit sein Leben anvertrauen?

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • Boogie Woogie im ausgebuchten Dornumer Schloss. Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich begeistern ihr Publikum

    Boogie Woogie im ausgebuchten Dornumer Schloss. Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich begeistern ihr Publikum

    Am Samstag, 12. August 2023, fand im Dornumer Schloss ein bemerkenswertes Boogie Woogie Konzert statt, organisiert vom Bürgerverein Herrlichkeit Dornum und präsentiert vom Duo Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich. Der Rittersaal bot das eindrucksvolle Ambiente für diese mitreißende musikalische Veranstaltung.

    Jörg Hegemann aus Witten ist ein Meister am Klavier, der das Boogie-Woogie-Piano perfekt beherrscht und den Charme und die Kraft dieser Musik lebendig erhält. Mit Paul G. Ulrich hat Hegemann einen der besten deutschen Jazzbassisten an seiner Seite. Das Duo spielte mitreißend, virtuos und authentisch und begeisterte das Publikum.Schon nach den ersten Klängen war klar, dass die Zuschauer eine musikalische Reise voller Dynamik und Rhythmus erwartete.Mit Originalen aus der großen Zeit des Genres, mit eigenen Titeln und bekannten Blues- und Swing-Titeln boten die Musiker beste Unterhaltung.Die Stimmung im Saal war geprägt von enthusiastischem Klatschen, rhythmischem Mitwippen und begeisterten Zurufen der Gäste.

    Hegemann nahm die Konzertbesucher mit ins Chicago der dreißiger Jahre und bot ihnen einen Blick in die musikalische Welt der Boogie-Woogie-Kings Albert Ammons, Meade Lux Lewis und Pete Johnson, eine kleine Zeitreise durch die Geschichte dieses Musikstils.

    Hegemann kann auf rund 2000 Auftritte in über 30 Bühnenjahren zurückblicken, darunter Konzerte in den USA, Russland und vielen europäischen Ländern. Bei der erstmaligen Verleihung des offiziellen Musikpreises „German-Boogie-Woogie-Award Pinetop“ in Bremen wurde Jörg Hegemann als „Pianist des Jahres 2009“ geehrt.

    Paul G. Ulrich ergänzte als Begleitmusiker Hegemanns Pianospiel und mit seinem unbestechlich authentischen Groove gab er Hegemanns klassischen Boogies genau die richtige Klangfarbe. Mit seinen begeisternden Soli, in denen Ulrich den Bass wie ein Melodieinstrument spielte, setzte er immer wieder Akzente.

    Paul G. Ulrich studierte das Spielen des Kontrabasses in Köln, Hamburg und New York. Seit 1986 lebt und arbeitet er als freiberuflicher Musiker in Köln. Als Künstlerbegleitung tourte er durch Europa und die USA. Er war Mitglied des Paul Kuhn Trios, mit dem er 12 Jahre durch dick und dünn gegangen ist. Außerdem spielte Ulrich mit Musikern wie Benny Bailey, Bill Ramsey, Hugo Strasser, Jiggs Whigham und vielen anderen. Seit 2015 arbeiten Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich regelmäßig zusammen.

    Das Konzert erreichte seinen Höhepunkt in einem mitreißenden Finale, das die Virtuosität von Hegemann und Ulrich nochmals auf eindrucksvolle Weise zeigte. Das Publikum spendete stehende Ovationen, und die Musiker danken ihrem Publikum mit mehreren Zugaben.

    Insgesamt war das zweieinhalb stündige Boogie-Woogie-Konzert ein musikalisches Ereignis der Extraklasse. Die Kombination aus herausragender pianistischer Fertigkeit, virtueller Beherrschung des Kontrabasses und mitreißender Performance in der charmanten Kulisse des historischen Schlosses schuf eine unvergessliche Atmosphäre für alle Besucher.

    Fotos: Klaus Gabbert

  • Feuerwehrfahrzeug kommt von der Straße ab und 16 Tonnen liegen auf der Seite

    Feuerwehrfahrzeug kommt von der Straße ab und 16 Tonnen liegen auf der Seite

    Feuerwehrleute leben nicht ganz ungefährlich. Gehört ja Tempo und Eile zu den Grundelementen ihres Tuns. Wie es genau geschah ist noch nicht abschließend geklärt, aber zum Glück kam keiner der Besatzung dieses Fahrzeugs zu Schaden.

