Kategorie: Orte

  • 9. November 1938 in Dornum

    9. November 1938 in Dornum

    9. November 1938

    von Georg Murra-Regner

    1. Sie hatten doch so manchen Tag

    hier in Dornum zugebracht

    und gebaut das Gotteshaus,

    wo sie gläubig gingen ein und aus.

    Es wurde zerstört in der Novembernacht,

    die den Juden das Unglück hat gebracht.

    1. Es war die furchtbare dunkle Nacht,

    als der Nebel dicht überm Boden lag.

    Viele Juden haben diese Nacht

    in Angst und Schrecken zugebracht.

    1. Es war Geklirr und schmerzliches Weinen

    von Menschen, die nicht konnten begreifen,

    was in dieser Nacht noch sollte geschehn,

    ob sie lebend sich wiedersehn.

    1. Sie wurden missachtet und vertrieben,

    von ihnen ist keiner unbehelligt geblieben.

    Sie wurden aus ihren Häusern gezerrt

    und in Norden in Viehställe gesperrt.

    1. Von weitem sahen sie schon:

    Die Thorarollen brannten schon.

    Das hat die Täter noch stolzer gemacht,

    sie haben voller Übermut weitergemacht.

    1. Plakate hingen überall an der Wand:

    Wir wollen keine Juden mehr im Land.

    Auf den Schaufenstern war von übler Hand

    der gelbe Davidstern gemalt.

    An den Häusern stand geschrieben:

    „Juden raus aus unserem Land,

    wandert nach Amerika aus!“

    1. Von den Kindern verstand‘s nicht Einer:

    „Juden raus, hier will euch keiner!“

    Die Kinder lasen voller Schreck

    an ihrer Schulwand

    „Juda verreck!“

    Sie waren von Eltern so erzogen,

    das Land zu lieben, in dem sie geboren.

    1. Juden wurd‘s verboten, in die Schule zu gehn

    und ihre nichtjüdischen Freunde zu sehn.

    Für viele Lehrer war es unangenehm,

    jüdische Kinder

    neben nichtjüdischen sitzen zu sehn.

    1. Das Lachen der Kinder ging verloren,

    über Nacht waren sie erwachsen geworden.

    Die Gesichter waren von Angst entsetzt,

    nur Hass und Gewalt waren noch Gesetz.

    1. Die Synagogen wurden geschändet

    und abgebrannt,

    einige haben sich schämend abgewandt:

    Andere zerstörten voller Spott und Hohn,

    weiter im Land – Gottes Heiligtum.

    1. Jüdische Männer trugen vor sich her

    das Eiserne Kreuz vom deutschen Heer.

    Ihre Söhne waren gefallen in Feindesland,

    für Kaiser, Volk und deutsches Vaterland.

    1. Sie liegen begraben in Frankreichs Erde,

    auf ihren Gräbern steht: Für deutsche Ehre.

    Es war vergessen seit dieser Nacht,

    was sie für‘s Vaterland hatten vollbracht.

    1. Sie wurden vertrieben aus diesem Land,

    Mütter und Väter mit Kindern an der Hand.

    Sie emigrierten in ein anderes Land,

    unbeachtet und von niemandem gekannt.

    Die Verachteten, die in Deutschland geblieben,

    wurden in Ghettos und Todeslager getrieben.

    Nur wenige sind am Leben geblieben.

    1. Wussten die Täter nicht, was sie taten,

    als sie ihre Nachbarn haben verraten.

    Doch zu nennen sind noch die Namen,

    die sie damals von hier vertrieben haben.

    1. Sie haben sie geschlagen und betrogen,

    keiner wurde zur Verantwortung gezogen.

    Sie lebten danach als ehrbare Bürger wieder,

    sie wurden Ärzte, Politiker und Erzieher.

    1. Es ist doch besser, wenn man sagen kann,

    dass im Leben nichts geschehen,

    damit man in Ruhe sterben kann.

    Wird ihnen nach dem irdischen Leben,

    vom Ewigen die Schuld vergeben?

    1. Hat man vergessen das weise Wort,

    wer Krieg will mit seinem Fürsten,

    der werfe sein Schwert nicht fort.

    Wer aber suchet den Krieg zu vermeiden,

    hält ihn in des Schwertes Scheide.

    1. Was ich höre, ist nicht geheuer,

    nicht der Krieg, der Frieden ist teuer.

    Aber nützt uns ein gewonnener Krieg,

    wenn die Familie nicht mehr am Leben ist?

    1. Wurden nicht beachtet die wichtigen Werte,

    die der Meister die Suchenden lehrte?

