Autor: Hans-Joachim Steinsiek

  • Strahl oder Chemie? Krebsbehandlung in Ostfriesland

    Strahl oder Chemie? Krebsbehandlung in Ostfriesland

    In Aurich ist, wir berichteten, ein hochmodernes Bestrahlungsgerät installiert worden. Dabei stellt sich die Frage nach dem derzeitigen Stand der Tumorbehandlung. Wann ist eine chemische Behandlung, wann die Bestrahlung indiziert. Wir sprachen hierüber mit dem leitenden Mediziner des Auricher Versorgung Zentrums, Dr. Nasser Fahami

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    Dr. Nasser Fahami im Gespräch mit Hans-Joachim Steinsiek, 23. 9. 2022, Aurich
  • Selbst in Bewegung präzise bestrahlen. Ein Meilenstein in der Tumorbehandlung.

    Selbst in Bewegung präzise bestrahlen. Ein Meilenstein in der Tumorbehandlung.


    Das Medizinische Versorgungszentrum Aurich-Norden kann mit einem der modernsten Behandlungsgeräte in der Onkologie aufwarten. Das sogenannte „Cyberknife“, das mit ca. 81 Tonnen Blei abgeschirmt ist, erlaubt eine extrem präzise Bestrahlung von Tumoren, selbst unter der Eigenbewegung des Patienten. Seit ca. 16 Jahren gibt es derartige Geräte, die allerdings in ihrer Entwicklung stets Fortschritte boten. Das Auricher Gerät wurde mit 3,8 Millionen Euro öffentlich bezuschusst und es sei ein Glücksfall bei der Standortauswahl anderen Bewerberstädten zuvor gekommen zu sein.

    Nun sind schon etwa 40 Patienten hier in Aurich behandelt worden. Nach Vordiagnostik und Tumorkonzilium kann im MVZ die zumeist ambulante Behandlung durchgeführt werden. Das Gerät kann dabei jede Eigenbewegung des Patienten und seiner Organe so ausgleichen, dass ein präzises Bestrahlen und Abtöten der Tumorzellen möglich wird. Dabei ist das Umgebungsgewebe weniger als bei herkömmlicher Bestrahlung belastet und volumenmäßig kleiner.

    Rechts die kleinere Bestrahlungsfläche bei bisherigen Verfahrensweisen

    Noch kann sich aber nicht jeder Patient auf die schonendere Behandlung freuen. Die etwa 5000 bis 20000 Euro werden noch nicht von allen Kassen übernommen. Man sei in intensiven Gesprächen mit verschiedenen Kassen und habe bisher einige Rahmenvereinbarungen schließen können. Gleichwohl sei man bemüht für jeden Patienten Wege zu finden. Um auch weiterhin das Gerät auf dem neuesten Stand zu halten, hat man Wartungsverträge geschlossen, die auch Erweiterungen bei Neuentwicklungen einbeziehen.

    Dr. Nasser Fahimi und Mitarbeiter des MVZ in Aurich

    Dr. Nasser Fahami, leitender Facharzt für Strahlentherapie hofft auf eine Entwicklung seines Standortes mit Forschungsaufträgen, denn die neuen technischen Entwicklungen ermöglichen Behandlungsansätze, die der Tumorbehandlung neue Horizonte bieten.

    Ein Interview mit Dr. Fahimi folgt.

    (stk)

  • Landtagskandidaten im Gespräch: Björn Fischer, CDU

    Landtagskandidaten im Gespräch: Björn Fischer, CDU

    Björn Fischer wäre zum ersten Male im Landtag. Sein Leitspruch lautet „Zukunft wählen“, womit er auf eine junge Kandidatenauswahl hinweisen will. Wir sprachen mit ihm über die medizinale Versorgung in Ostfriesland und seinen Wahlkampf.