    Der Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag auf der Störtebekerstraße in Dornum, die parallel zur Küste verläuft.

    Wir sprachen noch an der Unglücksstelle mit dem Pressesprecher der Dornumer Freiwilligen Feuerwehr, Dennis Schoolmann:

    wir bittten die schlechte Tonqualität zu entschuldigen.

    weitere Bilder bei facebook, Gruppe Dornumer Nachrichten.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (10)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 10

    Ein Mann ende Vierzig, wahrscheinlich Osteuropäer, wurde die Kehle durchgeschnitten und im Moor abgelegt. Hans zeigte ein Foto von der Leiche und Maren rief laut „Hey!“, das ist doch der Mann vom Video, ganz bestimmt!“ Alle schauten Maren erstaunt an, dann aber bestätigte Berger, dass es sich um denselben Mann handelte. Renate schaute sich ebenfalls das Foto von der Leiche an und das ausgedruckte Foto vom Video. „Nun ist klar was der Absender wollte und was für uns das Wesentliche ist!“Wir wissen jetzt wer der Mann auf dem Video ist, aber er ist bereits tot, wahrscheinlich von dem Absender der Videonachricht, ermordet. Wir sind wieder in einer Sackgasse! „Nee, auf einem Holzweg“ konterte Berger.

    Der Mittelsmann von Friedrich war in der Krummhörn    untergetaucht. Er hatte unter-

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    wegs an der Landstraße ein Schild gesehen: „Zimmer frei“ und war abgebogen und kam zu einem alten Gulfhof. Der alte Mann vor dem Gartenzaun begrüßte ihn mit einem brummigen Moin! Das Zimmer war wirklich noch frei und wurde sofort von dem Fremden gebucht. Der alte Mann erzählte, dass er mit seiner Tochter auf dem Hof zusammen lebte und er vermieten musste, weil sein Hof nicht mehr genügend zum Leben abwarf. Mehr wurde nicht gesprochen zwischen den beiden Männern. Der Gast war Deutscher und war sehr korrekt gekleidet, er trug einen gut geschnittenen blauen Nadelstreifen Anzug aus teuerem englischem Stoff. Seine Schuhe waren Handgenäht und waren so blank geputzt, das man sich in ihnen spiegeln konnte. Sein Gesicht war von einer etwas gebogenen Nase dominiert. Die stahlblauen Augen wirkten kalt und stechend. Sein glattrasiertes Gesicht war Faltenfrei und seine dünnen Lippen spitze er beim

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    sprechen so, dass man seine Zähne nicht wahrnehmen konnte. Er war jemand, den man nicht zu nahe kommen wollte. Aber der alte Mann kümmerte sich nicht darum, der Fremde war ein Gast, der sein Zimmer für eine Woche im Voraus bezahlt hatte und das genügte Ihm. Er wollte Ihn weder adoptieren, noch seiner Tochter als Ehemann vermitteln. Der alte Popken war etwas Eigenbrötlerisch und sprach nur das nötigste, dass kam dem Gast sehr entgegen, der wollte auch keine Konversation betreiben und auch nicht ausgefragt werden. Also eine sogenannte „Win- Win“ Situation. Aber trotzdem wunderte sich der alte Mann, dass der Gast sein Zimmer überhaupt nicht verlassen wollte, noch nicht einmal um eine Mahlzeit einzunehmen. Gutes Essen war dem alten Ostfiesen wichtig, sein Sprichwort war: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!

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    „Kleine Brötchen backen“ war nicht sein Ding. Berger wollte Verbrecher jagen. Das war ihm mittlerweile ebenso lieb geworden, wie mit seiner Renate zu Kochen, oder Golf zu spielen. Er hatte Kariere gemacht, nicht durch Beziehungen zu einem Staatsanwalt, oder einem Politiker. Nein durch seine Ermittlungserfolge. Mit seiner Renate an seiner Seite waren sie ein unschlagbares Team. Diesen Fall nahm Berger persönlich, den wollte er unbedingt aufklären, sich nicht von einer Verbrechergang in die Irre führen lassen. Der oder die Mörder des Mannes im Moor mussten einfach Spuren an der Leiche hinterlassen haben, den Menschen hinterlassen immer irgendwelche Spuren, redete sich Berger die Situation schön. Doch der Mörder hatte tatsächlich Spuren hinterlassen. Die Gerichtsmedizin hatte unter den Fingernägeln kleinste Teilchen von DNA Material gefunden. Aber was war nun für die Kommissare zu tun?