    Dass der raue Stein nicht zu behauen ist,

    wenn der „Große Baumeister“

    nicht mit ihnen ist.

    1. Am 9. November ist nicht Schuld zu erheben,

    Gedenken heißt:

    Nicht vergessen – sondern uns zu vergeben,

    um in Frieden und Freiheit zu leben.

    Darum lassen wir das Böse nicht geschehn:

    Es wird Zeit, gegen Hass, Gewalt und Krieg

    jetzt aufzustehn.

  • Kunst zwischen Realität und Fantasie

    Kunst zwischen Realität und Fantasie

    Ein anspruchvolles Thema führt in Dornum Künstler zusammen, die ihre Werke in einem Leerstand mitten in Dornums Altstadt ausstellen. Wir sprachen mit Andrea Schütz-Böse, eine der Initiatoren…

    Andrea Schütz-Böse
  • Dornums Geschichte und Gegenwart in Reimen

    Dornums Geschichte und Gegenwart in Reimen

    Georg Murra-Regner kündigt ein neues Projekt an

    Die Reimform ist eine in allen Kulturen sehr alte Kunst. Aber sie ist zeitlos und der Bogen spannt sich vom Bibelvers zur modernen Literatur. Der besondere Aspekt, dass Geschichte in Reimform weitergegeben wurde will der Dornumer Schriftsteller Georg Murra-Regner bis in die Gegenwart seines Dorfes demonstrierten. Dass es dabei nicht ohne Kritik und Schärfe zugehen kann, liegt in der der Natur der Dichtung. Spannende Erwartung, die bereits seine Zuhörer einer Lesung Ende September in Dornum fühlen konnten.

    Wir sprachen mit dem Dornumer Schriftsteller:

    Georg Murra-Regner bei einer Lesung in Dornum. Sept. 2023. Fotos dieser Seite: stk

    Das Interview mit Hans-Joachim Steinsiek wurde am 3. 10. 2023 aufgenommen.

  • Boogie Woogie im ausgebuchten Dornumer Schloss. Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich begeistern ihr Publikum

    Boogie Woogie im ausgebuchten Dornumer Schloss. Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich begeistern ihr Publikum

    Am Samstag, 12. August 2023, fand im Dornumer Schloss ein bemerkenswertes Boogie Woogie Konzert statt, organisiert vom Bürgerverein Herrlichkeit Dornum und präsentiert vom Duo Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich. Der Rittersaal bot das eindrucksvolle Ambiente für diese mitreißende musikalische Veranstaltung.

    Jörg Hegemann aus Witten ist ein Meister am Klavier, der das Boogie-Woogie-Piano perfekt beherrscht und den Charme und die Kraft dieser Musik lebendig erhält. Mit Paul G. Ulrich hat Hegemann einen der besten deutschen Jazzbassisten an seiner Seite. Das Duo spielte mitreißend, virtuos und authentisch und begeisterte das Publikum.Schon nach den ersten Klängen war klar, dass die Zuschauer eine musikalische Reise voller Dynamik und Rhythmus erwartete.Mit Originalen aus der großen Zeit des Genres, mit eigenen Titeln und bekannten Blues- und Swing-Titeln boten die Musiker beste Unterhaltung.Die Stimmung im Saal war geprägt von enthusiastischem Klatschen, rhythmischem Mitwippen und begeisterten Zurufen der Gäste.

    Hegemann nahm die Konzertbesucher mit ins Chicago der dreißiger Jahre und bot ihnen einen Blick in die musikalische Welt der Boogie-Woogie-Kings Albert Ammons, Meade Lux Lewis und Pete Johnson, eine kleine Zeitreise durch die Geschichte dieses Musikstils.

    Hegemann kann auf rund 2000 Auftritte in über 30 Bühnenjahren zurückblicken, darunter Konzerte in den USA, Russland und vielen europäischen Ländern. Bei der erstmaligen Verleihung des offiziellen Musikpreises „German-Boogie-Woogie-Award Pinetop“ in Bremen wurde Jörg Hegemann als „Pianist des Jahres 2009“ geehrt.

    Paul G. Ulrich ergänzte als Begleitmusiker Hegemanns Pianospiel und mit seinem unbestechlich authentischen Groove gab er Hegemanns klassischen Boogies genau die richtige Klangfarbe. Mit seinen begeisternden Soli, in denen Ulrich den Bass wie ein Melodieinstrument spielte, setzte er immer wieder Akzente.

