Autor: Hans-Joachim Steinsiek

  • Mit der Rikscha durch Norden

    Mit der Rikscha durch Norden

    Es könnte der schönste Weg werden, Norden und das Umland zu erkunden. Norden hat nun ein umweltfreundliches Angebot mit Spaßpotential. Der 96 jährigen Kim Young aus Südkorea, der, wie sie selber sagt, ihre „Untertanen“, und verweist dabei auf ihre Gehhilfen, keinen allzu großen Radius mehr erlauben, gefällt diese Art der Nahfelderkundung. Michael Müller-Mißmahl verhalf ihr als Rikschafahrer zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem sie sicherlich auch nach Korea berichten wird.

    Wir sprachen mit Lutz Müller, dem Initiator und Vorsitzenden des neuen Vereins, der das Projekt Rikscha in Norden ins Leben rief.

  • Energieminister Christian Meyer: „Der Windkraftturbo in Niedersachsen läuft!“

    Installierte Leistung im ersten Quartal 2023 verdoppelt / Auch Zahl der neuen Genehmigungen stieg auf 57 Anlagen mit 332 Megawatt  / Schon 91,8 Prozent des in Niedersachsen 2022 verbrauchten Stroms aus Erneuerbaren Energien

    Niedersachsen ist beim dringend notwendigen Ausbau der Windkraft auf dem richtigen Weg: Nach jahrelangem Rückgang beim Bau und bei der Genehmigung von Windenergieanlagen zeigen die Maßnahmen der Landesregierung und der Kommunen für einen beschleunigten Ausbau der Windkraft erste Erfolge. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden zusätzlich 141,4 Megawatt (MW) Leistung aus neuen Windkraftanlagen installiert und ans Netz genommen – und damit doppelt so viel (+102 Prozent) wie in den ersten vier Monaten 2022. Damals wurden nur 69,6 MW ans Netz genommen.

    „Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, so Niedersachsens Energieminister Christian Meyer, „wir haben gemeinsam mit den Kommunen und der Branche erfolgreich den Turbo gezündet. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Windenergie war noch nie so hoch, wie Umfragen zeigen. Niedersachsen schreibt hier schon jetzt eine Erfolgsgeschichte.“ Im Bundesländer-Ranking der Onshore-Windenergie steht Niedersachsen auch bei der insgesamt installierten Leistung mit rund 12.100 MW unangefochten auf Platz 1. Ebenso ist Niedersachsen bei Biogas Spitzenreiter in Deutschland. „Das freut mich sehr und motiviert uns alle, jetzt nicht nachzulassen und weiter alles dafür zu tun, die Energiewende zum Erfolgspaket „made in Niedersachsen zu machen“, so Meyer.

    Knapp 20 Prozent des bundesweiten Windenergieausbaus hat vergangenes Jahr in Niedersachsen stattgefunden: Von 551 Anlagen wurden 99 in Niedersachsen errichtet. Nach 161 MW in 2020 und 421 MW in 2021 wurde mit einer zugebauten Leistung von 462 MW in 2022 damit ein neuer Höchststand erreicht. „Verschnaufpausen können wir uns aber nicht leisten“, so der Energieminister, „denn wir wollen 1,5 Gigawatt jährlich dazu bauen und damit quasi ein Windrad pro Tag, um unser Ziel von 30 Gigawatt installierter Windenergieleistung im Jahr 2035 zu erreichen.“

    Darum müssten jetzt auch zügig weitere Anlagen genehmigt und gebaut werden, so Meyer. Mit der Taskforce Energiewende arbeitet Niedersachsen daran, die Genehmigungsverfahren und die Zeit bis zum Start der Verfahren weiter zu verkürzen. „Aktuell arbeiten die verschiedenen Projektgruppen, Ende des Monats wird es dann ein erstes Treffen aller Beteiligten im Plenum geben. Dann schauen wir auf erste Ergebnisse und Vorschläge, wie Prozesse vereinfacht, vereinheitlicht und digitalisiert werden können.“

    Aktuell sind in Niedersachsen weitere 377 Anlagen mit einer Leistung von rund 1.867 MW genehmigt, mehr als in allen anderen Bundesländern. „198 Anlagen wurden allein im vergangenen Jahr genehmigt mit 1.016 MW, das war bundesweiter Rekord“, so Meyer. Im ersten Quartal 2023 wurden schon weitere 57 Anlagen mit 332 MW genehmigt. „Auch hier sind wir also auf dem richtigen Weg. Mit bisher rund 6.200 Windkraft-Anlagen ist Niedersachsen schon jetzt Windenergieland Nr. 1 in Deutschland“, sagt der Minister.

    Wie wichtig der Ausbau der Windenergie und der Erneuerbaren Energien insgesamt ist, um 2040 klimaneutral zu sein und damit schon fünf Jahre früher als der Bund, zeigt der Energiewendebericht 2022 für Niedersachsen, der in Kürze veröffentlicht wird. Demnach lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Niedersachsen bei 91,8 Prozent, bundesweit waren es 46,2 Prozent. Gleichzeitig sank die Stromproduktion in Niedersachsen aus Gas und auch aus Kohle. „2022 konnten wir die energiebedingten CO2-Emissionen durch Einsparungen und Erneuerbare daher deutlich senken, obwohl wir das russische Gas ersetzen und einsparen mussten. Niedersachsen wird den Ausstieg aus den fossilen Energien mit Hochdruck vorantreiben und ist nicht nur bei den Erneuerbaren, sondern auch bei deren Speicherung und dem Hochlaufen einer grünen Wasserstoffwirtschaft vorn“, so der Energieminister.

