Autor: Hans-Joachim Steinsiek

  • Internationalen Museumstag. Teemuseum Norden ist dabei.

    Internationalen Museumstag. Teemuseum Norden ist dabei.

    Auch wenn das Ostfriesische Teemuseum zurzeit noch geschlossen ist, können am Internationalen Museumstag, am Sonntag, 16. Mai, neue digitale Angebote entdeckt werden. Das Museum veröffentlicht daher auf seiner Facebook-Seite und dem YouTube-Kanal neue Videos zu verschiedenen Objekten der Dauerausstellung. Kulturfreundinnen und -freunde erhalten so die Gelegenheit, sich ein bisschen Museumsflair ins eigene Wohnzimmer zu holen und sich schon einmal auf ihren nächsten Besuch des Ostfriesischen Teemuseums einzustimmen.

    Zu sehen sind drei Clips aus dem Multimediaguide, der während des Aufenthalts im Museum den Gästen kostenlos zur Verfügung steht. Ausgewählt hat das Museumsteam ein Video zu einem ganz besonderen Exponat: Ein abschließbares Zuckerkästchen, an welchem der hohe Stellenwert des Zuckers erklärt wird. Zwei weitere Clips richten sich an Freunde des Plattdeutschen und geben einen kleinen Einblick in den neuen plattdeutschen Multimediaguide, an dem gerade gearbeitet wird. Dieser wird schon bald den Museumsgästen zur Verfügung stehen. Thematisch drehen sich die beiden Videos um die Gestaltung von Teedosen und Verpackungen mit Beispielen aus der Teewerbung und das berühmte Porzellandekor der ostfriesischen Rose.

    Ostfriesisches Teemuseum Norden

    Westerstr. 2

    26506 Norden

    Tel.:   04931-91 82 139

    Web: www.teemuseum.de

    (ü.Pm. Teemuseum Norden, Foto: ebd.)

  • Uwe Fieker tritt in Dornum an. „Ich will Politik mit den Bürgern machen!“

    Uwe Fieker tritt in Dornum an. „Ich will Politik mit den Bürgern machen!“

    Dornum steht vor der Bürgermeisterwahl. Dabei tritt ein unabhängiger Kandidat an, der den meisten Dornumern wohl bekannt sein dürfte. Uwe Fieker ist Ortspolizist in Dornum, wo die Polizeiwache bekanntlich schon im Rathaus untergebracht ist. Aber Fieker kennt nicht nur das Rathaus, er glaubt auch die Sorgen der Dornumer gut zu kennen und wünscht sich für seine Gemeinde einen neuen Aufbruch. Wir sprachen mit dem Kandidaten und mussten dies, coronabedingt natürlich per Telefoninterview bewältigen.

    Uwe Fieker am 9. 5. 2021 im Telefoninterview
    Uwe Fieker

    Wer mit Uwe Fieker Kontakt aufnehmen möchte kann dies unter:

    telefonisch unter 0152-29587298, oder per Mail, uwefieker@gmx.de

    (Pm., Interview: Hans-Joachim Steinsiek, Redaktion fresenspegel.de)

  • Dornumer Bockwindmühle bekommt Wind…

    Dornumer Bockwindmühle bekommt Wind…

    Ein Bericht von Michael Röthling, Dornum / Bockwindmühle von 1626 – Herrlichkeit Dornum e.V.

    Aufgrund der Corona Pandemie kann die Bockwindmühle in Dornum derzeit immer noch nicht ihre Pforten öffnen. Die Aussenbesichtigung ist dafür jederzeit unter Beachtung der entsprechenden Abstände zueinander jederzeit möglich. An der Mühle sind einige Hinweisschilder mit QR-Codes befestigt. Über diese QR – Codes kann man Mühlenfilme abrufen.
    Zum kommenden Vatertag soll die Mühle wieder in vollem Glanz strahlen. Dazu trafen sich einige Mühlenmitglieder und rollten die Exponate aus der Remise. Meene Schmidt brachte mit seinem Oldtimer Mc Cormick Trecker den Leiterwagen aus dem Winterlager.

    Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist DSCF1375-2-600x435.jpg

    Wilhelm Broeksmid, Albert Verton, Dieter Becker und Meene Schmidt

    Gemeinsam haben Wilhelm Broeksmid, Dieter Becker, Albert Verton und Meene Schmidt die Erdkarre aus der Remise geholt, die beiden Pflüge wurden aufgestellt und auch der Elektrowagen steht wieder auf der Wiese vor der Mühle. Der Schriever Michael Röthling durfte alles fotografieren und in diese gesetzten Worte fassen.
    Don Quichote ist an der Bockwindmühle in Dornum kein Unbekannter, zumal am Müllerhaus ein Verbotsschild für ihn aufgehängt ist. Allerdings fühlen sich die freiwilligen Müller im Kampf gegen die schwarzen Gesellen aus Dornum fast so wie dieser tapfere Ritter. Vor vier Wochen wurde der Mühlenacker mit Sommergetreide und Bohnen frisch bestellt. Die Saat wurde sogar noch mit einem Netz abgedeckt.
    Groß war die Verärgerung, die Saatkrähen hatten fein säuberlich die gekeimten Bohnen durch das Netz gepickt und vom Sommergetreide waren nur noch die leeren Spelzen übrig.

    Meene Schmidt, Albert Verton, Meene Schmidt bei der Aussaat des Urgetreides.

    Michael Röthling hatte schon lange die Idee, auf dem Mühlenacker historisches Getreide zu säen. Es hat fast ein halbes Jahr intensiver Recherche gebraucht, angefangen beim örtlichen Samenhandel über bekannte Müller bis hin zum Internet. Letztendlich hat er bei den Urkornpuristen in Eppingen einen Lieferanten gefunden, der keimfähiges Getreide im Kilobereich anbietet.
    So wurden jetzt auf dem Mühlenacker kleine Parzellen mit Waldstauden Roggen, Dinkel, Urdinkel Blue Velvet, Schwarzer Emmmer und Korashan Weizen gesät. Einige dieser Sorten sind Wintergetreide und hätten bereits im vergangenen Herbst eingesät werden müssen, die Freiwilligen Müller haben es trotzdem mit einer Ansaat versucht. Diesmal wurde ein höheres Netz gespannt. Urgetreide hat eine lange Geschichte, es ist meistens genügsamer als heutige moderne Getreide und krankheitsresistent, liefert aber weniger Ertrag. Dafür ist es reich an Mineralstoffen und die Bekömmlichkeit ist ausgezeichnet. Gebackes Brot und Kuchen schmeckt hervorragend.
    Am Rande sei noch bemerkt, dass mit den Urgetreiden Bier gebraut wird und auch hervorragende Spiritousen gebrannt werden.
    „Dinkel ist das beste Getreide, fett und kraftvoll und leichter verträglich als alle anderen Körner. Es verschafft dem, der es isst, ein rechtes Fleisch und bereitet ihm gutes Blut. Die Seele des Menschen macht er froh und voll Heiterkeit. Und wie immer zubereitet man ihn isst, sei es als Brot, sei es als andere Speise, ist er gut und lieblich und süß.“ schrieb dazu die Äbtissin und universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

    Da diese Urgetreide hervorragende Verwendungsmöglichkeiten bieten, werden sie sicherlich in Zukunft häufiger von den Mitgliedern der Bockwindmühle verwandt werden.

    Bei dem Arbeitseinsatz zeigte sich mal wieder, dass alle hochmotiviert auf die Öffnung der Bockwindmühle warten. Da aber viele Aktive von Alter her der Hochrisikogruppe angehören, werden sie noch auf ihre zweite Impfung warten müssen, dann hoffen sie auf einen Neustart an der Bockwindmühle.

    weitere Informationen:
    www.Bockwindmühle-Dornum.de

    (ü. Pm., Fotos: Verein Bockwindmühle)

  • Besuch der Gemeinderatsversammlung mit Hürden.