    Paul G. Ulrich studierte das Spielen des Kontrabasses in Köln, Hamburg und New York. Seit 1986 lebt und arbeitet er als freiberuflicher Musiker in Köln. Als Künstlerbegleitung tourte er durch Europa und die USA. Er war Mitglied des Paul Kuhn Trios, mit dem er 12 Jahre durch dick und dünn gegangen ist. Außerdem spielte Ulrich mit Musikern wie Benny Bailey, Bill Ramsey, Hugo Strasser, Jiggs Whigham und vielen anderen. Seit 2015 arbeiten Jörg Hegemann und Paul G. Ulrich regelmäßig zusammen.

    Das Konzert erreichte seinen Höhepunkt in einem mitreißenden Finale, das die Virtuosität von Hegemann und Ulrich nochmals auf eindrucksvolle Weise zeigte. Das Publikum spendete stehende Ovationen, und die Musiker danken ihrem Publikum mit mehreren Zugaben.

    Insgesamt war das zweieinhalb stündige Boogie-Woogie-Konzert ein musikalisches Ereignis der Extraklasse. Die Kombination aus herausragender pianistischer Fertigkeit, virtueller Beherrschung des Kontrabasses und mitreißender Performance in der charmanten Kulisse des historischen Schlosses schuf eine unvergessliche Atmosphäre für alle Besucher.

    Fotos: Klaus Gabbert

  • Feuerwehrfahrzeug kommt von der Straße ab und 16 Tonnen liegen auf der Seite

    Feuerwehrfahrzeug kommt von der Straße ab und 16 Tonnen liegen auf der Seite

    Feuerwehrleute leben nicht ganz ungefährlich. Gehört ja Tempo und Eile zu den Grundelementen ihres Tuns. Wie es genau geschah ist noch nicht abschließend geklärt, aber zum Glück kam keiner der Besatzung dieses Fahrzeugs zu Schaden.

    Der Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag auf der Störtebekerstraße in Dornum, die parallel zur Küste verläuft.

    Wir sprachen noch an der Unglücksstelle mit dem Pressesprecher der Dornumer Freiwilligen Feuerwehr, Dennis Schoolmann:

    wir bittten die schlechte Tonqualität zu entschuldigen.

    weitere Bilder bei facebook, Gruppe Dornumer Nachrichten.

  • „Todes Container im Wattenmeer“ (10)

    Kommissar Berger – Mord in Norden

    von Lutz Müller

    ein Küstenkrimi – Folge 10

    Ein Mann ende Vierzig, wahrscheinlich Osteuropäer, wurde die Kehle durchgeschnitten und im Moor abgelegt. Hans zeigte ein Foto von der Leiche und Maren rief laut „Hey!“, das ist doch der Mann vom Video, ganz bestimmt!“ Alle schauten Maren erstaunt an, dann aber bestätigte Berger, dass es sich um denselben Mann handelte. Renate schaute sich ebenfalls das Foto von der Leiche an und das ausgedruckte Foto vom Video. „Nun ist klar was der Absender wollte und was für uns das Wesentliche ist!“Wir wissen jetzt wer der Mann auf dem Video ist, aber er ist bereits tot, wahrscheinlich von dem Absender der Videonachricht, ermordet. Wir sind wieder in einer Sackgasse! „Nee, auf einem Holzweg“ konterte Berger.

    Der Mittelsmann von Friedrich war in der Krummhörn    untergetaucht. Er hatte unter-

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    wegs an der Landstraße ein Schild gesehen: „Zimmer frei“ und war abgebogen und kam zu einem alten Gulfhof. Der alte Mann vor dem Gartenzaun begrüßte ihn mit einem brummigen Moin! Das Zimmer war wirklich noch frei und wurde sofort von dem Fremden gebucht. Der alte Mann erzählte, dass er mit seiner Tochter auf dem Hof zusammen lebte und er vermieten musste, weil sein Hof nicht mehr genügend zum Leben abwarf. Mehr wurde nicht gesprochen zwischen den beiden Männern. Der Gast war Deutscher und war sehr korrekt gekleidet, er trug einen gut geschnittenen blauen Nadelstreifen Anzug aus teuerem englischem Stoff. Seine Schuhe waren Handgenäht und waren so blank geputzt, das man sich in ihnen spiegeln konnte. Sein Gesicht war von einer etwas gebogenen Nase dominiert. Die stahlblauen Augen wirkten kalt und stechend. Sein glattrasiertes Gesicht war Faltenfrei und seine dünnen Lippen spitze er beim

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    sprechen so, dass man seine Zähne nicht wahrnehmen konnte. Er war jemand, den man nicht zu nahe kommen wollte. Aber der alte Mann kümmerte sich nicht darum, der Fremde war ein Gast, der sein Zimmer für eine Woche im Voraus bezahlt hatte und das genügte Ihm. Er wollte Ihn weder adoptieren, noch seiner Tochter als Ehemann vermitteln. Der alte Popken war etwas Eigenbrötlerisch und sprach nur das nötigste, dass kam dem Gast sehr entgegen, der wollte auch keine Konversation betreiben und auch nicht ausgefragt werden. Also eine sogenannte „Win- Win“ Situation. Aber trotzdem wunderte sich der alte Mann, dass der Gast sein Zimmer überhaupt nicht verlassen wollte, noch nicht einmal um eine Mahlzeit einzunehmen. Gutes Essen war dem alten Ostfiesen wichtig, sein Sprichwort war: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!