    Das Telefoninterview mit Björn Fischer führte Hans-Joachim Steinsiek, Dornum am 20. 9. 2022

    hier geht es zur Netzseite des Kandidaten…

  • Wahlbausteine zur Niedersachsenwahl 2022

    Wahlbausteine zur Niedersachsenwahl 2022

    Wahlbaustein Nr. 1

    Als der deutsche Philosoph Immanuel Kant die Denkwelt mit seiner Umkehrung der Betrachtung revolutionierte, unter dem Begriff Kopernikanische Wende in der Philosophie als Epochenschritt gesehen, stand plötzlich alle Erkenntnis auf dem Prüfstand. Die Annahme, dass das Subjekt seine Wahrnehmung organisiert ist nicht nur psychologischer Natur. Der Handlungsvollzug beginnt im Denken und der Fähigkeit Fragen zu stellen. Spätestens hier können Sie aufhören zu lesen, wenn Sie es „gewohnt“ sind, ohne weitere Fragen Ihre Wahlentscheidung festgelegt zu treffen. Denn dieser wahlkampfbegleitende Diskurs wird mehr Fragen aufwerfen, als suggerierende Antworten bereitstellen.

    Gegenwärtig konfrontieren uns die Parteien mit ihren Wahlkampfkonzepten. Allgegenwärtig Gesichter und Gestalten, die uns glauben lassen sollen, persönlich angesprochen zu werden. Die Aussagen, wenn vorhanden, dann sehr knapp, teils provozierend, „Keine Zeit für Sprüche“…, lassen eigentlich nur Raum dem Betrachter Sympathien zu entlocken. Doch was soll ein Wähler dem zitierten Sprüchezitat neben einem Konterfei abgewinnen? Soll er ohne zu fragen seine Stimme einem visuellen Eindruck folgend abgeben? Viele Wähler tun dies und die Wahrscheinlichkeitsberechnung bei Wahlen zählt auf Gewohnheitsannahmen. Und gerade dieses Verhalten verleiht Politikern Macht. Wenn ich als Politiker davon ausgehe, dass ich auf Gewohnheitswähler hoffen kann, sollte ich nichts tun, was ein mir zugeordnetes Rollenbild stören könnte. Mit anderen Worten, ich sollte nicht meinen Kredit zerstören. Parteistrategen wissen, dass ein unbedachtes Wort nicht nur den Einzelkandidaten, sondern auch die Gesamtpartei schädigen kann. Die Devise der kommerziellen Wahlhelfer heißt daher, keine Fragen durch Einzelpolitiker beantworten lassen, nur vorbereitete Interviews von Spitzenpolitikern. So kommt es, dass wir auf der unteren Ebene der Politikerhirarchie nur süße Worte, bzw. schöne Bilder finden. Wenn hier was schief laufen würde, wäre es schlecht wieder mit der Parteiräson einzufangen und könnte Stimmen kosten.

    Also halten wir fest: Wahlkampf ist eine Aktion, die von der Spitze gesteuert wird.

    Argumentationshilfen für den Straßenwahlkampf, den fast alle Parteien ihren Kandidaten an die Hand geben, stellen Textbausteine dar um eine Einheitlichkeit zu vermitteln. Bestenfalls kann man das als ein Hintenanstellen des Kandidaten hinter das vorgegebene Programm sehen. Kommunikation zwischen Wähler und Kandidat kann so nur als Werbung auf ein vorgegebenes Argument angesehen werden. Die Dynamik unterscheidet sich dann nicht mehr von einem Verkaufsgespräch.

    Es ist klar, das dieser Mechanismus störanfällig ist. Insbesondere, wenn Journalisten sich nicht auf das vorgegebene Aussagenschema beschränken wollen und tatsächlich Fragen stellen, die kritischer Natur sind. Dies weiß man in den Beratungsstäben und versucht dem aus dem Weg zu gehen. Man betreibt Verkündungsjournalismus und selektiert seine Ansprechpartner. Kommt es dann zu einer Begegnung versucht man gerne eine Veröffentlichung von einer Freigabe abhängig zu machen. Selbstsprechend, dass dies keine Option für einen freien Journalisten darstellt.