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    Renate nahm ihre Notizen in die Hand und blätterte darin. Sie suchte nach ihren Aufzeichnungen vom Golfplatz. Die beiden Russinnen, die ihr zu prollig vorkamen, wollte sie jetzt näher unter die Lupe nehmen. Die sprachen doch von einem tollen Anwesen in Norden und das sie sehr gute Geschäfte machen würden. Sie würden auch regelmäßig nach Moskau fliegen. Berger fühlte sich desinformiert und beschwerte sich bei Renate. Sie lachte und schob alles auf seine Art, alles für ihn nicht Wichtiges,    zu ignorieren und das war eben so ein Frauengespräch auf dem Golfplatz. Berger protestierte, aber nur halbherzig. Renate kannte ihren Konsti und seine schnelle Auffassungsgabe, also war es eine rhetorische Frage von ihm und sollte sie provozieren. Aber sie ignorierte sein Spielchen mit ihr und erklärte ohne Umschweife ihre Sichtweise über die beiden Frauen vom Golfplatz. „Die beiden Russinnen sind mir nicht geheuer,

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    die passen irgendwie in das Umfeld unseres Falles. Wir müssen ihren Wohnsitz ermitteln und sie observieren lassen.“ „Welche Fakten willst du dem Staatsanwalt vorlegen, damit der das anordnet?“ Fragte Berger gespielt lässig. Renate kochte vor Wut:

    „ Jetzt langt es, Konstantin, so nannte sie ihn nur wenn es Zoff zwischen ihnen gab, das musst du ihm richtig erklären, es ist eine Spur und die Einzige!“ Berger wusste nun das er nachgeben musste und wieder gemeinsam agieren. Er fragte nach den Namen der Frauen und erfuhr, dass sie Sonja und Ilonka hießen. Aber waren die zwei Frauen nur Randfiguren, als Ehefrauen der vielleicht in den Machenschaften um die toten Flüchtlinge, verstrickten Ehemänner? Oder waren sie stärker in diesen Mafiastrukturen involviert? Berger beschäftigte sich nun zum ersten Mal richtig mit den Frauen vom Golfplatz und er konnte sich, umso

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    intensiver er darüber nachdachte, mit dem Gedanken und den Schlussfolgerungen von Renate, anfreunden. Aber ging der Mord an dem Fremden im Moor auch auf ihre Kappe, oder war es ein Auftragsmord zum Zwecke der Vertuschung? Egal, sprach Berger zu sich selbst, wir müssen jeden Strohhalm ergreifen, denn die Faktenlage war immer noch sehr dürftig! Der Staatsanwalt konnte mit viel Mühe überzeugt werden und die Observierung wurde angeordnet und die Telefone abgehört und ein Bewegungsprofil erstellt.

    Die Kommissarin Maren Popken lebt alleine mit ihrem Vater auf dem elterlichen Gulfhof. Ihre Mutter und ihre jüngere Schwester waren seit einigen Jahren tot. Die Schwester wurde ermordet im Moor aufgefunden. Maren war damals mit dem Fall beauftragt und hatte ihn mit Hilfe der Kollegen Berger gelöst. Seit dem sind die drei Kommissare

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    befreundet.    Maren hilft ihrem Vater auf dem Hof und unterstützt ihn auch finanziell. Es ist schon manchmal einsam dort auf dem Aussiedlerhof im Marschenland. Die lange dunkle Jahreszeit und dann die Herbst und Frühjahrsstürme rütteln schon an das Gemüt einer jungen Frau. Ihr langjähriger Freund, er arbeitet als Journalist beim Ostfriesischen Kurier, kommt bedingt durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten beider Partner, nur selten zum Popken Hof. Meistens kommt er um bei Maren zu übernachten. Eine Schlafgemeinschaft nennt es Maren und ist der Grund vieler kleiner Streitigkeiten. Aber sie sieht in der Abgeschiedenheit auch Vorteile für ihren Beruf, sie kann sich wenn immer sie will dort auf dem Hof zurückziehen und in aller Ruhe nachdenken und an den jeweiligen Fällen arbeiten. Diese Möglichkeit nutzt sie auch jetzt und fährt zu ihrem Vater um

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    eine Fallanalyse zu erstellen, ganz ohne eine Einwirkung von den beiden Freunden aus Hannover.