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    „Kleine Brötchen backen“ war nicht sein Ding. Berger wollte Verbrecher jagen. Das war ihm mittlerweile ebenso lieb geworden, wie mit seiner Renate zu Kochen, oder Golf zu spielen. Er hatte Kariere gemacht, nicht durch Beziehungen zu einem Staatsanwalt, oder einem Politiker. Nein durch seine Ermittlungserfolge. Mit seiner Renate an seiner Seite waren sie ein unschlagbares Team. Diesen Fall nahm Berger persönlich, den wollte er unbedingt aufklären, sich nicht von einer Verbrechergang in die Irre führen lassen. Der oder die Mörder des Mannes im Moor mussten einfach Spuren an der Leiche hinterlassen haben, den Menschen hinterlassen immer irgendwelche Spuren, redete sich Berger die Situation schön. Doch der Mörder hatte tatsächlich Spuren hinterlassen. Die Gerichtsmedizin hatte unter den Fingernägeln kleinste Teilchen von DNA Material gefunden. Aber was war nun für die Kommissare zu tun?

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    Renate nahm ihre Notizen in die Hand und blätterte darin. Sie suchte nach ihren Aufzeichnungen vom Golfplatz. Die beiden Russinnen, die ihr zu prollig vorkamen, wollte sie jetzt näher unter die Lupe nehmen. Die sprachen doch von einem tollen Anwesen in Norden und das sie sehr gute Geschäfte machen würden. Sie würden auch regelmäßig nach Moskau fliegen. Berger fühlte sich desinformiert und beschwerte sich bei Renate. Sie lachte und schob alles auf seine Art, alles für ihn nicht Wichtiges,    zu ignorieren und das war eben so ein Frauengespräch auf dem Golfplatz. Berger protestierte, aber nur halbherzig. Renate kannte ihren Konsti und seine schnelle Auffassungsgabe, also war es eine rhetorische Frage von ihm und sollte sie provozieren. Aber sie ignorierte sein Spielchen mit ihr und erklärte ohne Umschweife ihre Sichtweise über die beiden Frauen vom Golfplatz. „Die beiden Russinnen sind mir nicht geheuer,

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    die passen irgendwie in das Umfeld unseres Falles. Wir müssen ihren Wohnsitz ermitteln und sie observieren lassen.“ „Welche Fakten willst du dem Staatsanwalt vorlegen, damit der das anordnet?“ Fragte Berger gespielt lässig. Renate kochte vor Wut:

    „ Jetzt langt es, Konstantin, so nannte sie ihn nur wenn es Zoff zwischen ihnen gab, das musst du ihm richtig erklären, es ist eine Spur und die Einzige!“ Berger wusste nun das er nachgeben musste und wieder gemeinsam agieren. Er fragte nach den Namen der Frauen und erfuhr, dass sie Sonja und Ilonka hießen. Aber waren die zwei Frauen nur Randfiguren, als Ehefrauen der vielleicht in den Machenschaften um die toten Flüchtlinge, verstrickten Ehemänner? Oder waren sie stärker in diesen Mafiastrukturen involviert? Berger beschäftigte sich nun zum ersten Mal richtig mit den Frauen vom Golfplatz und er konnte sich, umso

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    intensiver er darüber nachdachte, mit dem Gedanken und den Schlussfolgerungen von Renate, anfreunden. Aber ging der Mord an dem Fremden im Moor auch auf ihre Kappe, oder war es ein Auftragsmord zum Zwecke der Vertuschung? Egal, sprach Berger zu sich selbst, wir müssen jeden Strohhalm ergreifen, denn die Faktenlage war immer noch sehr dürftig! Der Staatsanwalt konnte mit viel Mühe überzeugt werden und die Observierung wurde angeordnet und die Telefone abgehört und ein Bewegungsprofil erstellt.