    Mit zusätzlichem Personal für die Taskforce Energiewende und die Servicestelle Erneuerbare Energien werde Niedersachsen die Planungsträger und die Genehmigungsbehörden tatkräftig unterstützen. Allein durch den Nachtragshaushalt für 2023 genehmigte der Landtag acht zusätzliche Stellen für die Task Force Energiewende und die Planungsbeschleunigung.

    (ü. Pm. )

  • Handel in Batavia – Teekultur aus fernem Lande

    Handel in Batavia – Teekultur aus fernem Lande

    Handel in Batavia – Teekultur aus fernem Lande heißt die neue Sonderausstellung, die am vergangenen Freitag im Ostfriesischen Teemuseum Norden, Am Markt 36, eröffnet wurde. Die neue Ausstellung beleuchtet das im 17. und 18. Jahrhundert entstandene globale maritime Handelssystem. Lukrative Geschäfte mit exotischen Gütern lockten die Europäer in dieser Zeit nach Asien. Vor allem Gewürze, Porzellan und Seide waren begehrt. 1602 schlossen sich mehrere niederländische Handelskompanien zu der mächtigen Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) zusammen. Sie war die erste Aktiengesellschaft der Welt und brach das portugiesische Handelsmonopol in Asien. 1619 wurde Batavia, das heutige Jakarta in Indonesien, gegründet und zum Handelszentrum Niederländisch-Ostindiens. Die Stadt wurde in Europa zum Sinnbild für das faszinierende Fremde und versprach schnellen Reichtum und Abenteuer. Die VOC schickte innerhalb von 200 Jahren etwa eine Million Männer nach Ostindien. Ein gewaltiges Heer an Matrosen, Soldaten, Händlern, Schreibern, Ärzten und Handwerkern, das sie nicht allein durch Landsleute stellen konnten. Das meiste Personal akquirierte sie in Deutschland, vor allem unter den Ostfriesen mit Seeerfahrung.

    Im weit entfernten Batavia kamen die Europäer sehr schnell mit Tee in Berührung und erkannten bald die wohltuende und gesundheitsfördernde Wirkung des Getränks. Um 1606 sandte man die ersten Kisten japanischen Grüntees in die Heimat. Ab 1610 wurde regelmäßig chinesischer Tee aus Fujian importiert. Anfangs wurde er in Apotheken als Medizin verkauft. Er blieb jedoch lange ein Luxusgetränk der Oberschicht. Durch die engen wirtschaftlichen und familiären Beziehungen zu Ostfriesland wurde der Tee im 19. Jahrhundert auch bei uns zum Volksgetränk.

    Die Besucher erfahren vom kolonialen Leben in den Tropen, den Begegnungen der Niederländer mit der chinesischen Diaspora Südostasiens sowie mit der geheimnisvollen javanischen Kultur und deren traditionellen Künsten und Bräuchen.

    Gefördert wurde die Ausstellung durch die Sparkassenstiftung Aurich Norden, die Regionale Kulturförderung der Ostfriesischen Landschaft, die Bürgerstiftung Norden, den Freundeskreis sowie den Förderkreis des Museums.

    Zur Sonderausstellung im Ostfriesischen Teemuseum wird der Workshop „MitMachWerkstatt –Schätze an Bord“ für Kinder und Jugendliche angeboten. Hierin geht es um die Seefahrer und Händler, die im 18. Jahrhundert in das weit entfernte Batavia reisten, um dort Handel zu treiben. An Bord hatten sie wertvolle Waren wie Tee, Porzellan oder Gewürze. In einem interaktiven Rundgang durch die Ausstellung erfahren die Kinder, wie lang eine Schiffsreise von Westeuropa nach Batavia dauerte, welche Gefahren auf die Seeleute warteten und wie es ihnen auf den Schiffen ergangen ist. Im Anschluss gestaltet jedes Kind eine eigene Schatzkiste. Geeignet ist der 90-minütige Workshop für Kinder von sechs bis zwölf Jahren und kostet 8 € inklusive Eintritt pro Person. Erwachsene haben die Möglichkeit an der 60-minütigen Führung „Kostbarkeiten aus Fernost“ teilzunehmen. Hier wird den Fragen nachgegangen, welche Handelsgüter im 18. Jahrhundert in Europa beliebt waren und wer die lukrativen Geschäfte abwickelte. Kosten 4 € zzgl. Eintritt pro Person. Für Freunde des Tees wird zudem eine Verkostung chinesischer und japanischer Tees angeboten. Reiseberichte europäischer Händler und Seefahrer weisen darauf hin, dass sie in Batavia mit der asiatischen Teekultur in Kontakt kamen, wo sie die jahrhundertealten Teetraditionen aus China und Japan kennenlernten. Da die Teilnehmerzahl für alle Angebote begrenzt ist, wird eine Anmeldung empfohlen. Die Termine sind auf der Homepage des Museums unter https://teemuseum.de/veranstaltungen zu finden.

    Ein Katalog zur Ausstellung ist für 19,80 € im Museumsshop erhältlich.

    Die Sonderausstellung „Handel in Batavia – Teekultur aus fernem Lande“ ist bis zum 31. Oktober im Ostfriesischen Teemuseum zu sehen. Das Museum ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

    (üPm)

  • „Kunst ist Leben und Leben ist Kunst“

    „Kunst ist Leben und Leben ist Kunst“

    Konrad Johann Onnen, 3. Beitrag

    Der Künstler, Literat und Landwirt Konrad Johann Onnen, hier der Hintergrund seines Schaffens

    Wir sprachen mit der langjährigen Begleiterin Frau Ingrid Backenhaus..