    Nun läßt sich bei Wahlergebnissen vermehrt eine Tendenz zur Wechselwahl feststellen. Wir sehen dies auch daran, dass Parteien heute damit rechnen müssen, keine Alleinvertretung im Parlament zu finden. Die politische Übereinkunft, die stets neu zu finden ist, ist ein Ausdruck wachsenden Selbstbewußtseins von Wählern, die sich als homo politicus begreifen und politische Vasallentreue der Vergangenheit ablehnen. Im Wechsel liegt die Macht und das „Teile und herrsche“ geht heute nicht unbedingt von der politischen Elite aus, der Wähler beschränkt durch wechselndes Wahlverhalten den politischen Mißbrauch und gelassenes Nichthandeln der Regierenden.

    Halten wir fest, am Anfang steht kein Programm und kein Gesicht. Am Anfang steht die Frage.

    Die Frage von mir als Wähler formuliert. Vorgegebene Programmaussagen und verdummende Schlagworte sind hinderlich auf dem Weg meiner politischen Willensbildung. Ich als Wähler formuliere die Frage und eine arrogante Nichtbeantwortung oder Abspeisung mit vorformulierten Textbausteinen sind Mißachtung meiner Souveränität. Damit wären erste Ausschlußkriterien für die Wahlentscheidung festgelegt.

    Als Wähler habe ich das Recht Transparenz von Parteien einzufordern.

    Zwingen Sie Ihren Kandidaten ins persönliche Gespräch und achten Sie darauf, ob er in der Lage ist, konkret und nicht vage auf Ihre Fragen zu antworten.

    In den weiteren Wahlbausteinen werden wir uns in diesem Sinne mit einzelnen Parteien beschäftigen. Harte Zeiten vor uns zwingen zur Klarheit und Entscheidung. Nichtentscheiden heißt Unterordnung, strategisch Wählen ist ein Akt der Klugheit.

    (stk.)

  • Weiter mit Atomenergie?

    Weiter mit Atomenergie?

    Das Umweltinstitut München nimmt zu den jüngsten Entscheidungen der Regierung zur Kernkraftnutzung Stellung. Hier der Bericht, den wir hier wegen seiner Aktualität voll wiedergeben.

    Nach Vorstellung der Ergebnisse des „zweiten Stresstests“ für die Stromversorgung im Winter 2022/2023 haben die Netzbetreiber verschiedene Szenarien für Energieknappheit sowie Maßnahmen zur Stabilisierung der Netze vorgestellt. Die Schlussfolgerung für den Wirtschaftsminister: Die beiden süddeutschen Atomkraftwerke (AKW) Neckarwestheim 2 und Isar 2 sollen Ende 2022 wie geplant abgeschaltet werden, jedoch bis April 2023 in Reserve gehen. Sollte der Atomstrom dann tatsächlich notwendig für die Versorgungssicherheit sein, könnten sie mit rund einer Woche Vorlauf hochgefahren werden.

    Was bringt eine Weiternutzung der Atomkraft?

    Die Netzbetreiber stellten drei Szenarien mit zunehmender Verschärfung von möglichen Versorgungsengpässen vor. Dabei wurden Faktoren aus In- und Ausland berücksichtigt, wie etwa der aktuelle Ausfall rund der Hälfte der französischen Atomkraftwerke. Das mittlere Szenario (++) der Netzbetreiber ergab, dass ein Streckbetrieb der Atomkraftwerke im Inland 0,9 Terawatt (TW) und im europäischen Ausland 1,5 Terawatt Strom aus Gaskraftwerken ersetzen können. Damit würden nur ein Promille des deutschen Gasverbrauchs von jährlich rund 998 Terawattstunden (TWh) Erdgas eingespart werden. Auf diesen geringen Nutzen will das Wirtschaftsministerium weitestgehend verzichten, indem die AKW lediglich in eine Notreserve gehen.