    Berger wollte sich den Toten im Moor vor Ort ansehen und fragte bei der KTU nach, ob die Leiche noch am Auffindungsort liegen würde. Sie lag noch dort und wurde noch kriminaltechnisch untersucht und sollte in den nächsten zwei Stunden in die Gerichtsmedizin abtransportiert werden. Berger informierte Renate und sie fuhren sofort zum Auffindungsort.

    „Sie da, trampeln sie nicht auf meine Spuren herum, sie sind hier nicht auf dem Marktplatz!“ Der unfreundliche Mitarbeiter der KTU vor Ort, schaute Berger verärgert an und brummte noch einiges unverständliches in seinen Bart. Renate konterte sofort: „Schlechte Laune haben wir selber, da brauchen wir sie nicht dazu, wir sind die leitenden Kommissare und wenn sie nach einem

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    Tag noch immer nicht alle Spuren gesichert haben, dann sollten sie ihren Beruf wechseln!“ In Berger kochte es innerlich hoch, aber er konzentrierte sich auf die Leiche im Moor. Die lag rücklings im Moorboden.

    Der Tote trug den gleichen Anzug wie auf dem Überwachungsvideo vom Hafen. Die Haut war glitschig von der Feuchtigkeit im Moorboden. Der Hals war durch einen Schnitt quer aufgeschnitten und es klebte viel Blut am Hals des Opfers. Er war sehr wahrscheinlich schnell tot und ausgeblutet. Berger ging langsam um die Leiche herum und betrachtete sie von allen Seiten. So grausam es auch war, einen toten Menschen vor sich liegen zu haben: Er mochte diese Momente, wenn ein Fall seinen Anfang nahm. Mitten in den Ermittlungen befiel ihm manchmal der Zweifel, den richtigen Faden zu finden und im Labyrinth der Verworrenheit sich zu Recht zu finden

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    aber nicht am Anfang, wenn da nur diese Leiche lag. Er musterte den Toten sehr ausgiebig, schon etwas wie Hingebungsvoll. Wieder und wieder wanderte Bergers Blick über den toten Körper im Moor, die Leiche wirkte wie ein Fremdkörper in der idyllischen Umgebung. „Was kann uns diese Leiche an Informationen vermitteln? „ fragte er in Richtung Renate, die gerade mit einem Kollegen der KTU über die Spurenlage sprach. Renate drehte sich zu Berger um und äußerte sich: „Wir sollten ihn finden! Der liegt so sichtbar drapiert an dieser auffälligen Stelle direkt an einem Steg, dass keine andere Schlussfolgerung infrage kommt!“ „Du hast Recht! Da will einer ein Spiel mit uns spielen und glaubt der Schlauere zu sein. Aber sind Mörder oft schlauer als wir? Wir haben andrere Erfahrungen gemacht, 95 % der Mordfälle werden aufgeklärt. Was spricht also dafür, dass es in diesem Fall anders laufen sollte?“

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    Berger grinste und zeigte Renate einen Ohrring, den er unter der Leiche gefunden hatte. Renate streckte das Fundstück triumphierend in die Höhe und zeigte den Ohrring in die Richtung des unfreundlichen KTU Mitarbeiters. „Hey gute Arbeit, oder? War wohl nicht ihr Tag heute?“ Der so angesprochene zuckte nur mit seinen Schultern und drehte sich Richtung Leiche um. Der verbale Austausch war damit erledigt. Renate machte noch ihre üblichen Fundort und Leichen Fotos. Am Tatort wurden keine Kampfspuren gefunden, die Analyse und der Abgleich von Fingerabdrücken am Tatort war noch nicht abgeschlossen. Das ging für Renate über die übliche Fallanalyse hinaus, hier waren ihre neusten Schulungsweisheiten gefragt, die sogenannte „Sequenzanalyse“, bei der Schritt für Schritt der vermutete Tatablauf in kleine Stücke zerlegt wurde. Um anschließend zu