    Frau Backenhaus, wir hatten ja schon einmal angerissen, wie Sie zu Herrn Konrad Onnen gestanden haben und warum Sie in die zukünftige Verwendung des Buchenhofes involviert sind. Heute würde ich gerne wissen, wie es zu seiner künstlerischenTätigkeit kam und wo die Ursprünge lagen.

    „Da müsste ich jetzt weiter ausholen und in die Vergangenheit gehen. Die Ursprünge sind bei seinem Vater zu sehen.“

    Können Sie uns dies näher schildern und eventuell auch etwas über seine Eltern dazu sagen?

    „Ich kann hier nur auf Grund von Erzählungen, schriftlichen Unterlagen und zugänglichen Informationen ein Bild wiedergeben. Sein Vater, Herr Johann Hillerns Onnen war weit über Wittmund hinaus ein geachteter und anerkannter Mann. Er war vom Ursprung Landwirt. Noch heute kann man in etwa die Gebäude sehen. Diese liegen in Wittmund. Heute ist in einem der Gebäude die Finkenburg Apotheke.“

    Das sein Vater ein geachteter Mann und Landwirt war, kann doch nicht der alleinige Hintergrund sein?

    “ Das ist richtig. Sein Vater war tief mit Ostfriesland und seiner Geschichte verwurzelt. Schon früh fing er an alles an alten Aufzeichnungen, Briefen und Dokumenten zu sammeln. Diese stammten zum Teil von alten, aufgegebenen Höfen, oder wurden ihm zugetragen bzw aus seiner forschenden Tätigkeit als anerkannter Heimatforscher und Volkskundler.“

    Um was für Unterlagen handelte es sich?

    „Persönliche Schreiben, herzogliche und kaiserliche Erlasse, Urkunden, geschichtliche Schreiben über wirtschaftliche, kulturelle und soziale Zusammenhänge in Ostfriesland und und und. Die Unterlagen umfassten einen Zeitraum von1624 bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Die ganzen Unterlagen wurden zur Sicherung und Forschung von mir der Ostfriesischen Landschaft für das Staatsarchiv übergeben.“

    Da kann die Öffentlichkeit Ihnen nur dankbar sein, dass Sie so wichtige Unterlagen nach dem Versterben von Herrn Onnen gesichert und an die richtige Stelle weitergegeben haben.

    „Danke, es war für mich eine Verpflichtung und Herzensangelegenheit. Aber neben der Forschung zur Heimat war der Vater von Konrad Onnen auch Stadtrat, Lehrer und nicht zu letzt Deich- und Sielrichter. Aus der Ernsthaftigkeit dieses Amtes rührt das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmedaillie des Landes Niedersachsen. Im künstlerischen unterhielt er zahlreiche Kontakte und Freundschaften zu einer Vielzahl von Künstlern. Sein Schaffen beruhte aus einem Zusammenfluss aus Heimatverbundenheit, Kultur und Kunst.“

    „Dies fand Ausdruck in dem Schreiben von Büchern und Abhandlungen für verschiedene Publikationen, sowie auch im Schaffen von Modellen landwirtschaftlicher Geräte aus Holz in maßstab- und detailgetreuer Ausführung.“

    „Hier sind die Ursprünge für das spätere künstlerische Schaffen und Interesse von Konrad Onnen zu sehen. Konrad Onnen verfügte über eine große Sammlung von kunsthistorischen Büchern. Ebenso über Bücher aus allen Wissenschaftsbereichen. Bücher welche zurückreichten bis ins 15. Jahrhundert. Diese Bücher gingen an die Ostfriesische Landschaft, an Museen und ausgewählte Privatpersonen.“

    „Wie prägend das Elternhaus war, zeigt sich auch am Lebensweg seines Bruders Prof. Dr. Onno Onnen in Karlsruhe. Dieser war in den Bereichen Ingenieurswesen, Robotik, Kultur und Medien (Zentrum für Kultur und Medien) involviert. Im Zusammenhang mit dem ZKM Karlsruhe sprach er einen Satz, welcher sich ohne Abstriche auf die Umnutzung des Buchenhofes übertragen lässt:

    Zitat: »Aus der Historie können wir ein Konzept nicht nehmen – das würde allenfalls der Vergangenheit gerecht. Es liegt eine Aufgabe vor uns, die mit künstlerischem und philosophischen Weitblick bewältigt werden muss.«

    Sie sagten, sein Vater habe das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenmedaille des Landes Niedersachsen verliehen bekommen. Könnten Sie uns noch sagen wofür diese Ehrungen, welche ja schon bedeutend sind, waren?

    „Für seinen Dienst für die Menschen an der Küste und für seine Heimatstadt wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Ehrenmedaille des Landes Niedersachsen erhielt Onno Hillerns Onnen für seinen persönlichen Einsatz bei der großen Flutkatastrophe.“

    „Interessant ist das Zusammenspiel zwischen Herrn Johann Hillerns Onnen als Vater und seinen beiden Söhnen Onno und Konrad Johann Onnen. Besonders wenn man sich den hier geschilderten Werdegang der beiden Brüder ansieht.“

    „Auch wenn Herr Konrad Onnen als Zweitgeborener nicht studieren durfte, sondern auf dem elterlichen Hof in Wittmund verblieb, erkennt man ähnliche Wesenszüge und trotz der Unterschiede ähnliche Lebenswege, die ihre Wurzeln beim Vater hatten und sich aber doch immer wieder in der Art des Lebensweges überschnitten.“

    „Fast möchte man sagen, hier war eine lenkende Hand im Spiel.“

    „Wenn man sich mit den Personen Johann Hillerns und Onno Onnen etwas näher beschäftigt wäre ihr Leben mit den vielen Ereignissen schon fast eine eigene Lesereihe wert.“

    „Aber dies hieße Eulen nach Athen tragen, über beide Personen sind umfängliche Berichte im Internet und bei diversen Institutionen zu finden.“

    „Man muss sich nur die Zeit des Forschens nehmen.“

    Frau Backenhaus, herzlichen Dank für Ihre Informationen rund um Konrad Onnen und seiner Familie. Ihre Ausführungen haben dankenswerter Weise einen weiteren Einblick in das Leben und die persönliche Wesenshaltung von Herrn Konrad Johann Onnen gegeben. Trotz aller Verbundenheit zu dem Verstorbenen finde ich Ihren persönlichen Einsatz in der heutigen Zeit als bemerkenswert. Gerne werden wir diese Reihe, auch in Hinblick auf die Zukunft des „Buchenhofes“, mit Ihnen weiterführen.