    Die Kommissarin Maren Popken lebt alleine mit ihrem Vater auf dem elterlichen Gulfhof. Ihre Mutter und ihre jüngere Schwester waren seit einigen Jahren tot. Die Schwester wurde ermordet im Moor aufgefunden. Maren war damals mit dem Fall beauftragt und hatte ihn mit Hilfe der Kollegen Berger gelöst. Seit dem sind die drei Kommissare

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    befreundet.    Maren hilft ihrem Vater auf dem Hof und unterstützt ihn auch finanziell. Es ist schon manchmal einsam dort auf dem Aussiedlerhof im Marschenland. Die lange dunkle Jahreszeit und dann die Herbst und Frühjahrsstürme rütteln schon an das Gemüt einer jungen Frau. Ihr langjähriger Freund, er arbeitet als Journalist beim Ostfriesischen Kurier, kommt bedingt durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten beider Partner, nur selten zum Popken Hof. Meistens kommt er um bei Maren zu übernachten. Eine Schlafgemeinschaft nennt es Maren und ist der Grund vieler kleiner Streitigkeiten. Aber sie sieht in der Abgeschiedenheit auch Vorteile für ihren Beruf, sie kann sich wenn immer sie will dort auf dem Hof zurückziehen und in aller Ruhe nachdenken und an den jeweiligen Fällen arbeiten. Diese Möglichkeit nutzt sie auch jetzt und fährt zu ihrem Vater um

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    eine Fallanalyse zu erstellen, ganz ohne eine Einwirkung von den beiden Freunden aus Hannover.

    Berger wollte sich den Toten im Moor vor Ort ansehen und fragte bei der KTU nach, ob die Leiche noch am Auffindungsort liegen würde. Sie lag noch dort und wurde noch kriminaltechnisch untersucht und sollte in den nächsten zwei Stunden in die Gerichtsmedizin abtransportiert werden. Berger informierte Renate und sie fuhren sofort zum Auffindungsort.

    „Sie da, trampeln sie nicht auf meine Spuren herum, sie sind hier nicht auf dem Marktplatz!“ Der unfreundliche Mitarbeiter der KTU vor Ort, schaute Berger verärgert an und brummte noch einiges unverständliches in seinen Bart. Renate konterte sofort: „Schlechte Laune haben wir selber, da brauchen wir sie nicht dazu, wir sind die leitenden Kommissare und wenn sie nach einem

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    Tag noch immer nicht alle Spuren gesichert haben, dann sollten sie ihren Beruf wechseln!“ In Berger kochte es innerlich hoch, aber er konzentrierte sich auf die Leiche im Moor. Die lag rücklings im Moorboden.

    Der Tote trug den gleichen Anzug wie auf dem Überwachungsvideo vom Hafen. Die Haut war glitschig von der Feuchtigkeit im Moorboden. Der Hals war durch einen Schnitt quer aufgeschnitten und es klebte viel Blut am Hals des Opfers. Er war sehr wahrscheinlich schnell tot und ausgeblutet. Berger ging langsam um die Leiche herum und betrachtete sie von allen Seiten. So grausam es auch war, einen toten Menschen vor sich liegen zu haben: Er mochte diese Momente, wenn ein Fall seinen Anfang nahm. Mitten in den Ermittlungen befiel ihm manchmal der Zweifel, den richtigen Faden zu finden und im Labyrinth der Verworrenheit sich zu Recht zu finden

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    aber nicht am Anfang, wenn da nur diese Leiche lag. Er musterte den Toten sehr ausgiebig, schon etwas wie Hingebungsvoll. Wieder und wieder wanderte Bergers Blick über den toten Körper im Moor, die Leiche wirkte wie ein Fremdkörper in der idyllischen Umgebung. „Was kann uns diese Leiche an Informationen vermitteln? „ fragte er in Richtung Renate, die gerade mit einem Kollegen der KTU über die Spurenlage sprach. Renate drehte sich zu Berger um und äußerte sich: „Wir sollten ihn finden! Der liegt so sichtbar drapiert an dieser auffälligen Stelle direkt an einem Steg, dass keine andere Schlussfolgerung infrage kommt!“ „Du hast Recht! Da will einer ein Spiel mit uns spielen und glaubt der Schlauere zu sein. Aber sind Mörder oft schlauer als wir? Wir haben andrere Erfahrungen gemacht, 95 % der Mordfälle werden aufgeklärt. Was spricht also dafür, dass es in diesem Fall anders laufen sollte?“