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    sehen, unter welchen Umständen er sich wieder zusammenpuzzeln lies. Gute Sequenzanalytiker finden sich auch ohne Sachbeweise zurecht. Sie erkennen die Handschrift des Täters sozusagen zwischen den nicht geschriebenen Zeilen. Sie gingen ihren eigenen Weg, keine Trampelpfade der üblichen Spurensuche, wie Fingerabdrücke und Zeugenaussagen, oder Blutspuren, nein sie durchforsteten die Tiefen der Psychologie. Berger fingerte sein nicht sehr geliebtes neues Handy aus seiner Seitentasche und rief Maren an, dabei erfuhr er, dass sie auf dem Weg zu ihrem Vater war um die Aktenlage zu studieren. Sie lud die beiden Kommissare zu sich zum Gulfhof ein. Sie wollte mit ihnen den letzten Stand der Ermittlungen besprechen und dann gemeinsam mit Ihnen und ihrem Vater grillen.

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (9)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 9

    Aber an seinem rechten Handgelenk trug er ein Freundschaftsband, für Maren passte das nicht zur gesamten Erscheinung des Beamten. Berger und Renate setzten sich neben Maren, gegenüber von dem Beamten aus Hannover.

    Die Kollegen warteten gespannt auf die Ausführungen ihres Gesprächspartners. Der kam dann auch sehr schnell zur Sache: „Sie fischen mit großem Gerät in unserem Teich und rühren dabei die ganze Scheiße so richtig auf!“ Renate konterte sofort: „Nun machen sie mal Halblang! Können sie auch ein ganz normales Gespräch führen? Sie haben es hier nicht mit dummen kleinen Kindern zu tun!“Der Beamte rückte sich auf seinem Stuhl zurecht und versuchte dadurch größer zu wirken. „ Sie sind ungewollt dabei einen lange vorbereiteten Einsatz meiner Behörde zu sabotieren, wir verfolgen die Aktivitäten eines Netzwerkes der Terrororganisation

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    „IS“ in Europa und in Deutschland. Wir haben einen V-Mann in die Organisation eingeschleust, hier in Norden. Es handelt sich um die Finanzierung des „IS“ durch Menschenhandel von Flüchtlingen    und damit verbundener Prostitution. Drogenhandel und Schwarzgeldwäsche stehen ebenfalls auf dem Programm der Bande. Ist das normal genug, als erste Information?“ Es herrschte erst einmal Ruhe im Raum und eine gewisse Betretenheit der Kommissare.

    Vor 4 Jahren in Hannover!

    Friedrich Hagen hatte eine kleine Kanzlei, in Hannover Linden, von seinem Vater übernommen. Linden ist ein Arbeiterstadtteil mit einem großen Anteil von Zuwanderern aus aller Herren Länder. Seit 2015 sind dort sehr viele Flüchtlinge aus Syrien und dem Nahen Osten untergebracht worden. Die Kanzlei lief mehr schlecht als recht und Friedrich hatte ständig Geldprobleme, er war zu allem

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    Überdruss auch noch Spielsüchtig und hatte große Spielschulden angehäuft. Diese Spielschulden wurden ohne sein Wissen von einem ihm unbekannten Mann aufgekauft. Friedrich lebte alleine in seiner 2    Zimmerwohnung über seiner Kanzlei. Freunde hatte er keine, schon in seiner Schulzeit wollte keiner seiner Klassenkameraden etwas mit ihm zu tun haben. Er blieb ein Außenseiter, mit guten Noten, aber ohne Freunde. Seine Außenseiter Rolle blieb ihm auch während seines Studiums treu, so studierte er Jura und wurde Anwalt in der Kanzlei seines Vaters. Geld war da immer knapp, denn die Unterschicht in Linden hatte kein Geld für Prozesse und hohe Anwaltskosten. Aber die Hagens blieben ehrlich und setzten sich für ihre Mandanten voll und ganz ein.

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    Als sein Vater verstarb übernahm er die Kanzlei und die Wohnung darüber und arbeitete alleine.