    Das Gespräch entstand am 12. Mai 2023 zwischen Frau Ingrid Backenhaus und Hans-Joachim Steinsiek, fresenspegel.de

    -alle Bilder in Privatbesitz. Z. T. von Gästen des Buchenhofs

    Bisher erschienen:

  • Ich begleitete und stützte Konrad Johann  Onnen

    Ich begleitete und stützte Konrad Johann Onnen

    Ingrid Backenhaus aus Dornum schätzt es als Glück einem ungewöhnlichen Menschen begegnet zu sein. Konrad Johann Onnen lebte seine künstlerische Vision auf dem ererbten „Buchenhof“ in Dornum und schenkte seinen Hof der Dornumer Bürgerschaft. Niemand kann so gut über das Wesen dieses Menschen berichten wie Ingrid Backenhaus, die ihn kannte, begleitete und letztlich betreute.

    Wir sprachen mit Frau Backenhaus…

    Frau Backenhaus, in welchem Verhältnis standen Sie zu Herrn Konrad Onnen?

    „Herrn Onnen kannte ich von Kind auf. Als Kind bin ich im Winter auf der Graft Schlittschuh gelaufen.

    Mit den Jahren hat sich daraus ein privates Verhältnis und eine Freundschaft aufgebaut.“  

    Was war Herr Onnen für ein Mensch?

    „Er war vom Wesen her ein sehr intelligenter, zurückhaltender und ruhiger Mensch.

    Er lebte zwar in seiner Abgeschiedenheit auf dem Hof, was aber nicht bedeutete, dass er weltfremd war. Die Tageszeitung und Zeitschriften wie der Spiegel waren seine täglichen Begleiter. Ebenso informative Sendungen im Fernsehen und seine Fachbücher aus allen Bereichen.“

    Wie kam das Vertrauen zu Ihnen zustande und wie zeigte sich dieses?

    „Vor gut 20 Jahren, wurde das persönliche Verhältnis und Vertrauen zu meiner Person so eng, dass er mich immer mehr in sein Leben, seine Ansichten einbezog. Erst da lernte ich mit der Zeit das Wesen von ihm wirklich kennen. „

    Wie drückte sich die Vertrautheit aus?

    „Nicht nur, dass ich diverse Erledigungen für Ihn machte, mit ihm zum Arzt fuhr und anderes, sondern er fragte mich auch in allen Angelegenheiten des Lebens um meinen Rat“

    Was war im Leben von Herrn Onnen für Ihn von Bedeutung?

    „Seine Kunst und dass er in Ruhe auf seinem geliebten Buchenhof leben konnte. Dies zeigen auch anschauliche Fotos von seinen Werken.“

    Aus welchen Gründen hat Herr Onnen seinen Hof und die Ländereien der Gemeinde, in Vertretung der Einwohner von Dornum vererbt?

    „Da Herr Onnen keine direkten Nachfahren hatte und seine Nichte und seine Großnichte sowohl in den USA wie auch in Deutschland lebten, entschied Herr Onnen hier die Einwohner als Erben einzusetzen. Dies geschah auch um seinen Buchenhof für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sein Wunsch ist es immer gewesen, den Hof für Kunst und Kultur zu nutzen. Dies hat er so auch gegenüber Anderen so immer geäußert.“

    Wie sind Sie jetzt in die Verwendung des Nachlasses involviert?

    „Herr Onnen bat mich auf seinen Hof und seine Ländereien acht zu geben. Aus diesem Grund setzte er mich als unentgeltliche  Testamentsvollstreckerin ein und erteilte mir eine transmortale Vollmacht“ 

    Inwieweit kommen Sie diesen Wünschen des Herrn Onnen nach?

    „Bereits kurz nach seinem Tod musste ich mich mit einer anonym aufgetauchten Fälschung eines Testamentes, welches angeblich von Herrn Onnen war, auseinander setzen. Von der Strafanzeige gegen Unbekannt und fast zwei Jahre lang mit Schreiben und Stellungnahmen, bis dann endgültig die Gemeinde Dornum ins Erbe gesetzt wurde. Auch weiterhin werde ich alles dafür tun und ein Auge drauf haben, dass mit dem Buchenhof in seinem Sinne verfahren wird.“

    Frau Backenhaus, wie stehen Sie zu der Aktion Summerschool der Uni, der Hochschule und dem Verein Ostfriesland genießt und Meer mit der Gemeinde Dornum?

    „Dem Grundgedanken, Studenten Praxisorientierung mit dem Projekt zu bieten und daraus Schlüsse für die Zukunft des Buchenhofes zu ziehen, stehe ich positiv gegenüber. Was mich nur mit einem gewissen Maß mit Skepsis erfüllt ist das unbestimmte Gefühl, dass hier bereits im Vorfeld Entscheidungen für eine eigene Selbstdarstellung getroffen werden. Das hier die Wünsche von Herrn Onnen und relevante Vorschläge von Bürgern und anderen Interessierten in den Hintergrund geschoben werden.“

    Frau Backenhaus ich bedanke mich für das Interview 

    Frau Ingrid Backenhaus im Gespräch am 11. 5. 2023 mit Hans-Joachim Steinsiek, Red. Fresenspegel.