    Die Netzbetreiber analysierten auch, in welchem Maße sie mit einem sogenannten „Redispatch“ zur Netzstabilisierung in den Strommarkt eingreifen müssen, indem sie Kraftwerke anweisen die Produktion zu drosseln oder erhöhen. Im selben Szenario (++) sinkt das Redispatch-Potenzial im Ausland durch den Streckbetrieb der Kernkraftwerke von 5,1 Gigawatt (GW) um 0,5 GW auf 4,6 GW. Sollten Netzengpässe absehbar sein, könnten die Atomkraftwerke hier also geringfügig entlasten. Restliche Netzengpässe müssten im Ernstfall ohnehin über andere Mittel, wie Einsparungen oder der zeitlichen Verschiebung von Lasten behoben werden. Weit hinten in der Liste der Maßnahmen zur Verhinderung von Stromausfällen sehen die Netzbetreiber das vorübergehende (unfreiwillige) Abschalten von Großverbrauchern.

    Was sind die Risiken der Weiternutzung der Atomkraft?

    Der Nutzen einer AKW-Notreserve ist gering und steht in keinem Verhältnis zum Risiko. Bild Jörg Farys | Umweltinstitut

    Bild Jörg Farys / Umweltinstitut

    Der Betrieb der Atomwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 ist bereits jetzt mit unkalkulierbaren Risiken verbunden ist. Die überalterten Reaktoren waren über Jahrzehnte Neutronenbeschuss, großer Hitze und hohem Druck ausgesetzt. Nach mehr als 30 Jahren Betrieb ist mit Materialermüdung, Verschleiß, Korrosion und Spannungsrissen zu rechnen. Die letzte Sicherheitsüberprüfung der Reaktoren gab es im Jahr 2009 und sie wurde nach einem veralteten Stand von Wissenschaft und Technik durchgeführt. Bei einem weiteren Betrieb steigt das Risiko durch unentdeckte Schäden von Tag zu Tag. Keines der Atomkraftwerke hält zudem einem gezielten Anschlag oder dem Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs stand. Aus diesen Sicherheitsgründen müssten diese Atomkraftwerke eigentlich schon heute abgeschaltet werden.

    Ist die AKW-Notreserve sinnvoll?

    Das Wirtschaftsministerium hat mit der Einführung einer AKW-Leistungsreserve eine Abwägung getroffen: Nur wenn die AKW wirklich für die Netzstabilität gebraucht werden, sollen die Sicherheitsrisiken der AKW Isar2 und Neckarwestheim 2 in Kauf genommen werden. Dies mag nach einer klugen politischen Abwägung klingen. Immerhin ist einer Laufzeitverlängerung mit Beschaffung neuer Brennelemente eine klare Absage erteilt worden. Neben den Sicherheitsdefiziten ist jedoch der juristische, finanzielle und politische Aufwand für eine AKW-Notreserve enorm. Diese Ressourcen sollten besser in Energiesparmaßnahmen, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die sozial gerechte Ausgestaltung der Energiekrise fließen. Zudem bleibt mit der Frage, wann genau die AKW denn nun wirklich gebraucht werden, die Atomdebatte unnötig länger offen. Es ist offensichtlich, dass die Spitzen von CDU/CSU und FDP mit dem Hochjubeln der Atomkraft als Lösung vom eigenen energiepolitischen Versagen ablenken wollen. Für ein Ende dieser Scheindebatte um Atomkraft in Deutschland hätten wir uns eine rote Linie gewünscht: keinen Tag länger Atomkraft. So bleibt also lediglich zu hoffen, dass Merz, Söder, Lindner und Co. endlich ihre Blockadehaltung aufgeben. Denn gerade jetzt müssen wir die Energiewende und den Ausbau der erneuerbaren Energien mit aller Kraft voranbringen, und zwar „auch im Süden der Republik“, so Habeck am Montag.“

    Titelfoto: AKW Lingen, Hans-Joachim Steinsiek

  • 116117, in Ostfriesland eine Gefahr für die Volksgesundheit?

    116117, in Ostfriesland eine Gefahr für die Volksgesundheit?