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    Berger grinste und zeigte Renate einen Ohrring, den er unter der Leiche gefunden hatte. Renate streckte das Fundstück triumphierend in die Höhe und zeigte den Ohrring in die Richtung des unfreundlichen KTU Mitarbeiters. „Hey gute Arbeit, oder? War wohl nicht ihr Tag heute?“ Der so angesprochene zuckte nur mit seinen Schultern und drehte sich Richtung Leiche um. Der verbale Austausch war damit erledigt. Renate machte noch ihre üblichen Fundort und Leichen Fotos. Am Tatort wurden keine Kampfspuren gefunden, die Analyse und der Abgleich von Fingerabdrücken am Tatort war noch nicht abgeschlossen. Das ging für Renate über die übliche Fallanalyse hinaus, hier waren ihre neusten Schulungsweisheiten gefragt, die sogenannte „Sequenzanalyse“, bei der Schritt für Schritt der vermutete Tatablauf in kleine Stücke zerlegt wurde. Um anschließend zu

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    sehen, unter welchen Umständen er sich wieder zusammenpuzzeln lies. Gute Sequenzanalytiker finden sich auch ohne Sachbeweise zurecht. Sie erkennen die Handschrift des Täters sozusagen zwischen den nicht geschriebenen Zeilen. Sie gingen ihren eigenen Weg, keine Trampelpfade der üblichen Spurensuche, wie Fingerabdrücke und Zeugenaussagen, oder Blutspuren, nein sie durchforsteten die Tiefen der Psychologie. Berger fingerte sein nicht sehr geliebtes neues Handy aus seiner Seitentasche und rief Maren an, dabei erfuhr er, dass sie auf dem Weg zu ihrem Vater war um die Aktenlage zu studieren. Sie lud die beiden Kommissare zu sich zum Gulfhof ein. Sie wollte mit ihnen den letzten Stand der Ermittlungen besprechen und dann gemeinsam mit Ihnen und ihrem Vater grillen.

    die weiteren Folgen des gesamten Romans erscheinen jeweils zum Wochenende, hier und über die Fb-Gruppe Dornumer Nachrichten.

    

    Der Autor dieses Kriminalromans, Lutz Müller lebt in Norden.

    Abdruck und unberechtigtes Teilen sind nicht gestattet und führen zu rechtlichen Konsequenzen. Alle Rechte beim Autor.

  • Eintauchen in die neuere Zeitgeschichte – Das Auto- und Spielzeugmuseum Norddeich

    Eintauchen in die neuere Zeitgeschichte – Das Auto- und Spielzeugmuseum Norddeich

    Erinnerungen hängen an Gegenständen des Alltags und der Kindheit. Ihnen im Urlaub zu begegnen stiftet Freude bei Jung und Alt. Bei Norddeich findet sich das aus Sammelleidenschaft entstandene Museum mit Exponaten der Mobilwelt, Spielzeug, Buddelschiff und dem Leben in der ehemaligen DDR, deren zweites D auf Lügen und Überwachung gebaut war.

    Wir sprachen mit dem Besitzer Ferdinand W. Klein über seinen „Gulfhof“ …

    mehr über das Auto- und Spielzeugmuseum… hier.

  • Storytelling und Wundenlecken

    Storytelling und Wundenlecken

    „storytelling“ ist so eine modische Vokabel, hinter der immer eine Absicht steht. Eine Absicht, die immer ein Gestern hat und auf eine Zukunft verweisen soll. Storytelling kann vollkommen losgelöst von dem Ding in einen Raum der Begriffe und Wünsche, der Fiktionen weisen und uns Illusionen vermitteln wollen. Doch wir steigen niemals zweimal in den gleichen Fluss, wie uns Seneca mit Bezug auf Herklit bereits vermittelte. Das Wasser ist verflossen und wir begegnen einem neuen Fluss, der uns mit neuem Wasser die stetige Veränderung lehrt. Der alte Buchenhof in Dornum hätte so eine Perle am Küstenrand werden können jammert man diesertage in der kleinen Gemeinde, deren Bewohner zu etwa einem Drittel aus irgendwann zugereisten Bürgern besteht.

    Das „storytelling“ hat ein Gestern, als ein Erbe angenommen wurde, das eine klare innere Bestimmung mitbrachte. Eine Erbschaftannahme bedingt eigentlich rechtlich die Zustimmung der Gemeinde, was durch einen Ratsbeschluss politisch besiegelt werden muss. Von diesem Akt kann heute keiner Zeugnis geben und ein neuer Bürgermeister kann da gerne auf seinen Vorgänger verweisen.

    Mit einem Erbe und einem geschenkten Gaul pflegt man eigentlich sanft und vorsichtig umzugehen, wobei das Erstere ja im Gegensatz zum Gaul immer noch am Halfter der Testamentsvollstreckung hängt. Nun würde wohl niemand aus Klugheit sich rabiat oder missachtend gegen eine Schwiegermutter verhalten, bei altem Gemäuer kann die Klugheit wohl schon mal das Halfter schleifen lassen.