    Eines Tages kam ein Mandant zu ihm in die Kanzlei und bot ihm seine Hilfe an. Er könne sich um seine Spielschulden kümmern und auch sonst einiges für sein    Wohlbefinden tun. Friedrich hatte bis zu diesem Zeitpunkt eine saubere Weste, nichts unkorrektes, oder ungesetzliches hatte er zu verantworten. Nun gab es ein unsittliches Angebot! Er sollte eine Mandantschaft übernehmen, von einem Kartell aus dem Ausland. Als Gegenleistung bekam er die Schuldscheine von seinen Spielschulden zurück. Ein gutes Honorar wurde ihm zusätzlich angeboten, bei entsprechender Bewährung sogar eine Teilhaberschaft an einem lukrativen Geschäft. Für Friedrich schien es wie ein Sechser im Lotto zu sein. Seine anfänglichen Skrupel waren schnell verdrängt.

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    Ihm wurde ein Mittelsmann mit dem Decknamen Ralf vorgestellt, der informierte Friedrich und führte ihn in die Geschäfte der Organisation ein. Das Kartell war in den besetzten Gebieten in Syrien ansässig und wurde von hochrangigen IS Kämpfern geführt. Es ging darum ein Netzwerk in Europa und auch in Deutschland aufzubauen.

    Es sollten mehrere Erfolgsstrategien angewandt werden, um    den Nutzen zu mehren. Geld für Waffen organisieren und Schwarzgeld reinwaschen. Und mit dem reingewaschenen Geld Häuser kaufen um Flüchtlinge unterzubringen und maximal auszubeuten. Sie dann für den Terror zu rekrutieren, um Anschläge in Deutschland durchzuführen, alles für den „IS“ den sogenannten Islamischen Staat. Friedrich hatte komplett sein Gehirn und sein Gewissen ausgeschaltet als er dem Deal zustimmte. Er bekam seine Schuldscheine zurück und er wurde gut

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    bezahlt, die Terroristen hielten sich an die getroffene Abmachung. Nun musste Friedrich liefern! Friedrich Hagen lieferte!

    Er zog ein Jahr später nach Norden und übernahm dort die Kanzlei eines Notars und dann begann er seine Arbeit für das Kartell der Syrer. Er übernahm die Abwicklung der Maschinenfracht vom Frachter in Norddeich und sorgte dafür, dass seine Handlanger, die beiden schrägen Gestallten vom Markt, in der Nacht dafür sorgten, dass die Flüchtlinge vom Frachter geholt wurden. Sie wurden    dann nach Norden, in ein sicheres Haus, untergebracht. Von dort wurden einige Frauen zur Abarbeitung ihrer Schulden auf die Bordelle in ganz Ostfriesland verteilt. Die Männer mit der Drogenfracht im Darm, bekamen Abführmittel und sie mussten im Beisein der Ganoven auf einen Nachttopf ihre Notdurft verrichten. Die Drogen transportierte Friedrich in seinem Auto nach

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    Greetsiel und lieferte sie in einer Fischgenossenschaft, bei seinem Mittelsmann, ab. Das Geld aus dem Drogenverkauf und die anderen Einkünfte legte Friedrich auf seinen Konten in der Schweiz und in Lichtenstein, für das Kartell, an.

    Hans Fischer vom Staatsschutz berichtete den Kommissaren von ihren bisherigen Erkenntnissen. Jetzt hatte er von der Festnahme des Notars erfahren und das nach den flüchtigen Entführern gefahndet wird. Beides durchkreuzte ihre eigenen eingeleiteten Maßnahmen, denn der Notar Friedrich Hagen war der Informant des Staatsschutzes. Er war, vielleicht durch die Aktivitäten der Kommissare, aufgeflogen und sollte nun ausgeschaltet werden. Jegliche weitere Aktivitäten mussten ab sofort mit Hans Fischer koordiniert werden. Der Status der Ermittlungen und der Plan der Kommissare wurden nun mit Hans Fischer besprochen und

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    organisiert. Das ganze bekam nun eine andere, höhere Ermittlungsdimension. Also alles für die Katz, resümierte Renate: „ Die Befreiung des Notars und seine Vernehmung und sein Geständnis mit der Bereitschaft als Lockvogel für uns zu arbeiten? Wie wollen wir denn da wieder vernünftig herauskommen Herr Kollege Fischer?“

    Konstantin Berger“ stand ganz groß auf einem großen braunem Kuvert. Es lag auf dem Schreibtisch von Renate und wurde zuerst von Renate entdeckt, in die Hand genommen, hin und her gewogen und dann Konsti rüber auf seine Schreibtischseite geschoben. Der schaute nur kurz auf und brummte ein unverständliches Danke, in Richtung seiner Frau, lies aber den Briefumschlag unbeachtet liegen. Berger bekam öfters interne Post und die meisten Schreiben erledigten sich von selber, sie mussten nur lange genug liegen gelassen werden.