    Foto: Privateigentum Ingrid Backenhaus.

  • Konrad Johann Onnen, ein Lebenswerk für Dornums Bürger

    Konrad Johann Onnen, ein Lebenswerk für Dornums Bürger

    Wenn eine Gemeinde sich glücklich schätzen darf, so sollte man das für Dornum annehmen dürfen. Nicht allzu häufig geht eine Schenkung per Testament über einen Hof und die dazugehörigen Ländereien in die Hände der Allgemeinheit. Konrad Johann Onnen heißt der Gönner, der den Dornumer Buchenhof, mehr als ein übliche landwirtschaftliche Anlage im herkömmlichen Sinn, mit Auflagen der Gemeinde hinterließ. Onnen wollte etwas für die Bürger schaffen. Grund genug, den Dornumer Bürgern diesen Menschen mit außergewöhnlichen Interessen und Begabungen näher vorzustellen. Glücklicherweise sind Quellen und Wegbegleiter von Konrad Johann Onnen vorhanden, die Auskunft und Zeugnis seines Wirkens und Wollens geben können. Wir werden in einer Folge von Beiträgen über Onnen und den Buchenhof berichten und auch Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Viele Bürger haben von dem neuen Gemeindeerbe erst erfahren, als Meldungen über den Versuch des Nachlassdiebstahls durch Testamentsfälschung bekannt wurden. Dass es keine Unwahrheit oder gar Mutmaßung sein konnte wusste das Rathaus spätestens als in Aurich die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Ratsherr der Gemeinde erhob. Hierzu will die Gemeinde bis heute keine Stellung beziehen, sodass sich der Eindruck aufdrängt, man sei bestrebt die öffentliche Aufmerksamkeit zu dämpfen. Ein wohl wenig aussichtsreiches Unterfangen angesichts der medialen Öffentlichkeit bei Eröffnung eines zu erwartenden Prozesses. Immerhin wären die Bürger im Falle eines Gelingens um das ihr zugedachte Erbe bestohlen worden. Über den Verlauf des Strafverfahrens wird also weiter zu berichten sein und sich nicht am politischen Wollen des Rathauses ausrichten. Hier und in den weiteren Folgen wollen wir uns ganz der Person Konrad Johann Onnen zuwenden.

    Ein Nachruf bietet eine Wesensbeschreibung eines Menschen, der in seiner künstlerischen Entfaltung seine Aufgabe fand und der Nachwelt einen Einblick in sein Schaffen ermöglicht.

    Konrad Johann Onnen

    Dein Leben war bestimmt durch

    Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Einfachheit und Freiheit

    Du bist wie die starke Wurzel einer großen Buche

    gewesen. Hast dort gestanden und bist geblieben,

    wo das Leben dich hin gestellt hat.“

    Die Eckdaten seines Lebens lassen sich beschreiben:

    1960  sein erstes Jahr auf dem Buchenhof

    1961 Land hergerichtet

    1962 Kauf eines Mähdreschers

    1963 Landkauf, Jungvieh abgeschafft, Milchkühe gekauft

    1968 neue Fenster im Hofgebäude

    1969 Hinterküche zur Ferienwohnung ausgebaut

    1970 Beginn Ferienvermietung

    1972 Gartenhaus (Nebengrundstück) gebaut

    1978 erste Versuche mit Windkraftanlage

    1979 1. große Windkraftanlage, 1-Flügler, gebaut

    Leistung 5m/s = 30 W, 6m/s = 52 W, 7m/s = 82 W,

    10m/s = 240 W

    1980 neue Windkraftanlage 2-Flüger gebaut,

    neues Dach auf Scheune

    kleine Stube und Küche ausgebaut

    1981 Tennisplatz hinter Scheune/Stall gebaut

    1984 Balustrade seitlich am Haus zum Hauseingang gebaut

    1985 Versuche mit 3-flügliger Windkraftanlage und Drehkupplung

    1986 4 Amphoren für Einfahrt gefertigt

    1987 Ballettänzerin gefertigt und aufgestellt

    5-flüglige Windkraftanlage gebaut und aufgestellt

    Aufgabe der Landwirtschaft, Land verpachtet

    1989 Vasen mit Sockel am Gartenhaus aufgestellt

    1990 Sitzende hinten im Garten gefertigt

    1991 ein großer Löwe am Hof aufgestellt

    1992 einen zweiten großen Löwen am Hof aufgestellt

    Sähmann am Eingang zum Land aufgestellt

    1994 Stube renoviert

    1995 4 Tierköpfe gefertigt

    Gruft ausgebaggert

    1996 große Brücke an der Straße aufgestellt

    1997 2 Geparden gefertigt

    1998 2 große stehende Löwen gefertigt

    2. Brücke aufgestellt

    1999Bullen und Lesende gefertigt

    kleine Brücke aufgestellt

    2000 Stehende gefertigt

    Küche und Bad gebaut

    2001 Fensterläden gebaut

    Werkstatt Kellerstube gemacht

    2002 5 Köpfe über Fenster am Gartenhaus gefertigt

    viele Bäume und Büsche am Hof und Gartenhaus gepflanzt

    Tennisplatz bepflanzt

    2003 Köpfe über Fenster am Hof gefertigt

    2004 die letzten Köpfe am Giebel gefertigt

    Hauswappen über Eingang vom Hof gefertigt

    Onnens Lebenswerk deutet auf einen Menschen, der künstlerische Herausforderungen annahm und von der Klassik, der er bei einer Radreise in Italien begegnete, fasziniert war.