    So in Dornum geschehen. Auskünfte mussten erst mit Advokatenhilfe erstritten werden, die rechtliche Bestimmungsmitgift war nicht beachtet bis ein richterlicher Urteilsspruch dem Treiben ein Ende setzte.

    Nun begann das Wundenlecken. Ratlosigkeit und Wut suchten sich Phantasma von Schuldopfern. Fürchtet man doch den Verlust der Schenkung, die zuvor bereits in mutmaßlich krimineller Art die Begierde eines amtierenden Ratsherrn weckte. Ein Thema zu dem man zu schweigen sich gelobt hatte. Noch wartet der Clou auf die Schlagzeilen der Journaille, die auf das Startzeichen des Norder Gerichts lauert.

    Die spannende Ruhe vor neuen Entscheidungen durchbrechen die nichtgezügelten Emotionen von Bürgern, die sich um einen vermeintlichen Gewinn geprellt wähnen. Es ist eine menschliche Eigenheit das Nichtwissen mit der vermeintlichen Identifikation von Schuldopfern zu verschleiern. Auch hier wussten bereits die Alten, das „argumentum ad hominem“, also das Argument gegen den Mann, im Mittelalter sehr oft auch der Frau, ist das schlechteste und verwerflichste beim Ringen um die Wahrheit, tröstet und schützt aber vor dem schmerzlichen Eingeständnis der Erkenntnis, dass man die Wahrheit in der Tasche hatte.

    Nun kommen wir abschließend wieder zu unserem Ausgangsbild, dem sich immer verändernden Fluß, der uns mit neuem Wasser die Vergänglichkeit des Gestern konfrontiert. Vieles ist verflossen und kehrt nicht wieder. Was gestern möglich schien ist vertan.

    Wir werden Zeugen aller neuen Entwicklung und das alte Gemäuer schaut uns zu. Es wird seine Bestimmung finden und gibt aller Gedankenirrung Ruh.

    (stk.)

  • Keine Bowlingbahn, kein Café, Bürger-, Politiker und Studentenfantasien landen auf richterlichem Einspruch

    Keine Bowlingbahn, kein Café, Bürger-, Politiker und Studentenfantasien landen auf richterlichem Einspruch

    Nun liegt die Verfügung gegen die Gemeinde Dornum vor und lässt Dornums Bürgermeister in fraglichem Licht stehen. Wir haben gegen viel Widerstand, vornehmlich aus Parteikreisen, früh auf den sich abzeichnenden Konflikt hingewiesen und irregeleitete Bürger übertraten oft Konventionen, eben in Unkenntnis des wahren Sachstandes und den Bestimmungen des Testamentes über den Buchenhof. Vorweg muss leider auch angemerkt werden, dass die Testamentsvollstreckerin in der Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Pflicht von Bürgern angegriffen wurde, ja nicht einmal ihr Ehestand war vor Anpöbeleien geschützt.

    Nun das erste Ergebnis zusammengefaßt. Der Buchenhof ist für alle Zwecke außer der Wohnnutzung nicht verfügbar.

    Wenn die Gemeinde glaubt, das durch ein studentisches „Brainstorming“ mit bürgerlicher Cheerleaderfunktion bewerkstelligen zu können, steht dem bis jetzt nichts im Weg, lediglich die Strafandrohung von 250000 Euro. Sollte nämlich sich das Treffen im Vereinsheim als Propagierung einer anderen, als im Testament vorgeschriebenen Nutzung herausstellen, wird die Rechtsverfügung scharf.

    Offenbar haben das einige Internetnutzer noch nicht in voller Tragweite wahrgenommen, und für den sich bisher zögerlich verhaltenen Bürgermeister sicher auch ein Problem zu erklären, warum er (aus Sicht der Testamentsvollstreckerin) den Karren hat an die Wand fahren lassen. Die hälftigen nun die Bürger belasteten Rechtskosten hätten sicher schon nützlicher in der Erhaltung des Erbes eingesetzt werden können.

    Zur weiteren Prognose darf man fürchten, dass die Gemeinde mehr als Vertrauen in das Amtshandeln verloren hat. Noch läuft eine Strafanzeige um die bisherige Geldverwendung aufzuklären. Auch dies hätte der Bm vermeiden können. Die Testamentsvollstreckerin hatte selbst über unsere Medien ihn zur kooperativen Haltung in der Sache aufgefordert.

    Ob sich nach dem ganzen Geschehen überhaupt noch eine Zusammenarbeit ermöglichen lässt darf mit Recht bezweifelt werden. In einem unserer Beiträge hat sich die Testamentsvollstreckerin bereits zu möglichen testamentskonformen Alternativen geäußert.