    Die Gemeinde Dornum hatte für den 11. Mai um 16.30 Uhr eine Gemeinderatsversammlung angekündigt. Mit Auflagen wegen der Pandemie. Alle Besucher sollten sich bis 24 Stunden zuvor anmelden und eine Testbescheinigung vorlegen können, die nicht älter als 24 Stunden sei. Für Dornumer Bürger wäre dann eine Testung für den Abend des 10. Mai, oder möglicherweise während der Dienstzeit am 11. Mai notwendig geworden. Ausweislich der Webseite der Gemeinde gibt es nur 2 Praxen, die eine solche Testung hätten durchführen können.
    Wir hakten bei der Gemeinde nach und erhielten den wenig hilfreichen Hinweis, dass man sich ja in Nachbargemeinden testen lassen könne und im übrigen sei die Anordnung von Bürgermeister Hook so festgesetzt worden, mit Rückhalt bei der Kommunalaufsicht in Aurich. Natürlich wollten wir das so auch nicht hinnehmen und informierten uns ebendort. Interessant dann die Erkenntnis, dass die Gemeinde wohl Personen, die sich hätten nicht testen lassen können, mit einem Schnelltest vor Ort bedienen würde. Einen derartigen Hinweis fanden wir und uns informierende Leser leider nicht auf der Gemeindewebseite.
    Anlaß für uns eine Presseanfrage an die Gemeinde zu richten, ob für diesen Fall Vorsorge getroffen sei und diese Information dann von uns der Öffentlichkeit verkündet werden könne. Wir setzten eine Frist für den Folgetag, leider ohne Beantwortung seitens der Gemeindeverwaltung. Erstaunlich dann ein weiterer Blick ins Web, die Versammlung wurde ohne Presseinformation abgesagt. Wenig Stil in der „Herrlichkeit Dornum“ wo die Information des Bürgers wohl als nicht so dringlich angesehen wird und selbst Presseanfragen keine Erhellung bringen. Die Bewertung durch den Bürger dürfte in einem Wahljahr diesem selbst belassen sein.

    hier der der Gemeinde übermittelte Text unserer Anfrage am 5. 5. 2021, 11.30 Uhr:

    Eilige Presseanfrage, Beantwortungsfrist 6. 5. 2021, 10 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    wie uns die Kommunalaufsicht Aurich bestätigte, seien für Personen, die sich nicht haben rechtzeitig testen lassen können, Coronasoforttest vor Ort möglich.
    Dies ist leider nicht in der Veröffentlichung zur Veranstaltung erwähnt.
    Bitte teilen Sie mir kurzfristig mit, ob entsprechende Vorkehrungen getroffen wurden und Testmöglichkeit vor Ort gewährt ist.

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  • Darf sich moralische Verantwortung hinter einer juristischen Bewertung zurückziehen?

    Impferschleichung wurde ein Begriff, als im Rahmen der Priorisierung Personen ohne eine vorgesehenen Vorrangstellung sich und Nahestehende impfen ließen. In der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich und Norden ergab sich eine Unregelmäßigkeit, als sich der Klinik Geschäftsführer außerplanmäßig impfen ließ. „Überschüssige Gebinde“ sollten angeblich nicht verfallen. Die moralische Frage, warum die nicht innerhalb der Impfberechtigten verimpft wurden steht und führte für zu einer über Ostfriesland hinaus beachteten Diskussion. Juristisch wurde die Geschäftsführung zwar entlastet, aber damit will die Politik sich nicht zufrieden geben. Grüne, Linke und AKSB fordern weiterhin die Ablösung, bzw. den Rücktritt des Geschäftsführers Claus Eppmann, während Landrat Olaf Meinen vorsorgend verkündet, dass „keine Köpfe rollen werden“.
    Das Vertrauen in die Führungsspitze des Klinikverbundes scheint jedenfalls nachhaltig gestört und es darf mit Spannung erwartet werden, ob die Politik eine eigene moralische Bewertung jenseits der rein rechtlichen Entlastung mit Konsequenzen einfordern wird.
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  • 1. Mai zwischen Traditionspflege und Sinnsuche