    Eine Dornumerin verspürte am letzten Sonntag Schmerzen in einem Auge, dumpfen Kopfschmerz und bemerkte eine plötzliche Sehstörung mit „Verschattungen“. Ein Zustand, der sicherlich von jedem als beängstigend wahrgenommen wird. Anlaß genug nach direkter ärztlicher Begutachtung zu suchen, denn auch jeder Arzt wird bestätigen müssen, daß sich hinter den Symptomen eine Reihe von akuten Erkrankungsbildern verstecken können, die der unmittelbaren ärztlichen Abklärung bedürfen. Nicht so einfach in Ostfriesland, wie sich bald herausstellte. Die Dame hatte bisher noch keinen Augenarzt in der Region besucht und Telefonanrufe bei niedergelassen Ärzten endeten mit Hinweisen auf den Folgetag zumeist auf Anrufbeantwortern. Augenärzte fanden sich auch nicht bei den zunächst angesprochenen Krankenhäusern der Umgebung, immerhin dort der Hinweis auf die „116117“ wo man wohl Informationen erlangen könne. Doch hier gab es dann eine herbe Enttäuschung. Nach einer eingehenden Befragung zur Abklärung, ob es sich überhaupt um einen dringenden Notfall handele, durchgeführt durch eine Bürokraft mit vorliegendem Fragbogen…“können sie den Schmerz auf einer Skala von 1- 10 bestimmen“ und ähnlich pauschalen Fragen, kam der „Rat“ der Dame. Man möge doch mal im Internet „googeln“ ob sich ein Augenarzt fände, den man telefonisch direkt ansprechen solle.. Eine Rückfrage, was das nächstgelegene Krankenhaus mit einer Augenabteilung sei, brachte die Telefonisten am anderen Ende aus der Fassung. Man könne ja selber mal „rumtelefonieren“, sie sei ja nicht ortskundig.

    Diese Erfahrung führte dann zur letzten Idee, gleich die „112“ anzurufen. Dort hatte der wachführende Feuerwehrmann jedenfalls das richtige Gespür und stellte fest, daß das nächste Krankenhaus mit einem Augenarzt in Oldenburg liegt. Über eine Stunde Fahrzeit, in unserem konkreten Fall durch den bereiten Ehemann direkt angetreten. In der Oldenburger Pius-Klinik fand sich dann ein Augenarzt zur einleitenden Behandlung des Notfalls. Hier erfuhr die Patientin dann auch durch den Aufnahmearzt, daß die Augenärztliche Vereinigung eine Notfallpraxis vorhalten muss. „116117“ konnte dies jedenfalls nicht ermitteln und war für diesen Fall nichts als eine Zeitverschwendung. Nun interessant in diesem Kontext auch, daß der Entlassungsbericht den Zustand der Patientin als „Notfall“ dokumentiert. Nur so wird sich nun wohl für die angeordneten Nachkontrollen ein niedergelassener Augenarzt sich nicht auf seinen übervollen Terminkalender berufen können.

    In Deutschland dürfen nur zwei Berufe legal Diagnosen im Bereich der Medizin stellen. Heilpraktiker und Ärzte. Letztere auch rechtlich auf der Basis des Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (Heilpraktikergesetz), § 1. Dort heißt es im § 1 Absatz 2: „Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.“

    Also eine Diagnose, am Telefon per Fragekatalog um die Dringlichkeit und Behandlungsnotwendigkeit durch eine Hilfskraft per Telefon festzustellen, ggf. die richtigen Erstmaßnahmen einzuleiten, dürften nicht unter diese gesetzliche Norm fallen. Eine Gegebenheit, die in Anbetracht des Ärztemangels in Ostfriesland sicherlich politische Beachtung finden sollte. Der vorliegende Fall führt zur Erkenntnis, dass direkte Krankenhausnachfrage und ggf. die „112“ zielführendere Schritte als die Beanspruchen der ahnungslosen 116117 sein kann. Der Terminus „Gefahr für die Volksgesundheit“ entstammt übrigens auch dem normgebenden Heilpraktikergesetz, wo der hier erfahrene Sachverhalt wohl unter dem Terminus ausgeschlossen werden soll.

    (stk.)