    „summerschool“ wäre dann eine Erinnerungsluftblase mit Lehrwert für den mündigen Bürger.

    (stk)

  • Kunstausstellung „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ eröffnet

    Kunstausstellung „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ eröffnet

    Bürgerverein Herrlichkeit Dornum unterstützt das Projekt

    Am vergangenen Samstag fand in Dornum eine beeindruckende Eröffnungsvernissage des Kunstprojekts „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ statt. Die Veranstaltung lockte zahlreiche Besucher an, die neugierig waren, die zur Kunstgalerie verwandelten Räume des ehemaligen Kaufhauses zu erkunden und die Werke von 12 talentierten Künstlern zu bewundern.

    Die Eröffnungsrede wurde von der Projektorganisatorin Melanie Ippen, einer freischaffenden Künstlerin, gehalten. Sie betonte die Bedeutung des Projekts, das nicht nur die kreative Energie der Künstler fördert, sondern auch brachliegende Räume in der Gemeinde Dornum nutzt und somit einen Beitrag zur Belebung des historischen Dorfzentrums leistet. Ippen hob hervor, wie wichtig es ist, Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen und so den Zugang für alle Menschen zu ermöglichen.

    Nach der inspirierenden Eröffnungsrede dankte eine beteiligte Künstlerin, Andrea Schütz-Böse, dem Orga-Team. Sie bedankte sich bei allen, die an der Umsetzung des Projekts beteiligt waren, und betonte die gute Zusammenarbeit und den kreativen Austausch zwischen den Künstlern. Sie hob hervor, dass „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ eine einzigartige Gelegenheit für Künstler ist, ihre Werke einem breiten Publikum zu präsentieren und gleichzeitig auf das Thema Leerstand und auf kreative Lösungen aufmerksam zu machen.

    Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Überreichung eines Förderbetrags von tausend Euro durch den Vorsitzenden des Bürgerverein Herrlichkeit Dornum, Dr. Kurt Begitt.  Dieser Betrag soll lt. Begitt dazu beitragen, den Projektstart zu erleichtern und etwas Langfristiges daraus zu entwickeln. Der Vorsitzende würdigte die künstlerische Leistung der Teilnehmer und betonte die Bedeutung von Kunst als Motor für positive Veränderungen in der Gemeinschaft. Das gesamte Team von „Temporäre ART- Kunstvoll Leerstand besetzen“ dankte für die Unterstützung durch den Bürgerverein und wünscht sich eine gute Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein , um Kunst in Dornum dauerhaft zu etablieren.

    Mit einer musikalischen Einlage rundete der Rap-Musiker Peat Poet die Eröffnung ab.

    Die Besucher hatten die Möglichkeit, die verschiedenen leerstehenden Räume zu erkunden, die von den Künstlern in eindrucksvolle Kunstwerke verwandelt wurden. Von Malerei bis hin zu Skulpturen und Möbel gab es eine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen zu entdecken. Die Vernissage bot den Besuchern auch die Möglichkeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen und mehr über ihre Werke und Inspirationen zu erfahren.

    Die Ausstellung kann samstags in der Zeit von 10:00 bis 16:00 Uhr besucht werden, freier Eintritt. Das Orga-Team von „Temporäre ART – Kunstvoll Leerstand besetzen“ heißt jeden Interessierten willkommen. Auch können sich nach wie vor Künstler bewerben, um an zukünftigen Veranstaltungen und Workshops mitzuwirken. Sie können sich zu den genannten Öffnungszeiten melden, wie auch telefonisch unter 015735569283, oder per Mail an temporaere.art@gmail.com

    Insgesamt war die Eröffnungsvernissage von „Temporäre Art – Kunstvoll Leerstand besetzen“ ein großer Erfolg. Die hohe Besucherzahl und das positive Feedback zeigten das große Interesse an dieser außergewöhnlichen Ausstellung. Das Projekt hat nicht nur dazu beigetragen, Leerstand zu nutzen, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Kunst in der Gemeinschaft gestärkt. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftige Kunstinitiativen ähnlich erfolgreich sein werden und das kreative Potenzial von der Gemeinde gefördert wird.

    Organisatorin Melanie Ippen eröffnete die Ausstellung
    Vorsitzender des Bürgerverein Dr. Kurt Begitt überreichte Melanie Ippen die Förderbestätigung.

    (Fotos: Klaus Gabbert). Titelfoto: Die Organisatoren erhielten Blumensträuße, v. l. Jörg Schmalenbach, Susanne Kellerhofen, Melanie Ippen und Sabrina Bartsch.