    Wofür steht heute der 1. Mai? Eine Frage, die zu stellen kaum öffentliches Interesse wecken kann, denn zwischen Unkenntnis geschichtlicher Entwicklungen und idiologischer Stereotypie bewegen sich die Reaktionen zumeist desinteressierter Bürger. Ein freier Feiertag, der auch dem Volkslied folgend ein Fest der sich langsam freundlicher zeigenden Natur gewidmet sein könnte und nur noch für sehr kleine Gruppen eine politische Bedeutung trägt. Längst hat sich die Gesellschaft gewandelt und der Arbeitnehmer ist heute in einer rechtlichen Grundposition, die unvergleich mit der früherer Jahrzehnte ist. Ein reiner Gedenktag und dem Selbstverständnis politischer Parteien und Gewerkschaften dienend? Letztere teilen heute weitgehend das Schicksal großer Religionsgemeinschaften und schrumpfen kontinuierlich, dem Desinteresse der Masse geschuldet. Nun haben Gewerkschaften eine Vertretungsmacht, die in gesetzlichen Vorgaben eingebettet ist und dem Heer von Betriebsräten und Funktionären ihre Existenz sichert. Sie vertreten die „Klasse der Arbeitsplatzbesitzer“, der das stete Heer der Nichtbeschäftigten gegenübersteht. Letzteres hat keine Lobby und ist über die Sozialgesetzgebung alimentiert. Gesellschaftlich steht der „Beschäftigte“ sozial in höherem Ansehen, als der „Unbeschäftigte“, zu dem eine soziale Distanz bis in die gesetzliche Bewertung festgeschrieben ist. Lebensunterhalt in Rente bemisst sich an der Zeit und dem Ertrag in der Lebensleistung als „Beschäftigter“. Abgehängt die, die es aus gleich welchen Gründen nicht vollbracht haben das notwendige Rentenkonto aufzufüllen. Die Kategorie der Grundsicherung liegt unter dem, was ein „ordentlich“ Beschäftigter in der Norm von vorgegebenen Mindestjahren erreichen kann. Festgeschriebene Ungleichheit, die nicht das Einzelschicksal oder die Verfügbarkeit von Arbeit berücksichtigt. Und Vollbeschäftigung hat es in unserem Sozialstaat noch nie gegeben. Lebensleistung ist an Bedingungen verknüpft und soll das Gerechtigkeitsgefühl der „Arbeitenden“ befrieden. „Bedingungslose“ Zuwendungen an die Allgemeinheit passen da nicht in den historischen Kontext, auf den sich Gewerkschaften und Parteien bei der Zelebrierung des 1. Mai berufen. Soziale Gerechtigkeit auf eine allgemeine Menschenwürde und ein Grundeinkommen herunter zu brechen würde den Mythos des 1. Mai stören. Eine systemsprengende Idee, die mit der Neuordnung des Sozialsystems liebäugelt bedroht die traditionspflegenden Institutionen Gewerkschaft und Parteivertretung, wäre sie doch die Aufhebung der bisher gelebten Selbstbestimmung. Aus einem zu erkämpfenden Status führt der rechtliche Anspruch auf eine nicht an Bedingungen geknüpfte Lebensgrundlage, die alle teilen. Noch Utopie, aber bereits in Parteien sich formierende Entwicklung. Was würde aus Gewerkschaften und sozial orientierenden Parteien, wenn morgen eine große Mehrheit von Bürgern ein „Bedingungsloses Grundeinkommen“ einfordert? Eine Aufgabe, der sich Gewerkschaften wie Traditionsparteien bisher noch widersetzen, auch wenn die Idee mittlerweilen mit Beispielen und wissenschaftlichen Fürsprechern die Öffentlichkeit sucht. Das abgedroschene Mailied könnte eine frische Neuauflage erfahren. Allerdings mit gravierenden Neuerungen, die auch Gewerkschaften und Parteien nicht in ihren starren Denkgewohnheiten belassen könnten.

    (stk)(stk)(stk)Einen schönen 1. Mai !

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  • Wenn Dornums Fähre kein Gehör findet

    Wenn Dornums Fähre kein Gehör findet

    Baltrum, eines der Traumziele an der Nordsee wird über Dornum betreten. Genauer über den verbindenden Fährbetrieb zwischen der Insel und der Festlandsgemeinde Dornum. Der Fährbetrieb dient nicht nur der Touristik, sondern ist ein fester Bestandteil der Küsteninfrastruktur auf die Bewohner und Touristen gleichermaßen angewiesen sind. Seit einiger Zeit läuft der Verkehr an dieser Nahtstelle aber nicht mehr glatt. Fährbetreiber und Gemeindeverwaltung stehen im Kommunikationsstau. Letztlich verhinderte die Gemeinde mit dem Hinweis, die Geschäftsführerin der Fährgesellschaft sei nicht Einwohnerin, sie hat nur ihren Dienstwohnsitz in der Gemeinde, in der Einwohnerfragestunde das Wort zu ergreifen. Dabei hätte diese der Gemeinde viel zu erzählen. Von fehlenden Toiletten und anderen Hemmnissen eines unbeschwerten Miteinanders. Grund genug für uns, mit Frau Christina Ulrichs, der Geschäftsführerin der Baltrum Linie, die Lage an der Waterkant zu erörtern.