  • „…am Ende wird nicht jeder vollumfänglich zufrieden sein können…“

    „…am Ende wird nicht jeder vollumfänglich zufrieden sein können…“

    Vom Ringen um den Umgang mit der Pestizid-Problematik. Ein Gespräch mit Tiemo Wölken, EU-Abgeordneter der SPD-Niedersachsen.

    Das Interview fand am 25. 8. 2022 statt und wurde aufgenommen von Hans-Joachim Steinsiek, Dornum.

    Das Thema wird durch weitere Stellungnahmen von Politikern und Verbänden fortgesetzt.

  • „Unter Dampf“. Geschichten entlang der Eisenbahn

    „Unter Dampf“. Geschichten entlang der Eisenbahn

    Georg Murrar-Regner ist mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen über die Grenzen von Ostfriesland hinaus bekannt. Sein neues Buch ist eine Sammlung von Erzählungen, die längs der Küstenbahn verortet sind. Wir sprachen mit dem Autor über sein neues Werk:

    Das Interview mit Georg Murrar-Regnar fand am 30. 7. 2022 in Dornum statt. Das Interview erstellte Hans-Joachim Steinsiek, Dornum

  • Wer plant die Zukunft unserer Gemeinden an der Küste?

    Wer plant die Zukunft unserer Gemeinden an der Küste?

    Am 21. 7. 2022 fand in Neßmerersiel eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Zukunftsplanung in den Dornumer Seeorten Neßmersiel und Dornumersiel statt. Die Gemeinde Dornum hat eine Planungsfirma angestellt, die sich hier der Öffentlichkeit präsentiert. Ein heikles und unbefriedigendes Thema wie sich herausstellte. Wir werden dazu eingehend berichten. Im Verlauf der Veranstaltung sprachen wir mit Diedrich Janssen, Oldenburg, geschäftsführender Gesellschafter der Firma NWP, Gesellschaft für räumliche Planung und Forschung, über die Ausgangspunkte der örtlichen Planungsarbeit.

    Diedrich Janssen, Dipl-Ing.

    Die Tonqualität bitten wir zu entschuldigen, da das Interview in den Räumlichkeiten der Veranstaltung aufgenommen wurde.

    Deutlich wird, und dies wurde auch von Besuchern der Veranstaltung öffentlich angemerkt, dass erhebliches Konfliktpotential zwischen Bestandsbürgern, Tourismusindustrie und Spekulationsinvestoren gibt. Dazu in Kürze mehr.

    Bericht über die Gesamtveranstaltung und Kommentar folgen.

  • Unterstützung der neuen Schulkinder im Landkreis Wittmund

    Unterstützung der neuen Schulkinder im Landkreis Wittmund

    lkw Wittmund. Auch in diesem Jahr erhalten alle Kinder, die nach den Ferien eingeschult werden, wieder den Rucksack mit der Möwe und vielen tollen und nützlichen Inhalten überreicht. Denn das Projekt „Jetzt werde ich ein Schulkind“ des Familien- und Kinderservicebüros beim Landkreis Wittmund geht weiter. Das Team um Jana Borowski (Sprachbildung und Sprachförderung, AWO) und Petra Busemann (Koordinatorin des Netzwerkes für Familien mit Migrations- und Fluchterfahrungen, EFB) hat neben den bewährten Materialien (Möwe-Heft, hochwertige Bunt- und Bleistifte, Schere, Anspitzer und Klebestift) auch wieder neue Projekt „Jetzt werdESponsoren und Unterstützer für das Projekt gefunden.

    Das sind zum Beispiel der Rotary-ClubWittmund-Esens, der die Rucksäcke finanziert hat, die Firma Meyenburg, die auch in diesem Jahr wieder den gesunden Pausensnack unterstützt, und der Verein Hasentour, der die passenden Brotdosen mitfinanziert hat. Das Projekt wurde in diesem Jahr auch von der Firma REHAU mit einer Geldspende unterstützt und vom Wattenmeerhaus, das schöne Materialien über das Wattenmeer bereitgestellt hat, und viele weitere mehr.