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    Aber dieses Kuvert war gefüllt, Berger konnte die Konturen vom Inhalt erahnen.

    Es musste etwas sperriges sein, vielleicht von der KTU? Grübelte Berger und nahm es in die Hand und führte den Brief unter seine Nase und schnüffelte regelrecht daran. Geruchlos resümierte Konsti und öffnete mit brachialer Gewalt den Brief. Er schüttete den Inhalt auf seine Schreibtischplatte, dabei fiel eine Videokassette heraus. Renate hatte den Vorgang mit einem gespannten Gesichtsausdruck beobachtet und gab nun ihren Kommentar zu dem Vorgang ab: „War wohl keine Bombe! Das wäre uns auch schlecht bekommen, so nahe wir hier beieinander sitzen. Denkst du manchmal nach bevor du so einen anonymen Brief öffnest?“Berger wurde rot vor Scham, oder Ärger, oder beides. Er zog die Einweghandschuhe über und betrachtete, die Kassette, drehend, von allen Seiten. Renate schaute mit Unverständnis

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    Konsti zu. „Jetzt brauchst du auch nicht mehr so zu tun, als ob du besondere Vorsicht walten lassen würdest!“ Berger grinste über sein ganzes Gesicht, wie ein Pennäler der einen Lehrer reingelegt hatte. Er legte die Videokassette in den Rekorder ein und Maren kam dazu, sie wollten gemeinsam den Inhalt ansehen. Es handelte sich um ein Überwachungsvideo vom Norddeicher Hafen. Was sie da sahen war ihnen durch Friedrich bereits bekannt, aber nun sahen sie wie in der Nacht ein schwarzer Mercedes Kastenwagen am Kai anhielt und zwei Männer stiegen aus dem Auto aus. Dann kam ein weiterer Kombi mit Auricher Kennzeichen und dort stieg nur ein Mann aus.

    Die zwei Kerle kannten sie bereits aus der Fahndung, die immer noch erfolglos lief. Der andere Mann aber war ihnen nicht bekannt und auch Hans Fischer hatte ihn noch nicht gesehen. Aber nun hatten sie ein

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    deutliches Bild von Ihm und so konnten sie es mit ihren Fotos aus dem Computer abgleichen. Aus dem Frachter stiegen so etwa 20 Flüchtlinge und wollten sofort in den bereitstehenden Kastenwagen steigen, da sortierte der unbekannte Mann die Frauen aus und verfrachtete sie in seinem Kombi. Sie wurden wahrscheinlich sofort auf die Bordelle aufgeteilt. Maren fragte: „Wer schickt uns dieses Video und was hat er mit der ganzen Sache zu tun? Warum haben wir das Überwachungsvideo nicht bekommen und gibt es noch andere Aufnahmen?“ Berger überlegte laut: „Was hilft uns dieses Video? Ich vermute es soll uns auf eine falsche Spur lenken! Wir sollen uns mit Tatsachen beschäftigen die wir eigentlich schon kennen und dabei das Wesentlich übersehen!“ „Aber was ist das Wesentliche, Konsti?“ Fragte Renate und suchte dabei in ihren Aufzeigungen. Hans Fischer war ebenfalls zu der Filmvorführung dazu gestoßen und

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    berichtete von einem Leichenfund im Moor bei Aurich.

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • Eintauchen in die neuere Zeitgeschichte – Das Auto- und Spielzeugmuseum Norddeich

    Eintauchen in die neuere Zeitgeschichte – Das Auto- und Spielzeugmuseum Norddeich

    Erinnerungen hängen an Gegenständen des Alltags und der Kindheit. Ihnen im Urlaub zu begegnen stiftet Freude bei Jung und Alt. Bei Norddeich findet sich das aus Sammelleidenschaft entstandene Museum mit Exponaten der Mobilwelt, Spielzeug, Buddelschiff und dem Leben in der ehemaligen DDR, deren zweites D auf Lügen und Überwachung gebaut war.