    Christina Ulrichs, Geschäftsführerin der Baltrum-Linie, ist verärgert über die Arroganz , die der wichtigen Infrastruktur Fähre seitens der Dornumer Hafenbetreiber entgegengebracht wird.

    Erzwingen kann Frau Ulrichs von Seiten des Fährunternehmens in der Tat kein Rederecht bei einer Einwohnerfragestunde. Und es kann diskutiert werden, ob dieses Bürgerinstrument geeignet ist Konflikte dieser Art zu lösen. Die sich ergebende Unzufriedenheit des Gewerbetreibenenden und Dornumer Bürger könnte jedenfalls eine Rolle bei den bevorstehenden Kommunalwahlen spielen. Immerhin stehen dem bisherigen Bürgermeister bis jetzt schon zwei Konkurenten gegenüber, die neue Konzepte für die „Herrlichkeit“ an der Küste fordern.

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    (Fotos: Eigentum der Baltrum Linie)

  • Test, Poker und wachsende Todeszahlen

    Test, Poker und wachsende Todeszahlen

    Nachbessern ist ein Wort, das voraussetzt, das zuvor etwas nicht gut war. Vielleicht auch schlecht. Das, was in Deutschland bisher im Kontext mit Corona abging kann man eigentlich nur als schlecht bezeichnen. Ein Urteil, was auf den Straßen schnell Bestätigung findet, wenngleich das Gemeinte dann auch der größte Gegensatz sein kann. Von der Gegenwart und aus Sicht der Wissenschaft betrachtet ist ein neuer Lockdown alternativlos. Zu lange zauderte und haderte man im Interessengeklüngel und das regressive Infantilitätsgehabe tobte in den Sozialen Medien.

    Dabei, man hätte wissen können, denn über die Gefährlichkeit und das Ausmaß der Bedrohung wusste man bereits recht früh. Asien kennt wiederholte Epidemien und musste Erfahrungen sammeln. Belächelt wurde bei uns das bekannte Bild von Touristen aus Asien, die sich selbst hier in Europa nicht von der heimischen Gewohnheit des Maskentragens freimachten. Als dann die Bedrohung nach Europa überschwappte und in eine Gewissheit wandelte, zögerte man sich der Gefahr zu stellen. Ich erinnere mich an das letzte Frühjahr, wir kamen von einem längeren Aufenthalt in Korea zurück und standen hier in Deutschland erstaunt vor sorglosen Menschenansammlungen. Journalistische Anfragen bei Kommunen und Universitätskliniken erbrachten zunächst eine Diskriminierung von Stoffmasken, wenngleich man sich später zu dem Gebrauch derselben durchrang und zum Tragen aufrief. Flächendesinfektionen, nein, die seien nicht zielführend, man berief sich auf einzelne Medizinermeinungen, bzw. den Standards der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Zufallstestungen und ein kostenfreies Testangebot, nein das sei „Ressourcenverschwendung“.

    Wissenschaftsvermittlung über Talkshows und Politiker mit Selbstdarstellungsdrang auf allen Kanälen und im Netz. Politiker, die sich selber über Tagebücher verewigen und ihren Einsatz lobend in den Fokus der Öffentlichkeit schieben…, „Mein Kampf gegen Corona…“, wichtig genug scheinend, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Dann folgte diese AHA Regel, die Abstand und eine griffige Formel bot, aber kaum als Aha-Erkenntnis zu bewerten war. Denn bis dort, wo es Rat hätte geben können, drang westlicher Forschungswille nicht vor. Heute stehen wir vor nackten Fakten und Wissenschaftlichkeit sollte nur auf sie, nicht auf Meinungen setzen. Mittlerweilen beklagen wir mehr als 75000 Tote und horrende Infektionszahlen. Unsere Bevölkerungszahl liegt bei knapp über 80 Millionen Menschen. Korea, dicht an der Quelle der Epidemie hat über 50 Millionen Menschen. Dort sind bisher weniger als 2000 Menschen gestorben, so circa 7-8 tausend Infizierte. Nachbar Japan beklagt um 7000 Tote und weist um 14000 Infizierte auf. Wenn es eines Beweises bedürfte, Korea konnte es besser und es lässt sich nicht auf Zufall gründen, dass die Epidemie dort einen anderen Verlauf nahm.