    „Uns war es schon immer wichtig, auch die vielen Familien mit den unterschiedlichsten sprachlichen Hintergründen mit einzubeziehen“, erklärt Petra Busemann. „Daher sind auf der Homepagewww.navi-whv.de mittlerweile Übersetzungen für Eltern in sechs Sprachen zu finden. In diesem Jahr ist unter anderem ein internationales Liederbuch enthalten. Ein Lied daraus findet sich im Möwe-Heft wieder und wird mit Gebärden begleitet.“

    „Mir war es wichtig, dass wir die Idee der Zahnpflege weitertragen, die Anfänge wurden ja bereits in der Kita gemacht. Deshalb finden die Kinder nun auch eine Zahnbürste im Rucksack und eine Anleitung zum richtigen Zähneputzen im Möwe-Heft. Die Tierfiguren unterstützen dabei die Kinder spielerisch“, hebt Jana Borowski hervor. So wächst das Projekt, dass vor drei Jahren über die Präventionskette des Landkreises Wittmund und der Stadt Wilhelmshaven initiiert wurde, immer weiter auf. Federführend verantwortlich ist mittlerweile Jana Borowski (AWO, Kontakt: Jana.borowski@awo-ol.de), die auch die Spenden zur Durchführung des Projektes einwirbt. „Für das nächste Jahr haben wir noch kleine Rücklagen, zumindest für das Heft und einige Materialien. Wir freuen uns aber natürlich immer über weitere Spenden, um auch im nächsten Jahr wieder Brotdosen und Zahnbürsten und viele weitere nützliche Dinge für den unbeschwerten Schulstart an die Kinder bringen zu können. So wollen wir gemeinsam auch weiterhin einen Beitrag zur frühkindlichen Bildung leisten“ sagt sie.

    „Mich freut es, dass das Projekt sich mittlerweile so gut etabliert hat und nicht mehr wegzudenken ist. Vielen Dank auch allen Helferinnen und Helfern, die beim Packen der Beutel dabei sind und im Hintergrund agieren“, freut sich Britta Baumgart vom Projektteam. Die Materialien richteten sich dabei an alle Kinder, völlig unabhängig vom finanziellen oder kulturellen Hintergrund der Eltern. Baumgart: „Wir möchten alle Kinder gleichbehandeln, ohne Stigmatisierung. Wir schaffen etwas, das alle Kinder im Landkreis Wittmund verbindet. Die Rucksäcke sind kostenfrei und wir erreichen jedes Kind, welches nach den Sommerferien in die Grundschule kommt.“ Durch die sprachliche Unterstützung könnten auch Kinder teilnehmen, die der deutschen Sprache noch nicht so mächtig seien – ebenso deren Eltern. Das mache dieses Projekt so einzigartig und toll.

    Konzeptionell wird auf dem aufgebaut, was schon seit dem ersten Jahr das Heft inhaltlich ausmacht, mit den Figuren Möwe, Schaf und Hütehund. Andreas Reiberg als regionaler Künstler gestaltete und begleitet das Heft „Jetzt werde ich ein Schulkind“. Er arbeitet weiterhin mit an diesem Projekt. Seine tierischen Akteure unterstützen und begleiten die Kinder beim Lernen und Üben. In dieser Woche erhalten die Kinder den gefüllten Schulstarter-Rucksack mit Inhalt durch ihre Kindergärten überreicht. Die hiesigen Grundschulen versorgen die Kinder, die durch die Kindergärten nicht erreicht werden können. Mit dem Rucksack, dem Heft und den vielen tollen Materialien wünscht die Kreisverwaltung allen Kindern und ihren Familien einen tollen Start in die Schule – und nicht zu vergessen, es gibt es auch in diesem Jahr wieder sprachliche und musikalische Unterstützung zum Heft. Über einen QR-Code, der weiterführt zuYoutube,werden die Kinder animiert, die Reime mitzusprechen sowie Lieder, Witze und Entspannungsgeschichten anzuhören.

    (ü. Pm.)