    Im nächsten Beitrag wollen wir im Gespräch mit einer Person aus seinem Umfeld mehr über diesen Menschen und sein Anliegen berichten lassen.

    (Fotos: alle geschützt, Red. und Privatbesitz)

    Die historischen Fotos aus Privatbesitz sind in diesem Artikel nicht alle in der richtigen Zeitfolge wiedergegeben.

    teilen dieses und der nachfolgenden Artikel bei Quellenangabe, fresenspegel.de und facebook Gruppe Dornumer Nachrichten erlaubt.

  • Neugestaltung des Buchenhof in Westeraccum

    Neugestaltung des Buchenhof in Westeraccum

    Ein Hof in Ostfriesland, unweit der Küsten wird durch seinen Besitzer zu Lebzeiten an die Gemeinde mit Auflagen vermacht. Der Erblasser verstirbt. Dann taucht ein handschriftlich gefertigtes Testament auf. Die Staatsanwaltschaft wird nach einer Anzeige eingeschaltet und erhebt Anklage. Der Vorwurf, das Testament gilt nach einer graphologischen Untersuchung als gefälscht und der beschuldigte Täter erweist sich als gut integriertes Mitglied der Dorfgemeinschaft und sitzt in vielfachen Ämtern im politischen Raum… Ostfriesenkrimi? nö, eine Geschichte, die das Leben schreibt und bald vor dem Strafgericht verhandelt werden muss. Immerhin wäre das der Gemeinde zugedachte Erbe auf diesem Weg gestohlen worden. Die Gemeindevertreter und die Politik geben sich recht teilnahmslos. „Die Sache geht uns nichts an…“ Man hat sich auf das Erbe eingestellt und da es dem Verblichenen ein Hauptanliegen war, den Bürgern der Region etwas anzubieten, nahm man Kontakt zu zwei Hochschulen auf. Mit Erfolg, am Freitag den 5. Mai 2023 traf man sich mit zwei Lehrbeauftragten und einer Gruppe Studenten vor Ort mit dem Ziel Entwürfe für die zukünftige Nutzung zu erstellen. Unter der Bezeichnung „Summerschool Buchenhof“ startet das Gemeinschaftsprojekt von der Gemeinde Dornum, dem Ostfriesland schmeckt nach Meer e.V., der Universität Vechta und der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen.

    Nun steht man vor der Herausforderung den Willen der Bürger zu erforschen und zur Grundlage der Gestaltungsvorschläge zu machen. Wir sprachen in diesem Kontext mit dem begleitenden apl. Professor Dr. Karl Martin Born von der Universität Vechta:

    Prof. Dr. Karl Martin Born am 5. 5. 2023 im Gespräch mit Hans-Joachim Steinsiek zur Methodik des „summerschool“ Projektes

    Konrad Onnen, der seinen jetzt der Öffentlichkeit vermachten Hof künstlerisch ausgestaltete, war eine vielseitige Persönlichkeit, über die hier weiter zu berichten sein wird.

  • Mehr Verkehrsunfälle und Schwerverletzte – Unfallzahlen mit Radfahrenden weiter gestiegen


    Aurich/Wittmund (ots) – Polizeiliche Verkehrsunfallstatistik 2022 der Polizeiinspektion Aurich / Wittmund

    Mehr Verkehrsunfälle und Schwerverletzte – Unfallzahlen mit Radfahrenden weiter gestiegen

    Kernpunkte der Verkehrsunfallstatistik 2022

    – Anzahl der Verkehrsunfälle (5.003) leicht gestiegen (+4,36%)
    – Mehr Schwerverletzte (201) als im Vorjahr (+28 %)
    – Kinder vergleichsweise sicher in den Landkreisen unterwegs
    – Pedelecs: Mehr Verkehrsunfälle (+ 38,3 %) und Verletzte (+36,1 %)
    – Anstieg der Verkehrsunfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss
    (+18,75 %)
    – Mehr Wildunfälle (857) in den Landkreisen Aurich und Wittmund
    (2021: 782)
    – Fehlender Sicherheitsabstand weiterhin Hauptunfallursache

    Insgesamt 5.003 Verkehrsunfälle sind im Jahr 2022 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund polizeilich erfasst worden. Das waren 209 mehr Unfälle als im Vorjahr und entspricht einem Anstieg um 4,36 Prozent.

    ImLandkreis Aurich haben sich 2022 insgesamt 3.553 Verkehrsunfälle und damit 151 mehr als im Vorjahr ereignet, im Landkreis Wittmund kam es 2022 mit 1.450
    Unfällen zu 58 mehr als im Vorjahr.

    Laut Verkehrsunfallstatistik sind in den Landkreisen Aurich und Wittmund im Jahr 2022 insgesamt 1.399 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt worden. Darüber hinaus kamen zehn Menschen im Straßenverkehr ums Leben.

    „Wir sind mit den Unfallzahlen inzwischen wieder auf dem Niveau der Jahre vor der Pandemie angekommen. Das liegt natürlich auch daran, dass das Verkehrsaufkommen mit dem Wegfall vieler Maßnahmen wieder deutlich zugelegt
    hat“, sagt Polizeidirektor Stephan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. „Aber: Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Wir sollten nie
    vergessen: Hinter jedem tödlichen Verkehrsunfall verbirgt sich ein verlorenes Menschenleben mit Angehörigen und Hinterbliebenen. Und auch an den Einsatzkräften gehen diese Verkehrsunfälle nie spurlos vorbei.“

    Die Zahl der Schwerverletzten hat im Vergleich zum Vorjahr erneut zugenommen und stieg von 157 auf 201 an. Das entspricht einer Zunahme um 28 Prozent. Im
    Landkreis Aurich wurden bei Verkehrsunfällen im Jahr 2022 insgesamt 149 Menschen schwer verletzt – 2021 waren es 105. Im Landkreis Wittmund lag die Zahl der
    Schwerverletzten wie im Jahr zuvor bei 52. Im Jahr 2022 verzeichnete die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund bei Verkehrsunfällen insgesamt 1.198 Leichtverletzte. Im Vorjahr waren es mit 1.116 Leichtverletzten etwas weniger.