    Strikte Kontrollen beim Betreten von Kaufhäusern mit Temperaturfühlern

    Worauf gründet sich der bisherige Erfolg der Koreaner? Hat er eine methodische Grundlage? Ja, er hat Methode. Denn schnell nach Beginn der Epidemie raufte sich die Politik zusammen und leitete strikte Maßnahmen und Aufkläungskampagnen ein. Zur Zeit unserer Abreise von Korea im Vorjahr bestimmten Informationshinweise im koreanischen Fernsehen die Programme. Masken, Desinfektion und ein wirksames Benachrichtigungssystem, die akribische Nachforschung und Begleitung von Infizierten, öffentliche Regelungen für Abstand und Hygienemaßnahmen wurden Alltag und mit Einsicht von der Bevölkerung hingenommen. Es gab kleinere Rückschläge, die auf religiös fanatische Gruppen und auf Besucher des großstädtischen Nachtlebens zurückzuführen waren, meist mit der Folge einer juristischen Bestrafung der Verantwortlichen.

    Koreas Städte haben eine enge Bebauung. Hochhausappartements sind komfortabel und beliebt

    Zu Jahresbeginn reisten wir mit Ausnahmegenehmigung als Journalisten wieder nach Korea. Strickte Kontrolle und Testung waren schon vor der Abreise hier Voraussetzung. Gleichwohl wurden wir nach der Landung auf Incheon-Airport vollkommen abgesondert. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel untersagt und ein Taxitransport führte uns dann in unsere zuvor bestimmte Wohnung in Chungju, ca. 3 Autobahnstunden südlich von Seoul. Freiwillige Quarantäne für 14 Tage waren die Voraussetzung für unseren weiteren Aufenthalt von einem Monat. In der Wohnung angekommen wurden wir vom örtlichen Gesundheitsamt kontaktiert und am kommenden Tag von einem Krankenwagen zur örtlichen Teststelle gefahren. Die Ergebnisse der Negativtestung erreichte uns dann per Telefon und SMS. Gleich darauf brachte die Post ein Paket mit landesüblichen Lebensmitteln und Hinweisblättern, sowie Hand- und Raumdesinfektionsmitteln einschließlich Schutzanzug für deren Gebrauch. Wie wir erfuhren, wurde dieses Paket jedem positiv Getesteten und den unter Quarantäne stehenden kostenfrei von der Gemeinde vor die Türe gestellt. Schön zu wissen, dass die Gemeinde sich in der Extremsituation um ihre Bürger kümmert. „Complience“, also die Bereitschaft zur Mitarbeit von Bürgern kann durch kleine Geschenke sicher beeinflußt werden. Natürlich verwies man uns darauf, dass wir jederzeit Kontakt zu unserem Ansprechpartner im Gesundheitsamt aufnehmen könnten, was in Anbetracht häufiger freundlicher Rückrufe des Amtsarztes sich erübrigte. Kontrolle kann auch sehr freundlich sein. Mit viel Verständnis für die Situation tröstete er uns überhöflich für unser eingeschränktes Dassein.

    Touristische Ziele sind auch in der Pandemiezeit zugänglich.