    Wir sprachen mit dem Besitzer Ferdinand W. Klein über seinen „Gulfhof“ …

    mehr über das Auto- und Spielzeugmuseum… hier.

  • Storytelling und Wundenlecken

    Storytelling und Wundenlecken

    „storytelling“ ist so eine modische Vokabel, hinter der immer eine Absicht steht. Eine Absicht, die immer ein Gestern hat und auf eine Zukunft verweisen soll. Storytelling kann vollkommen losgelöst von dem Ding in einen Raum der Begriffe und Wünsche, der Fiktionen weisen und uns Illusionen vermitteln wollen. Doch wir steigen niemals zweimal in den gleichen Fluss, wie uns Seneca mit Bezug auf Herklit bereits vermittelte. Das Wasser ist verflossen und wir begegnen einem neuen Fluss, der uns mit neuem Wasser die stetige Veränderung lehrt. Der alte Buchenhof in Dornum hätte so eine Perle am Küstenrand werden können jammert man diesertage in der kleinen Gemeinde, deren Bewohner zu etwa einem Drittel aus irgendwann zugereisten Bürgern besteht.

    Das „storytelling“ hat ein Gestern, als ein Erbe angenommen wurde, das eine klare innere Bestimmung mitbrachte. Eine Erbschaftannahme bedingt eigentlich rechtlich die Zustimmung der Gemeinde, was durch einen Ratsbeschluss politisch besiegelt werden muss. Von diesem Akt kann heute keiner Zeugnis geben und ein neuer Bürgermeister kann da gerne auf seinen Vorgänger verweisen.

    Mit einem Erbe und einem geschenkten Gaul pflegt man eigentlich sanft und vorsichtig umzugehen, wobei das Erstere ja im Gegensatz zum Gaul immer noch am Halfter der Testamentsvollstreckung hängt. Nun würde wohl niemand aus Klugheit sich rabiat oder missachtend gegen eine Schwiegermutter verhalten, bei altem Gemäuer kann die Klugheit wohl schon mal das Halfter schleifen lassen.

    So in Dornum geschehen. Auskünfte mussten erst mit Advokatenhilfe erstritten werden, die rechtliche Bestimmungsmitgift war nicht beachtet bis ein richterlicher Urteilsspruch dem Treiben ein Ende setzte.

    Nun begann das Wundenlecken. Ratlosigkeit und Wut suchten sich Phantasma von Schuldopfern. Fürchtet man doch den Verlust der Schenkung, die zuvor bereits in mutmaßlich krimineller Art die Begierde eines amtierenden Ratsherrn weckte. Ein Thema zu dem man zu schweigen sich gelobt hatte. Noch wartet der Clou auf die Schlagzeilen der Journaille, die auf das Startzeichen des Norder Gerichts lauert.

    Die spannende Ruhe vor neuen Entscheidungen durchbrechen die nichtgezügelten Emotionen von Bürgern, die sich um einen vermeintlichen Gewinn geprellt wähnen. Es ist eine menschliche Eigenheit das Nichtwissen mit der vermeintlichen Identifikation von Schuldopfern zu verschleiern. Auch hier wussten bereits die Alten, das „argumentum ad hominem“, also das Argument gegen den Mann, im Mittelalter sehr oft auch der Frau, ist das schlechteste und verwerflichste beim Ringen um die Wahrheit, tröstet und schützt aber vor dem schmerzlichen Eingeständnis der Erkenntnis, dass man die Wahrheit in der Tasche hatte.

    Nun kommen wir abschließend wieder zu unserem Ausgangsbild, dem sich immer verändernden Fluß, der uns mit neuem Wasser die Vergänglichkeit des Gestern konfrontiert. Vieles ist verflossen und kehrt nicht wieder. Was gestern möglich schien ist vertan.

    Wir werden Zeugen aller neuen Entwicklung und das alte Gemäuer schaut uns zu. Es wird seine Bestimmung finden und gibt aller Gedankenirrung Ruh.

    (stk.)