    – Unfallursachen –

    Die Hauptunfallursache für Verkehrsunfälle war 2022 der fehlende Sicherheitsabstand (320 Unfälle), gefolgt von Vorfahrtsmissachtung (262 Unfälle)
    und Fehlern beim Abbiegen (257 Unfälle). Zu hohe Geschwindigkeit (200 Unfälle) und die Beeinflussung durch Alkohol, Drogen oder Medikamente (138 Unfälle) waren
    weitere Hauptunfallursachen. Eine Verschiebung der Hauptunfallursachen ist im Vergleich zu den Vorjahren nicht erkennbar.

    – Fahrtüchtigkeit von Verkehrsteilnehmenden –

    Die Verkehrsunfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss haben im Jahr 2022 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund zugenommen.
    Insgesamt kam es zu 133 Unfällen, bei denen Beteiligte unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen standen. Den höchsten Alkoholwert bei einem Verkehrsunfall
    stellten Einsatzkräfte im vergangenen Jahr bei einer 53 Jahre alten Autofahrerin fest. Sie hatte einen Atemalkoholwert von 3,26 Promille. Die Zahl der polizeilich festgestellten Alkohol- und Drogenfahrten im Bereich der
    Polizeiinspektion Aurich/Wittmund blieb auch 2022 auf einem hohen Niveau. Im Rahmen von Verkehrskontrollen hielten die Beamten 201 Verkehrsteilnehmende an,
    die unter Drogeneinfluss standen. Zudem stoppten sie 208 Verkehrsteilnehmende unter Alkoholeinfluss. Bei einer Verkehrskontrolle im Jahr 2022 stellten die
    Beamten bei einem 31 Jahre alten Mann auf einem Motorroller einen Atemalkoholwert von 3,76 Promille fest.

    – Risikogruppen –

    Innerhalb der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen, den sogenannten Fahranfängern, wurden im Jahr 2022 infolge eines Verkehrsunfalles zwei Personen
    tödlich verletzt. 2021 war es eine. Die Zahl der Schwerverletzten blieb in der Altersgruppe im Vergleich zum Vorjahr gleich, bei 24. Eine Risikogruppe bleibt
    die Altersgruppe der Über-65-Jährigen. 2022 verstarben bei Verkehrsunfällen sechs Menschen, die dieser Altersgruppe zugeordnet werden. Drei von ihnen waren älter als 75 Jahre.

    In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen ist die Zahl der Schwerverletzten im Vergleich zu 2021 gestiegen, von 23 auf 36. Bei Verkehrsunfällen wurden auch drei Kinder unter 14 Jahren schwer verletzt. Erfreulicherweise kam 2022 in den
    Landkreisen Aurich und Wittmund kein Kind im Straßenverkehr ums Leben.

    – Verkehrsunfälle mit Fahrrad- und Pedelec-Fahrenden –

    Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrenden hat 2022 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Es kam insgesamt zu 573 Unfällen mit Radfahrenden, das
    waren 97 mehr als 2021. Verletzt wurden 467 Radfahrende, 81 von ihnen schwer.

    Bei 195 der 573 Verkehrsunfälle waren die beteiligten Radfahrenden mit einem Pedelec unterwegs. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent. 2021 lag der
    Pedelec-Anteil bei Unfällen mit Radfahrenden noch bei 29,6 Prozent (476 Unfälle mit beteiligten Radfahrenden, davon 141 mit Pedelec).

    „Dass es mehr Verkehrsunfälle mit Pedelecs gibt, ist keine Überraschung, denn:
    Es sind immer mehr Menschen damit auf den Straßen unterwegs“, sagt Uwe Eilts.
    „Die Verkaufszahlen steigen seit Jahren und der Marktanteil liegt laut Branchenverbänden inzwischen bei fast 50 Prozent. Gerade bei uns in Ostfriesland, einer vom Tourismus geprägten Region mit vielen schönen
    Radfahrstrecken ist die Zahl der Fahrradfahrenden entsprechend groß und die Zahl der Pedelec-Fahrenden hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen.“

    Bei der Zahl der verletzten Pedelec-Fahrenden ist seit Jahren ein kontinuierlicher Anstieg festzustellen. 2022 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr erneut an, von 122 auf 166. Insgesamt 41 Pedelec-Fahrende verletzten
    sich 2022 bei Verkehrsunfällen sogar schwer. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt – 2021 lag sie bei 19.

    „Die hohen Geschwindigkeiten, die mit einem Pedelec möglich sind, haben leider nicht nur Vorteile. Bei einem Unfall ist das Verletzungsrisiko für den Radfahrer
    deutlich höher“, sagt Sonja Boje, Leiterin Einsatz bei der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. „Darüber hinaus werden Pedelec-Fahrer auch häufig von anderen
    Verkehrsteilnehmenden übersehen, weil ihre Geschwindigkeiten nicht so gut eingeschätzt werden können. Gegenseitig Rücksicht zu nehmen im Straßenverkehr und aufeinander zu achten, das wird immer wichtiger. Da sollte und kann jeder und jede Einzelne etwas für tun, um zu mehr Verkehrssicherheit beizutragen.“

    – Motorräder –

    Auch Verkehrsunfälle mit motorisierten Zweirädern hat es im Jahr 2022 im Inspektionsbereich gegeben. Insgesamt 184 Unfälle waren hier zu verzeichnen, davon 71 mit Motorrädern und 113 mit kleineren motorisierten Zweirädern wie Mofas, Mopeds, Mokicks oder Kleinkrafträdern. 37 Menschen, die mit motorisierten
    Zweirädern unterwegs waren, wurden 2022 bei Unfällen schwer verletzt und vier Menschen kamen sogar ums Leben.