    Nach 14 Tagen Quarantäne folgte eine weitere Testung und wir waren frei. In Korea spielt sich das öffentliche Leben weitgehend normal ab. Markttage, Besuche von Restaurant und Café sind möglich. Allerdings immer mit Offenbarung von Namen und Telefonnummer, Handdesinfektion an den Eingängen und natürlich Abstand. Bestimmte Tische und Plätze sind als gesperrt ausgewiesen. Selbst Kirchen gestalten ihre Aktionen unter den strengen Sicherheitsbedingungen. Gewöhnungsbedürftig sind die zahlreichen Hinweise auf Positiv-Verdachtsfälle, wenn die Warnung das Mobiltelefon zur Aktion bringt. Dann werden Straßenzüge, Aufzüge und Treppenhäuser desinfiziert und die Nachbarschaft auf Vorsichtsmaßnahmen verwiesen. Tatsächlich desinfizieren die Koreaner alle Kontaktflächen von Menschen und halten das für unabdingbar. Hier in Deutschland konnte ich in einer Ruhrgebietsstadt nicht einmal offizielle Desinfektionsanweisungen für Schulen erfragen, ein Stadtdirektor teilte mir mit, der Aufwand sei nach seinen Erkenntnissen nicht notwendig. In Korea gelten gerade für die Schulbereiche sehr hohe Sicherheitsbestimmungen.

    Dienstleistungsbetriebe sind geöffnet. Auch hier strikte Maskenpflicht.

    Die Einreisebestimmungen für Korea sind sehr streng. Arbeits- und Schulvisa können erteilt werden, sind dann aber an Auflagen gebunden und mit Kontrolluntersuchungen überwacht. Die touristische Einreise und der unbegründete Verwandtschaftsverkehr sind unmöglich. Die breite Auslandsberichterstattung mit den katastrophalen Coronabilanzen in Europa und insbesondere in Deutschland führt bei Koreanern zu Unverständnis. Das Geschehen hier wird besonders beachtet, da das Interesse an Deutschland bei den Koreanern allgemein ausgeprägt ist. Das Bild von den Deutschen mit guten Organisationsfähigkeiten und Disziplin kommt durch Corona ins Zwielicht.

    Gastronomie ist unter Einhaltung von Abstandsregelungen möglich

    Worauf gründet sich augenscheinlich der durch Zahlen belegbare Erfolg der Koreaner? Man handelte von Beginn an mit gewohnten Abwehrmechanismen wie Maske und Desinfektion. Abstand ist in der koreanischen Kultur ohnehin verankert, man verneigt sich voreinander in Abstand, der Höflichkeit geschuldet.

    Frühere Epidemien boten eingeübte Verhaltensmuster. Diskussionen um Freiheitseinschränkungen, gar offene Proteste sind nicht vorhanden, man handelt aus Einsicht in wissenschaftliche Ergebnisse. Die Sauberkeit öffentlicher Einrichtungen ist besser als in Deutschland. Die Begründung öffentlicher Maßnahmen erfolgte in breiter Form in den Medien und ein Regierungsprogramm zur Bekämpfung der Epidemie mit Auflistung aller Maßnahmen wurde sehr früh vorgelegt. Es ist auch in Englisch verfügbar und der internationalen Öffentlichkeit nicht verschlossen (wir veröffentlichen es hier im Folgenden). Derzeit finden in Korea die Impfungen statt, bei der Priorisierung folgt man den Empfehlungen der WHO.

    Hätte Deutschland eine andere Perspektive gehabt? Aus der Außensicht kann das klar bestätigt werden. Entscheidungsschwäche, Organisationsversagen und halbherzige Maßnahmen dürften das schlechte Abschneiden im Vergleichsfall bedingt haben. Vielleicht ist das jetzige Hoffen auf Erfolge durch eine mit erneuten Organisationspannen gespickte Impfstrategie auch die Hoffnung sich nicht einer Verantwortungsdebatte stellen zu müssen. Ein Hoffen auf Vergessen und der Einrede der Alternativlosigkeit? Dann bliebe das Urteil über Corona und die Todeszahlen den Historikern überlassen, die dann aber die eurozentrische Sichtweise verlassen müssten.

    (stk., Fotos: die-erle.de)

  • Kann man die nun als sinnvoll erachteten FFP2 Masken mehrmals verwenden?

    Nach den uns vorliegenden Informationen können FFP2 Masken begrenzt wiederverwertet werden, wenn man sie wie folgt behandelt:

    1. einen Tag in Raumluft trocknen lassen.
    2. bei 80 Grad im Backofen mit Ober-, bzw. Unterhitze (keine Umluft!) für eine Stunde belassen.
    3. maximal 3-5 mal in dieser Verfahrensweise, dann sollten die Masken allerdings endgültig entsorgt werden.
      wichtig ist natürlich eine entsprechende Handhabung bei diesem Verfahren, dass nicht durch Berührung der Masken eine Berührungskontamination erfolgt.

    Sofern noch im Privatbereich mit Stoffmasken gearbeitet wird: mindestens dreilagig zusammennähen. Viele der im Netz kursierenden Anleitungen bauen zu dünne Masken auf, die als weniger wirksam betrachtet werden müssen.

  • 2021 – Reise ins Ungewisse

    Allen Freunden und Lesern zunächst der Wunsch auf ein hoffentlich gutes Jahr. Ein Wunsch, der sich in der augenblicklichen Situation eigentlich nur im Konjunktiv ehrlich ausdrücken lässt. Tägliche Meldungen über erschreckende Todesraten scheinen wohl zunächst die erste Gewissheit von 2021 zu sein. In diesem Punkt werden die Medien vorerst von Reportern beflügelt. Die Berichterstattung über Folgen und den Umgang mit der Seuche, sowie die sozialpsychologischen Betrachtungen abweichenden Verhaltens Einzelner und gesichtsloser Massen gehören jetzt zum täglichen Leben. Über diese statierenden Darstellungen hinaus lohnt sich die Beobachtung der journalistischen Veröffentlichungen. Nicht jede Zeit bietet soviel Meinungsfreiheit wie die jetzige. Das Fehlen sicherer Fundamente erlaubt Interpretationen und Spekulationen. Grob lassen die sich kategorisieren in jene, die sich an der Art der Bekämpfung der Seuche abarbeiten, einschließlich der Spekulation des „hätte man….“. Dann diejenigen, die sich berufen fühlen die Zukunft zu wahrsagen und daraus Notwenigkeiten für das Jetzt postulieren. Letztlich jene, die nichthinterfragte Moralvorstellungen transportieren. Das nicht ausreichend kommentierte Interview gehört hier insbesondere zur letzteren Kategorie, die ich für die gefährlichste halte. Denn wenn in den digitalen Medien sich Akteure, Lokalpolitiker und selbst Verwaltungsleute sich ob ihres „unbeschreiblichen“ Einsatzes ordentlich auf die Schultern klopfen und oft schwer erkennbar ist, was eigentlich zur bezahlten Pflichtaufgabe gehört, ist dies als sozialpsychologisches Phänomen gut wegzustecken. Die Krise gibt halt auch jedem Rädchen im Gefüge eine Aufmerksamkeit, die den Anlaß braucht. Hiermit sind natürlich nicht die berechtigten Hilfeschreie jener gemeint, die unter Druck, und hier Leidensdruck, Mißstände in die Öffentlichkeit bringen. Eine Klage ist kein Tagebucheintrag im Stile verhinderter Kriegsberichterstatter.

    Gefährlich wird diese letzte Kategorie dort, wo Politiker und Entscheidungsträger ethische Maßstäbe verwerfen und den Wert von Leben neu bestimmen wollen. Also lässig die Werte des Wirtschaftsablaufs über die Zahl der Seuchenopfer stellen. Dort wird ein Tabu gebrochen, das Widerspruch und Widerstand notwendig macht. Ich hätte da beispielsweise einen lauten Aufschrei in der CDU erwartet, als Schäuble in diese Richtung fabulierte. Wir gehen 2021 in ein Wahljahr und der Bürger wird entscheiden müssen, wer die grundgesetzlich bestimmte Norm des Lebensschutzes ernst genommen hat und nimmt.

    Nein, Gewissheiten sind 2021 nur in der Realität zu finden. Es wird eine politische und gesellschaftswissenschaftliche Herausforderung, sich gegen Dummheit und Aberglauben zu stemmen. Letztere lehnen stets die Verantwortlichkeit für deren Folgen ab und verletzen damit die Grundrechte der Anderen.

    Bleiben Sie gesund, schützen Sie sich und nutzen Sie den Verstand als Maßstab. Ansonsten bleibt uns nur die ungewisse Hoffnung.

    Hol di munter, sagt der Ostfriese, auch wenn es stürmt.

    Alles Gute in 2021

    Hans-Joachim Steinsiek