    – E-Scooter –

    Die Zahl der Verkehrsunfälle mit E-Scootern ist 2022 erneut gestiegen, bewegt sich in den Landkreisen Aurich und Wittmund aber mit 15 Unfällen weiterhin auf
    einem sehr niedrigen Niveau. Im Vorjahr waren es 7 Unfälle. Insgesamt wurden 13 E-Scooter-Fahrer im Jahr 2022 verletzt, einer von ihnen schwer. Zum Vergleich:
    2021 waren es sechs Verletzte, davon zwei mit schweren Verletzungen. „E-Scooter sind auch in unseren Landkreisen inzwischen vereinzelt im Straßenverkehr
    anzutreffen, spielen aber immer noch eine untergeordnete Rolle“, sagt Uwe Eilts.
    „Was wir in dem Zusammenhang leider häufig feststellen, sind Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Wer einen E-Scooter ohne die erforderliche Versicherung im Straßenverkehr fährt, begeht eine Straftat. Da gibt es immer noch viel Aufklärungsbedarf, vor allem bei Eltern und Jugendlichen.“

    – Baumunfälle –

    Die Zahl der Baumunfälle blieb nahezu gleich. 2022 kollidierten 104 Verkehrsteilnehmer mit einem Baum. 2021 waren es 102.

    – Wildunfälle –

    Die Zahl der Wildunfälle ist 2022 in den Landkreisen Aurich und Wittmund wieder angestiegen und lag bei 857 Unfällen, davon 531 im Landkreis Aurich und 326 im
    Landkreis Wittmund. Insgesamt fielen die Wildunfallzahlen niedriger aus als 2019, dem Jahr vor der Pandemie. Im Landkreis Aurich kam bei einem Wildunfall im
    Jahr 2022 ein Verkehrsteilnehmer ums Leben. Der Fahrer eines Leichtkraftrads kollidierte mit einem Damhirsch und wurde hierbei tödlich verletzt.

    – Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei –

    Bei der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit stand im Jahr 2022 als Schwerpunktthema die Fahrtüchtigkeit im Fokus. In den Landkreisen Aurich und
    Wittmund fanden verstärkt Verkehrskontrollen und Aktionen hinsichtlich der Beeinflussung von Verkehrsteilnehmern mit Alkohol und Drogen statt. Die
    Maßnahmen waren dabei nicht nur auf den motorisierten Verkehr gerichtet, vielmehr steht jegliche Art der Verkehrsbeteiligung aller Altersklassen, sowie jegliche Formen der Fahrtüchtigkeit im Fokus. In dem Zusammenhang wurde auch
    viel Aufklärungsarbeit betrieben, unter anderem mit der landesweiten Verkehrssicherheitskampagne #FahrKLAR.

    Im Jahr 2023 ist das Thema Rücksichtnahme im Straßenverkehr das Kernthema der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit. Der Fokus liegt hierbei insbesondere auf dem Radverkehr und dem Thema Geschwindigkeit.

    (üPm.)

  • Wo Generationen zusammenfinden

    Wo Generationen zusammenfinden

    Freiwillige Feuerwehr Norden ist mehr als ein Zweckverband

    Als am letzten Wochenende die Norder Freiwillige Feuerwehr im Rahmen einer Veranstaltung unter Beteiligung der Öffentlichkeit die neue Mehrzweckhalle einweihte, wurde sichtbar, dass Feuerwehrdienst mehr als das Fahren von Löscheinsätzen darstellt. Die Feuerwehrverbände sind soziale Einheiten in allen Altersstufen.

    Nordens Bürgermeister Florian Eiben (Foto: Jöran Steinsiek) im Gespräch mit Hans-Joachim Steinsiek

    Wir sprachen mit Bürgermeister Eiben über den Dienst in den Feuerwehrverbänden.

    Die Besonderheit des neuen Gebäudes auf dem Gelände der Feuerwehr ist die Bestimmung als Mehrzweckgebäude. Hier wird die Veteranengruppe der Feuerwehr ebenso Platz finden wie die Jugendfeuerwehr, das Feuertechnische Museum und die Fortbildung der Aktiven.

    Seit 2021 im Bau mit viel Vorlauf in Politik und Verwaltung.

    Von Stadtgeschichte sprach Stadtbrandmeister Thomas Kettler. Stolz die Veteranen um Wilhelm Schmeding. 600.000 Euro von der Stadt für den Neubau waren eine gute Investition.

    Stadtbrandmeister Thomas Kettler im Gespräch mit Hans-Joachim Steinsiek

    Dirk Bünting, dessen Familie die Oldie-Gruppe 25 Jahre lang in ihren Firmengebäuden beherbergt hatte, erhielt als Anerkennung die Abschrift einer historischen Urkunde, die im Original in der Grundsteinlegung verbaut wurde.

    Kreisbrandmeister Dieter Helmers betonte in seiner Dankesrede: „So etwas gibt es meines Wissens kein zweites Mal in Niedersachsen.“

    Wilhelm Schmeding
    Kreisbrandmeister Dieter Helmers
    Dirk Bünting

    alle Bilder: Jöran Steinsiek